abend noch mit dem Chodj-y-Dschuna . Er hielt es für gut , zu wissen , woran man sei . Darum ist er dann fortgeritten , in der Richtung nach Chorremabad . Er kam bis an den Grenzduar der Dschamikun und erfuhr , daß der Scheik ul Islam dort übernachte und heute mit dem frühesten Morgen aufbrechen wolle . Er gebot Verschwiegenheit und ist nun hier , weil du gewünscht hast , daß er anwesend sei . Sonst aber weiß Niemand davon . Wirst du jetzt herunterkommen ? « » Nein . Schicke mir das Frühstück herauf ! Wer kommt Alles mit ? « » Es sind , Herren und Diener zusammen , fünfzehn Personen , alle sehr gut beritten und bewaffnet . Man hat ihnen dort im Duar gesagt , daß kein Fremder ohne die besondere Erlaubnis des Ustad bei uns Waffen tragen dürfe , sondern sie abzugeben habe , sobald er das Gebiet der Dschamikun betritt . Sie haben sich aber geweigert , dies zu tun . « » Nun , was dann ? Hat man sie gezwungen ? « » Nein . Man hat geglaubt , nicht streng verfahren zu dürfen , weil es der Scheik ul Islam sei . Natürlich werden sie auch hier am ersten Hause angehalten . Wenn du willst , werde ich sie unbedingt entwaffnen lassen . Wollen sie es sich nicht gefallen lassen , so mögen sie umkehren , und ich lasse sie von einer Reiterschar begleiten , bis sie über die Grenze sind . « » Recht so , Pedehr ! So gefällst du mir ! Es gibt keinen einzigen Menschen , vor dem wir Ursache , uns zu fürchten , hätten , und Furcht ist überhaupt die größte Torheit , die ich kenne . Aber Alles an seinem Ort und zu seiner Zeit ! Faust gegen Faust , doch gegen List nichts Anderes als eben auch wieder List ! Wenn man mich vor der Schlauheit dieses Scheik ul Islam warnt , werde ich mich hüten , wie ein dummer Bär mit Tatzen dreinzuschlagen . Und wenn wir fünfzehn Personen gleich am Eingange des Duar entwaffnen wollten , müßte ich so viele Dschamikun hinstellen , daß man sich sofort sagen müßte : die haben gewußt , daß wir kommen ! Und grad das soll ihnen doch verheimlicht werden ! Lassen wir es also laufen , wie es läuft ! Ihr beide , nämlich du und der Chodj-y-Dschuna , habt sie mit allen Zeichen der Ueberraschung zu empfangen und in die Halle zu führen , wo Ihr Euch mit ihnen unterhaltet , bis ich komme . « » Soll ich dich holen lassen ? « » Nein . Um die Ansicht , daß wir nichts gewußt haben , zu verstärken , sagst du , daß ich nicht daheim sei , sondern einen Spaziergang gemacht habe . Das werde ich auch tun , doch gar nicht weit . Ich sorge dafür , daß ich ihre Ankunft bemerke , und werde mich dann in der Halle einfinden . Jetzt geh ! Also mein Frühstück möglichst schnell ! « Er entfernte sich und schickte es mir sofort herauf . Als ich es eingenommen hatte , schloß ich bei mir zu und ging in die Wohnung des Ustad , um die goldene Karte des Schah zu mir zu stecken . Es war leicht möglich , daß ich sie brauchte . Dann schloß ich auch hier zu und ging , aber nicht die Treppe , sondern hinten den Glockenweg hinab , der nach dem Garten , dem Bade und der Pferdeweide führte . Ich sah Niemand , der mich bemerkte . Da es mir darauf ankam , die Ankunft des Scheik ul Islam zu beobachten , so suchte ich einen Ort , von welchem aus es möglich war , dies unbemerkt zu tun . Der ganze , lange Rand des Gartens und der Weide war mit dichtem Gebüsch eingefaßt , hinter welchem die Gigantenmauer senkrecht niederfiel . Durchdrang ich dieses Strauchwerk bis zur Mauerkante , so bot sich mir dann dort die freie Aussicht , die ich wollte . Ich wendete mich also nach einer Stelle , wo eine Lücke durch die Büsche zu führen schien , sah aber , als ich sie erreichte , daß sie nicht ganz hindurchführte . Sie war vielmehr wie eine Laube geformt und rundum mit einer Rasenerhöhung zum Niedersetzen versehen . Das Grün war hier so wirr und dicht , daß man nicht einmal hindurchsehen und also noch viel weniger hindurchdringen konnte , ohne Aeste und Zweige loszubrechen . Aber gleich daneben standen einige Tamarisken so , daß ich mich zur Not hindurchdrängen konnte , ohne sie zu beschädigen . Ich tat es , konnte aber nicht ganz bis vor kommen , sondern mußte mich dann nach der Seite , also hinter die Laube , wenden . Dort fand ich was ich suchte . Es gab genug Zweige , mich vollständig zu verstecken , und doch so viele Oeffnungen zwischen denselben , daß ich das ganze Tal und auch , nur einige Windungen abgerechnet , den zu uns heraufführenden Weg übersehen konnte . Ich machte es mir so bequem wie möglich und richtete mich auf längeres Warten ein , was aber gar nicht nötig gewesen wäre , denn eben , als ich mich lang ausgestreckt und den Kopf in die Hand gestützt hatte , kam von rechts unten eine Reitertruppe , die keine andere als diejenige des Scheik ul Islam sein konnte . Ich zählte freilich mehr als fünfzehn Pferde , doch kamen die überzähligen auf die Dschamikun , welche ihm von dem Grenzduar aus das Geleit gegeben hatten . Fünf der Tiere waren nach reicher , persischer Reschma-Art geschirrt , eines von ihnen ganz besonders auffallend . Der Mann , welcher auf diesem saß , trug einen Taki-Turban von ungeheurem Durchmesser auf dem Haupte . Von dieser , mit einigen hohen , bunten Federn geschmückten Wulst hing ein weißer Schleier , welcher wie ein Mantel nicht nur den Reiter , sondern