lag mit Brust und Gesicht auf der Mähne des Pferdes . Nur sein Schwert hatte er behalten - alles andre , die Packung des Pferdes , den Mantel , die Arm-und Beinschienen , den Plattenküraß und die Stahlhaube , hatte er bei dieser hetzenden Verfolgung fortgeworfen , um die Last für den Gaul zu mindern und diesen sechs rätselhaften Heckenreitern zu entrinnen , die er seit dem Morgen hinter den Fersen hatte . Zwei von den Stiftsgäulen waren niedergebrochen . Nun mußte Moorle seinen letzten Atem hergeben und aushalten bis zum Ingolstädter Tor . Während Lampert den erschöpften Rappen mit Spornstößen hetzte , wandte er immer wieder das Gesicht . Von seinem Knecht und den sechs Reitern war seit einer Weile nichts mehr zu sehen . Diese Reiter ? Die immer verschwunden waren , um immer wieder aufzutauchen ? Lampert wußte nicht , was er von ihnen denken sollte . Manchmal hatte diese Verfolgung sich angesehen wie ein boshafter Narrenstreich , wie ein Blindekuhscherz . Erst waren es nur zwei gewesen , dann viere , dann sechse . Auf offenem Geländ und in der Nähe von Dörfern hatten sie gespielt mit ihm wie Katzen mit der Maus , die nimmer entrinnen kann . Doch sooft sich die Straße in dichtem Wald verlor , war ' s Ernst geworden , bei keuchendem Jagen . Und im letzten Wald vor Ingolstadt , bei Ausbruch des Gewitters , hatten sie den Knecht eingeholt und aus dem Sattel gerissen . Strauchdiebe ? Die sich mit einem abgeschundenen Pferd , mit Kittel und Hemd eines Knechtes begnügten ? Ein Blitz fuhr nieder , daß Straße und Wiesen wie in Feuer schwammen . Dann ein Gerassel in den Lüften . Moorle scheute , und seine Hufe hämmerten über die Bohlen der Donaubrücke . Aus den grauen Wassergüssen des Gewitters tauchten die schweren Türme heraus , schwarz vor Nässe . Lampert mußte auf dem zitternden Gaul eine Weile harren , bis im Tor das schwere Balkengatter aufging . In der Mauthalle drängte sich ein Schwarm von bunten Söldnern um den triefenden Reiter her . » Botschaft an Herzog Ludwig ! Geleit vom heiligen Peter zu Berchtesgaden ! « Lamperts Stimme klang so heiser , daß die Mautknechte über diese krächzenden Laute zu lachen begannen . Man gab ihm zwei Söldner , die ihn zur Burg des Herzogs führen sollten , und versprach ihm , zehn Reiter auf die Suche nach seinem verschwundenen Knecht zu schicken . Er stieg aus dem Sattel , um den zitternden Gaul zu entlasten . Nach diesem mehr als vierzigstündigen Ritte wurde das Gehen für Lampert eine harte Mühe . Den linken Arm , der heftig schmerzte , konnte er kaum bewegen . Auch Moorle war fertig und kroch wie ein zerprügelter Ackergaul über das grobe Pflaster hin . Die enge Straße war leer , doch unter den Torhallen standen buntgekleidete Menschen dichtgedrängt beisammen , um das Ende des in grauen Schnüren fallenden Regens abzuwarten ; sie machten Späße , als die zwei Söldner mit dem gewaschenen Fremden zwischen den plätschernden Dachtraufen und unter den Güssen der Wasserspeier vorübertappten . Nach langem Weg durch winklige , von gelben Bächen überschwemmte Gassen erreichte Lampert das mit reichgekleideten Wachen besetzte Tor der herzoglichen Burg . Er wurde mit höfischer Umständlichkeit salutiert , und viele Diener stellten sich zu seinem Dienst . Lamperts erste Sorge gehörte dem übel zugerichteten Moorle . Als man den Gaul zu gutem Stall geführt hatte , lief einer von den rotgekleideten Leibtrabanten , die man Einrösser nannte , flink davon , um dem Herzog die Ankunft des Berchtesgadnischen Herrn zu melden . Die langen Hallen , die der Trabant durchschreiten mußte , um dem in die Höfe niederprasselnden Regen zu entgehen , wimmelten von rotgewandeten Söldnern , von grün und braun gekleideten Jägern und Falknern , von Herren in Scharlach und Silbergrau , mit der goldenen Edelmannschnur um die Hüte . In Herzog Ludwigs zahlreichem Hofgesinde diente neben den Soldknechten und Troßleuten ein halbes Tausend von Grafen und Rittern , von beutesüchtigen Abenteurern aus allen Ländern . Neben der heimatlichen Sprache hörte man Italienisch , Flämisch und Ungarisch , das Platt und den schwäbischen Dialekt , die rauhen Laute der Schweizer und am häufigsten das hurtig gleitende Französisch . Zwischen den Herren und Knechten ein Gewimmel von Jagdhunden . Man schwatzte , schrie und scherzte , daß es den Lärm des Regens übertönte ; man zechte an langen Tischen bei Saitengeklimper , bei Brettspiel , Karten und Knöchelbecher . Herr Ludwig , der diesen Schwarm von Hofleuten nährte , ließ das viele Gold , das er aus Frankreich nach Ingolstadt verfrachtet hatte und das er im eignen , reichen Lande gewann , durch lockere Finger ins Leere laufen . In einem kleinen , von hohem Kreuzgang umzogenen Hofe , der mit schönen Steinmetzarbeiten geziert war , standen trotz Regen und Traufe viele Herren , Söldner und Jäger mit Lachen und Schwatzen um große Holzkäfige und Körbe her , in denen Fasanen und ungarische Hirsche gekommen waren , um die Bestände des herzoglichen Tiergartens aufzufrischen . Die Jagdhunde kläfften das Hochwild an und schnupperten gierig den Duft der schönen Vögel . Der Einrösser eilte durch lichtarme Korridore und über unbequeme Treppen hinauf . Das alte Schloß war düster und winklig in seiner Bauart . Doch die bedrückten Räume waren verschwenderisch ausgestattet , und in allen Gängen standen rotgekleidete Leibtrabanten mit vergoldeten Spießklingen . Vor der Tagstube des Herzogs lag der einzige große Saal des Schlosses wie eine glitzernde Schatzkammer . Kunstvoll gewebte Bilderteppiche bedeckten die Wände . In verglasten Schränken schimmerte eine Fülle von Kostbarkeiten : Diademe , Gürtel und Kronen aus Smaragden und Saphiren ; Heiligenschreine standen umher mit Schnitzereien aus Elfenbein ; goldene und silberne Statuen glänzten , Hausaltäre mit Gemälden auf Goldgrund , verschwenderisch umkrustet von Perlen und Edelsteinen ; und überall funkelten kristallene Gefäße und emaillierte Geräte , Werke der Schmelzkünstler von Limoges . Die Heimat dieser Kostbarkeiten war Frankreich . Sein halbes Leben hatte Herr Ludwig in