aber stehen , während sich die Gräfin setzte , Holk ihr gegenüber , nachdem er einen Lehnstuhl herangeschoben hatte . Die Weihnachtskrippe stand zwischen ihnen , und über die Krippe fort fragten sich ihre Blicke . » Geh , liebe Julie « , sagte die Gräfin nach einer Pause . » Wir sind wohl besser allein . Ich glaube , daß mir Holk etwas sagen will . « Die Dobschütz zögerte , nicht weil sie Zeuge des Peinlichen zu sein wünschte , was sich sichtlich vorbereitete , sondern aus Liebe zu Christine , hinsichtlich deren sie fürchtete , daß sie ihres Beistandes bedürftig sein würde . Zuletzt aber ging sie . Holk seinerseits schien die letzten Worte seiner Frau , » daß er ihr mutmaßlich etwas zu sagen habe « , zunächst wenigstens widerlegen zu wollen ; er schwieg und spielte dabei mit dem Christkind , das er , ohne recht zu wissen , was er tat , der Jungfrau Maria vom Schoß genommen hatte . Christine sah ihn an und fühlte beinah Mitleid mit ihm . » Ich will es dir leicht machen , Holk « , sagte sie . » Was du nicht sagen magst , ich will es sagen . Am Silvester oder am Neujahrstage haben wir dich erwartet , nun kommst du zu Weihnacht . Ich glaube nicht , daß du der Krippe wegen gekommen bist , auch nicht des Christkindes wegen , mit dem du spielst . Es liegt dir etwas sehr andres am Herzen als das Christkind , und es kann nur noch die Frage sein , wie dein Glück heißt , ob Brigitte oder Ebba . Eigentlich ist es gleich . Du bist gekommen , um auf das , was ich dir als Letztes und Äußerstes vorschlug , einzugehen und mir dabei zu sagen : ich hätt es ja so gewollt . Und wenn du das sagen willst , so sag es ; du darfst es . Ja , ich hab es so gewollt , denn ich bin nicht für halbe Verhältnisse . Zu den vielen Selbstsüchtigkeiten , die mich auszeichnen , gehört auch die , nicht teilen zu wollen , ich will einen ganzen Mann und ein ganzes Herz und mag nicht eines Mannes Sommerfrau sein , während andere die Winterfrau spielen und sich untereinander ablösen . Also sprich es aus , daß du gekommen bist , um mit mir von Trennung zu sprechen . « Es war nicht gut , daß die Gräfin ihr Herz nicht bezwingen konnte . Vielleicht , daß sie , bei milderer Sprache , den so Bestimmbaren doch umgestimmt und ihn zur Erkenntnis seines Irrtums geführt hätte . Denn die Stimme von Recht und Gewissen sprach ohnehin beständig in ihm , und es gebrach ihm nur an Kraft , dieser Stimme zum Siege zu verhelfen . Gelang es Christinen , diese Kraft zu stärken , so war Umkehr immer noch möglich , auch jetzt noch ; aber sie versah es im Ton und rief dadurch all das wieder wach , was ihn , ach so lange schon , gereizt und , seit er Ebba kannte , so willfährig gemacht hatte , sich selber Absolution zu erteilen . Und so warf er denn , als Christine jetzt schwieg , das Christkind wieder in die Krippe , gleichgültig , wo die Puppe hinfiel , und sagte : » Du willst es mir leicht machen , so , glaub ich , waren deine Worte . Nun , ich bin dir das Anerkenntnis schuldig , daß du hinter deinem guten Willen nicht zurückgeblieben bist . Immer derselbe Ton der Überhebung . Daß ich dir ' s offen bekenne , ich war erschüttert , als ich dich da vorhin eintreten und , auf die gute Dobschütz gestützt , auf mich zukommen sah . Aber ich bin es nicht mehr . Du hast nichts von dem , was wohltut und tröstet und einem eine Last von den Schultern nimmt oder wohl gar Blumen auf unsren Weg streut . Du hast nichts von Licht und Sonne . Dir fehlt alles Weibliche , du bist herb und moros ... « » Und selbstgerecht ... « » Und selbstgerecht . Und vor allem so glaubenssicher in allem , was du sagst und tust , daß man es eine Weile selber zu glauben anfängt und glaubt und glaubt , bis es einem eines Tages wie Schuppen von den Augen fällt und man außer sich über sich selbst gerät und vor allem darüber , daß man den Ausblick auf einen engen , auf kaum zehn Schritt errichteten Plankenzaun mit einem Grabtuch darüber für den Blick in die schöne Gotteswelt halten konnte . Ja , Christine , es gibt eine schöne Gotteswelt , hell und weit , und in dieser Welt will ich leben , in einer Welt , die nicht das Paradies ist , aber doch ein Abglanz davon , und in dieser hellen und heitern Welt will ich die Nachtigallen schlagen hören , statt einen Steinadler oder meinetwegen auch einen Kondor ewig feierlich in den Himmel steigen zu sehen . « » Nun , Holk , laß es genug davon sein , ich will dir dein Paradies nicht länger verschließen , denn das mit dem bloßen Abglanz davon , das redest du nur so hin ; du willst dein richtiges irdisches Paradies haben und willst , wie du dich eigentümlich genug ausdrückst , die Nachtigallen darin schlagen hören . Aber sie werden über kurz oder lang verstummen , und du wirst dann nur noch eine Vogelstimme hören und nicht zu deiner Freude , leise und immer schmerzlicher , und du wirst dann auf ein unglückliches Leben zurückblicken . Von den Kindern spreche ich dir nicht , ich mag sie nicht in ein Gespräch wie dieses hineinziehen ; ein Mann , der der Stimme seiner Frau kein Ohr leiht , einer Frau , die den Anspruch auf seine Liebe hatte , weil sie in Liebe für ihn aufging - der hört auch nicht auf das , was ihm