mit der Hinterwand der Raufe eben jenen Winkel bildete , in welchem Joel lag . » Wer wohnt hier , Thaddäus ? « fragte Valerius von neuem . Thaddäus umging aber die Frage noch einmal . » In der guten alten Zeit , « sagte er , » wo die Polen noch Polen waren , hat es hier in der Gegend einen freundlichen Herrn gegeben , welcher das Wild besser behandelte , als mancher die Menschen ; der ließ in strengen Wintern zuweilen hier Futter ausschütten für die hungrigen Tiere - ' s ist aber lange her , und die alten Bretter sind schon verfault , wenn der Wind hineinfährt , da stöhnen sie wie die Wölfe , die sich öfters hierher flüchten . « » Ich bin dein Freund , Thaddäus , wer wohnt in jenem Hause ? « » Gott lohn ' s Euch , Herr , « erwiderte dieser und griff nach Valerius ' Mantelzipfel , » wir haben nicht viel Freunde , wir Polen in Schafspelzen , aber einen mächtigen und einen stolzen Feind : den Russen und den Edelmann , dort in der Hütte , Herr , aber « - und dabei sank seine Stimme zum Geflüster herab - » wohnt der Schmied - seit vielen , vielen Jahren schon - wer seine Wohnung verrät , begegnet keinem Polen mehr , « setzte er mit blitzenden Augen hinzu , » es führt kein Weg durch den Wald hierher , und eine Stunde im Umkreise haben seine Freunde einen Graben im Walde ringsum gezogen , über den kein Reiter setzt , es haben viel Leute daran gegraben . « » Warum , « fragte Valerius weiter , » wohnt er denn schon so lange im verborgenen ? « Ein zuckendes , böses Lächeln preßte sich über Magyacs Gesicht , und er schien etwas Schlimmes auf der Zunge zu haben , aber er schluckte es hinunter , und nach einer Pause fuhr er fort mit wehmütigem Tone : » Es ist schon lange her , daß sie ihm alles genommen haben , ich war ein kleiner Bube , als er noch in Wavre wohnte mit Weib und Kind , und ' s war ein trüber , nebliger Herbstabend , als ich wieder einmal bei der Schmiede stand und mit großer Freude die glühenden Funken betrachtete , die durch den Nebel hinstoben von des Schmiedes gewaltigen Schlägen . Ja , Herr , die alten Leute sagen , sie hätten Zeit ihres Lebens keinen tüchtigeren Polen gesehen als den Schmied Florian , und der selige Herr Kosciusco - Gott segne seine Asche ! - hat ihn immer den jungen Piasten genannt . Ja , Herr , so war der Schmied , und als er an jenem Abende auf den Ambos schlug , da sang er ein altes Lied von unserer Freiheit , und die Gesellen sangen mit , und das halbe Dorf versammelte sich um die Schmiede , ' s war just der Abend vorm heiligen Martinstage , die Leute in Wavre gedenken alle Jahre dieses Abends . Denn als sie noch nicht fertig waren mit der Axt , die der Schmied hämmerte , und dem Liede , das sie alle sangen , da kamen die Russen aus Warschau und wollten den Florian gefangen nehmen , weil er ein aufrührerischer Kopf sei . Der Schmied aber schlug dem ersten , der ihm nahe kam , den Hammer vor den Kopf , daß er hinschlug wie ein umgehauener Baum . Nun ging das Schießen los , denn es wagte sich keiner mehr an den Polen . Es dauerte auch nicht lange , da lag Florians Weib und sein rüstiger Junge im Blute , und der Schmied stürzte heraus wie ein angeschossener Eber mitten unter die Soldaten , sie fuhren entsetzt nach allen Seiten auseinander , und ehe sie sich wieder sammelten , war Florian in den Wäldern . Jeder Russe , der ihn wieder gesehen , hat ' s mit dem Leben bezahlt . Florian ist übrigens der beste Mann im Lande und tut keinem Kinde was zuleide ; viele Leute halten ihn auch für einen Heiligen ; aber unglücklich ist er sehr , und wenn er am Tage um unser Vaterland geweint hat , so weint er des Nachts um sein Weib und seinen frischen Buben . Herr , seit ich den Schmied zum ersten Male in seinem Jammer belauscht habe , seit der Zeit hat mich nichts mehr gerührt ; es war am verwichenen Martinsabende , ich hatte einen Wolf erschlagen , und wollte dem Florian die Haut bringen für den Winter , da sah ich ihn durch die Türspalte vor seinem Heiligen auf den Knien liegen , das Wasser lief ihm in den Bart , und er fragte schluchzend den lieben Gott , ob er wohl wisse , wie schlecht es uns erginge im Lande Polen . « Thaddäus sprach nicht weiter , es trat eine lange Pause ein , und Valerius reichte ihm die Hand , die jener heftig küßte . Der Mund des jungen Polen brannte heiß und fieberisch . Die Tür des kleinen Häuschens öffnete sich , und Hedwig erschien auf der Schwelle , frisch wie ein junger Waldbaum , den der Tau des Morgens erquickt hat . Sie sah mit Lächeln auf den Schläfer im Winkel . Es lag soviel Schalkheit und soviel Wehmut in diesem Lächeln , daß man nicht wußte , ob jene größer als diese sei . Joel schlug die Augen auf und streckte noch halb schlaftrunken die Arme nach ihr aus . Sie reichte ihm die Hand , und als er sie an die Lippen führte , strich sie ihm leise damit über das Gesicht ; ihre Hand berührte auch jenes Tüchlein , aber sie ergriff es nicht . 12. Die linden Lüfte sind erwacht , Sie säuseln und weben Tag und Nacht , Sie schaffen an allen Enden . O frischer Duft , o neuer Klang ! Nun , armes Herze , sei nicht bang , Nun muß