Bettstelle und legte seinen Kopf auf das Kissen neben den Kopf des Vaters , und das rollende Auge beruhigte sich , und Hans verspürte , wie aus seines Vaters Herzen eine heiße Liebe zu ihm herüberströmte , und die Mutter kniete auch vor dem Bett und hatte seine Hand gefaßt , und auch auf die Mutter strömte Liebe und freundliches Wohlwollen . Und Hansens Herz erwiderte die Liebe , und er fühlte deutlich , daß er zu seinem Vater gehörte , denn alles andre , was ihm geschienen , war falsche Äußerlichkeit gewesen . Wie er sich dergestalt glücklich fühlte , ging von dem Sterbenden ein erleichtertes Seufzen aus , und eine Bewegung ging durch den ganzen Körper ; da erhob sich die Mutter und drückte ihm das Auge zu . Er lag mit einem friedlichen und beruhigten Gesichte da , und war , als habe er in den letzten Minuten nicht nur etwas Schönes empfangen , sondern auch eine große Weisheit , die ihn in ein gläubiges Erstaunen versetzte und seine Züge hell machte . Hans sprach : » Mutter , ich kann nicht weinen , denn er ist sehr glücklich geworden . « Die treue Dorrel aber kam an das Bett , nahm die Hände ihres Herrn und faltete sie ; und dann faltete sie ihre eigenen Hände , die von vieler harter Arbeit zeugten , und betete leise . Hans sprach zu seiner Mutter : » Ich habe es nicht um ihn verdient , daß er mich so geliebt hat , aber ich will sein Andenken lieb haben . « Viel dachte Hans darüber nach , woher es gekommen sein möge , daß seines Vaters Liebe erst in den letzten Minuten zu ihm sprach , und daß die Tage vorher so wunderlich verwirrt gewesen , und am Ende fand er darin eine Erklärung , daß seines Vaters Jugend zu schwer gewesen war und ohne Glück . Es muß aber jegliches Lebensalter auch das seiner Art entsprechende und gebührende Glück haben , sonst gedeiht der Mensch nicht zu seiner Vollkommenheit , sondern wird wie ein Baum , der in seiner Jugend nicht nach allen Seiten hat frei wachsen dürfen . Und wie er weiter nachdachte , fand er , daß dieses Glück viel weniger von der äußeren Gelegenheit abhängt , wie vom Menschen selber , ob er es aus sich herausbilden will , so daß also ein Mann wie sein Vater doch in seinem Innern einen Fehler gehabt hat . Aber diesen Fehler hatte er auch selber , und glich wohl sehr seinem Vater ; das wollen wir bedenken , da unser Hans doch von deutscher Art und Sorte ist . Als ein sehr veränderter Mensch kehrte Hans nach Berlin zurück , und es schien in Wahrheit , als ob er durch den Tod seines Vaters viel älter und ein Mann geworden sei , und besonders zeigte sich das , indem seine Gefühle gegen Personen , die ihm bis dahin nahegestanden , plötzlich ganz anders waren , ohne daß er einen Grund wußte . Am ersten kam es zu einem Bruch mit Heller . Der war längst in der früher beschriebenen Art verheiratet und hatte sich ein kleines und bürgerliches Leben begründet , indem er seine Anschauungen in Zeitungen verbreitete , die von Arbeitern und kleinen Leuten gelesen wurden . Hans besuchte ihn , wie er einen heftigen Einsamkeitsgram hatte , und traf ihn in seinem ärmlichen und sauber eingerichteten Zimmer , wie er in einem großen und gestickten Schlafrock am Schreibtisch saß ; er hatte etwas an Umfang zugenommen , und im Gesicht war ein Ausdruck eines herablassenden Wohlwollens ständig geworden , der sehr aufreizend wirkte . Da verspürte Hans zu seiner großen Verwunderung , wie er ihm die Hand gab , eine tiefe Verachtung gegen den alten Freund , und ihm war , als sähe er eine unerträgliche und widerwärtige Maske , die ganz hohl war und unbewegte Züge hatte , und alles ärgerte ihn , der Schlafrock und der anspruchsvolle lehrhafte Ton , und besonders einige hochtrabende Worte . Und wie ihm Heller am Ende erzählte , daß er beabsichtige , sich für den Reichstag aufstellen zu lassen , und daß sein Wahlkreis ziemlich sicher sei , da entfuhr es Hans , daß er grob wurde und Heller einen Intriganten nannte , und das Sonderbare kam ganz gegen seinen Willen und auch gegen seine vorherige Meinung ; aber die Bezeichnung hatte den wunden Punkt des andern getroffen , den Hans nur unbewußt geahnt hatte , denn er antwortete sehr gereizt , und das Ende war , daß Hans fortging mit dem klaren Bewußtsein , daß er für immer mit Heller auseinander war . Nicht lange währte es , da hatte er einen ähnlichen Vorfall mit Krechting ; der sagte ihm , er sehe aus ganz andern Augen wie früher und zeige einen besonderen Stolz , und aus diesem erkenne er , daß sich sein Wesen geändert habe und ein starkes Wollen in ihn gekommen sei , und so würden wohl ihrer beiden Wege jetzt auseinandergehen . Denn wir erwürben uns Freunde und zehrten diese innerlich aus , und hierdurch wie durch anderes würden wir mit der Zeit neue Menschen ; dann seien diese Freunde geschmacklos für uns geworden und wir würfen das Geringe , das von ihnen übrig sei , gleichgültig zu anderm Unrat , der sich aus unsrer Vergangenheit um unsre Hütte ansammle ; und etwa wie ein neugieriger Gelehrter die Küchenabfälle vorgeschichtlicher Völker durchwühle , so könne einmal ein Seelenforscher , wenn einer von uns einmal für einen solchen interessant wird , den Abfallhaufen studieren und aus ihm die Geschichte des Mannes erraten . Krechting saß in seiner Stammkneipe an seinem gewohnten Tisch , und wie er mit seinem unglückseligen und verkümmerten Körperchen dasaß in seiner Ecke und verbissen vor sich auf sein Glas sah , da wurde Hans von tiefem Mitleid ergriffen , der andre aber verspürte seine Bewegung , und sein Hochmut machte , daß er sich deren schämte , und