! « und als er sich schnell umdrehte , sah er seinen Vater auf dem Deich stehen und winken . » Hödjihöh , Vadder ! « rief er freudig , sah noch einmal nach der Ratte , dann aber warf er den Staken hin , denn das Takelzeug ging ihn nun nichts mehr an : sein Vater war gekommen ! Wo war er geblieben ? Eben stand er doch noch oben und lachte , - nun war er weg ? Störtebeker lachte und glaubte , daß er sich versteckt hätte , wie er es immer machte , er sprang den Deich hinan und suchte ihn im Binnendeich hinter den Eschen und Rosenbüschen , aber er konnte ihn nicht wieder ausfindig machen . » Vadder , neem büst du ? « rief er , aber er bekam keine Antwort . Da nahm er an , er wäre schon nach Hause gegangen , und lief in Sprüngen nach dem Neß . Er guckte über das Wasser , - der Ewer war nicht da , aber das hatte nichts zu sagen , denn er konnte ja noch an St. Pauli liegen , oder sein Vater konnte von Cuxhaven oder von der Weser mit der Eisenbahn übergereist sein . » Mudder , is Vadder ne hier ? « rief er schon auf der Diele und stürmte suchend in die Küche , überholte hastig die Schlafkammer und suchte die Dönß ab . » Och , mien arme Junge , woneem schull dien Vadder woll wesen « , klagte seine Mutter und sah tränenüberströmten Gesichts von ihrem Psalmenbuch auf , in dem sie gelesen hatte . » Eben wür he annen Westerdiek « , lachte er und stieg auf den Stuhl , um aus dem Fenster in den Hof hinunter zu sehen . » Ik will em woll gewohr wardn , den Versteekspeeler den ! « Da wurde sie aufmerksam . » Keen wür annen Westerdiek ? « fragte sie tonlos . » Vadder ! « rief Störtebeker , » he stünn boben uppen Diek un lach un wink . As ik to rupleep , wür he batz weg . « Da zog sie ihn jäh an sich , daß er sich nicht wehren konnte , und jammerte : » Vadder is bleben , Klaus , du hest keen Vadder mihr , mien Jung ! « Er schüttelte den Kopf . » Dat is ne wohr , Mudder « , sagte er bestimmt , » dat hest du dräumt . Vadder kann ne blieben und bliwt ne , dat hett he sülben to mi seggt . Vadder kummt jümmer wedder ! « Sie weinte nur noch heftiger . » Stopp , ik will em woll finnen « , rief er und lief wieder in den Wind hinaus , um seinen Vater zu suchen , den er doch ganz gewiß auf dem Westerdeich gesehen hatte . Gesa rief ihm nach , aber er hörte nicht darauf . * * * Auch die Uhr war stehen geblieben . Auf halb fünf stand sie : das war die Todesstunde von Klaus Mewes . Gesa hat die Uhr niemals wieder aufgedreht , niemals wieder angestoßen . Wie die unsichtbare Hand sie angehalten hat , ist sie stehen geblieben . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Zufall ? Gaukelei der Sinne ? Alle Seebevölkerung weiß , daß die Fahrensleute in der Stunde , in der sie auf See ertrinken , mächtig sind , an Land , in ihrem Hause , zu rufen oder zu schreien , zu klopfen oder zu scharren , auf dem Nebelhorn zu blasen , die Bilder an der Wand zu Boden zu werfen , die Uhr anzuhalten oder in Lebensgestalt zu erscheinen . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - H.F. 7 , Jan Sloo , kam den andern Tag von der Hoof , das heißt von Cuxhaven , übergereist , wo sein Ewer mit zerrissenen Segeln und gebrochenem Großmast hinter der Alten Liebe lag , und erzählte , daß er ein solches Wetter noch nicht erlebt hätte , auf See wenigstens noch nicht , es wäre ganz furchtbar hart gewesen . Als Gesa aber in der Dämmerung zu ihm ins Haus kam , mit einem dunkeln Tuch um den Kopf , mit bleichen Backen und verweinten , geröteten Augen , und ihn nach ihrem Mann fragte , sprach er anders ; da war es draußen gar nicht so schlimm gewesen , sie hatten nur etwas krauses Wasser gehabt und so was Gutes . Ihren Klaus hatte er zwar nicht gesehen , und er hatte auch nichts von ihm gehört , aber da war alles in der Reihe , der fischte gewiß mit einem Reff im Segel weiter , um erst die Eiskisten zu füllen und dann gleich eine gute Reise zu machen . Da brauchte sie sich keine Gedanken zu machen : der kam wieder , so gewiß wie zwei mal zwei vier waren , wenn nicht heute noch , dann morgen oder übermorgen . Wenn er den Wind ausgehalten hatte , hatte Klaus mit seinem viel größeren Ewer ihn siebenmal ausgehalten . Da konne sie ganz geruhig sein . So tröstete der Seefischer sie in seiner Unbeholfenheit , bis sie kopfschüttelnd hinausging , denn sie merkte , daß er nicht die Wahrheit sagen wollte . Er sah lange Zeit aus dem Fenster auf das Wasser hinaus , dann sagte er langsam zu seiner Frau : » Inne Nurd schallt noch mihr weiht hebben , as neem wi wesen sünd , - un ik gläuf , Klaus Mees is inne Nurd wesen . « - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Als