keinen Neid kennen . « » Na , lassen wir das Thema lieber . Ich bin dessen nicht so ganz sicher ; mancher sieht besser aus , als er ist . Aber natürlich komm ich , um Ihnen wohl oder übel meine Glückwünsche zu bringen und meinen Reisesegen dazu . Donnerwetter , Stechlin , wo will das noch mit Ihnen hinaus ! Sie werden natürlich Londoner Militärattaché , sagen wir in einem halben Jahr , und in ebensoviel Zeit haben Sie sich drüben sportlich eingelebt und etablieren sich als Sieger in einem Steeplechase , vorausgesetzt , daß es so was noch gibt ( ich glaube nämlich , man nennt es jetzt alles ganz anders ) . Und vierzehn Tage nach Ihrem ersten großen Sportsiege verloben Sie sich mit Ruth Russel oder mit Geraldine Cavendish , haben den Bedforder oder den Devonshire-Herzog als Rückendeckung und gehen als Generalgouverneur nach Mittelafrika , links die Zwerge , rechts die Menschenfresser . Emin soll ja doch eigentlich aufgefressen sein . « » Czako , Sie machen sich ' s zunutze , daß die Mittagsstunde glücklich vorüber ist , sonst könnten Sie ' s kaum verantworten . Aber rücken Sie sich einen Sessel ran , und hier sind Zigaretten . Oder lieber Zigarre ? « » Nein , Zigaretten ... Ja , sehen Sie , Stechlin , solche Mission oder wenn auch nur ein Bruchteil davon ... « » Sagen wir Anhängsel . « » ... Solche Mission ist gerade das , was ich mir all mein Lebtag gewünscht habe . Bloß Erhörung kam nicht geschritten . Und doch ist gerad in unserm Regiment immer was los . Immer ist wer auf dem Wege nach Petersburg . Aber weiß der Teufel , trotz der vielen Schickerei , meine Wenigkeit ist noch nicht rangekommen . Ich denke mir , es liegt an meinem Namen . Hier hat Czako ja auch schon einen Beigeschmack , einen Stich ins Komische , aber das Slawische drin gibt ihm in Berlin etwas Apartes , während es in Petersburg wahrscheinlich heißen würde : Czako , was soll das ? Was soll Czako ? Dergleichen haben wir hier echter und besser . Ja , ich gehe noch weiter und bin nicht einmal sicher , ob man da drüben nicht Lust bezeugen könnte , in der Wahl von Czako einen Witz oder versteckten Affront zu wittern . Aber wie dem auch sei , Winterpalais und Kreml sind mir verschlossen . Und nun gehen Sie nach London und sogar nach Windsor . Und Windsor ist doch nun mal das denkbar Feinste . Rußland , wenn Sie mir solche Frühstücksvergleiche gestatten wollen , hat immer was von Astrachan , England immer was von Colchester . Und ich glaube , Colchester steht höher . In meinen Augen gewiß . Ach , Stechlin , Sie sind ein Glückspilz , ein Wort , das Sie meiner erregten Stimmung zugute halten müssen . Ich werde wohl an der Majorsecke scheitern , wegen verschiedener Mankos . Aber sehn Sie , daß ich das einsehe , das könnte das Schicksal doch auch wieder mit mir versöhnen . « » Czako , Sie sind der beste Kerl von der Welt . Es ist eigentlich schade , daß wir solche Leute wie Sie nicht bei unserm Regiment haben . Oder wenigstens nicht genug . Fein ist ja ganz gut , aber es muß doch auch mal ein Donnerwetter dazwischenfahren , ein Zynismus , eine Bosheit ; sie braucht ja nicht gleich einen Giftzahn zu haben . Übrigens , was die Patentheit angeht , so fühl ich deutlich , daß ich auch nur so gerade noch passiere . Nehmen Sie beispielsweise bloß das Sprachliche . Wer heutzutage nicht drei Sprachen spricht , gehört in die Ecke ... « » Sag ich mir auch . Und ich habe deshalb auch mit dem Russischen angefangen . Und wenn ich dann so dabei bin und über meine Fortschritte beinah erstaune , dann berapple ich mich momentan wieder und sage mir : Courage gewonnen , alles gewonnen . Und dabei laß ich dann zu meinem weitern Trost all unsre preußischen Helden zu Fuß und zu Pferde an mir vorüberziehen , immer mit dem Gefühl einer gewissen wissenschaftlichen und mitunter auch moralischen Überlegenheit . Da ist zuerst der Derfflinger . Nun , der soll ein Schneider gewesen sein . Dann kam Blücher - der war einfach ein Jeuer . Und dann kam Wrangel und trieb sein verwegenes Spiel mit mir und mich . « » Bravo , Czako . Das ist die Sprache , die Sie sprechen müssen . Und Sie werden auch nicht an der Majorsecke scheitern . Eigentlich läuft doch alles bloß darauf hinaus , wie hoch man sich selber einschätzt . Das ist freilich eine Kunst , die nicht jeder versteht , Das Wort vom Alten Fritz : Denk Er nur immer , daß Er hunderttausend Mann hinter sich hat , dies Trostwort ist manchem von uns ein bißchen verlorengegangen , trotz unsrer Siege . Oder vielleicht auch eben deshalb . Siege produzieren unter Umständen auch Bescheidenheit . « » Jedenfalls haben Sie , lieber Stechlin , zuviel davon . Aber wenn Sie erst Ihre Ruth haben ... « » Ach , Czako , kommen Sie mir nicht immer mit Ruth . Oder eigentlich , seien Sie doch bedankt dafür . Denn dieser weibliche Name mahnt mich , daß ich mich für heut abend am Kronprinzenufer angemeldet habe , bei den Barbys , wo ' s , wie Sie wissen , freilich keine Ruth gibt , aber dafür eine Melusine , was fast noch mehr ist . « » Versteht sich , Melusine is mehr . Alles , was aus dem Wasser kommt , ist mehr . Venus kam aus dem Wasser , ebenso Hero ... Nein , nein , entschuldigen Sie , es war Leander . « » Egal . Lassen Sie ' s , wie ' s ist . Solche verwechselte Schillerstelle tut einem immer wohl . Übrigens können Sie mich in meinem Coupé