lieben , lustigen Stimme . Vor Schrecken stockten ihre Pulse ; ein Schauder durchrann sie . So neu , als wäre alles erst in dieser Stunde geschehen , stand das Rätsel , das unfaßbare , dieser Art Mannesliebe wieder vor ihr . Das Mädchen kam mit dem Festkleid . Fanny ließ sich schmücken , ohne weiter auf das acht zu geben , was die leisen Hände der Jungfer mit ihr machten . Diese treue Person aber ging von dem Wunsche aus , daß ihre Herrin durch die Pracht ihrer Erscheinung dem » jungen Herrn « beweisen solle , was er verscherzt . Sie behängte Fanny mit so viel Diamanten , als diese nur irgend besaß , und ordnete ihr Haar mit großer Künstlichkeit . Dann mußte sie Fanny in die Kirche begleiten . Der sonnige Apriltag beschien die festlichen Vorrichtungen , Tannenreiser hatte man auf den Weg vom Pastorenhause bis zum Kirchenportal gestreut , welches von Guirlanden umkränzt war . Fanny trat gerade und aufrecht über die Schwelle . Ihre Schleppe fegte die Tannenreiser mit sich . Sie ging bis an den Altar und stellte sich dort neben den Sesseln auf , die für das Brautpaar bestimmt schienen . Sie sah weiß und kalt aus wie ein Steinbild . Die Kirche war von den Dorfbewohnern gefüllt ; von der Hochzeitsgesellschaft war noch niemand zugegen . Allmälich erschienen diese : benachbarte Pfarrerfamilien , einige Verwandte der Frau Pastorin , Lanzenau und Adrienne . Alle kannten Fanny , hatten von ihrem » Unwohlsein « gehört und wollten mit Flüsterfragen nach ihrem Befinden an sie herantreten . Aber sie stand und sah so unbeweglich gerade vor sich hin , daß man glaubte , sie wünsche hier an diesem geheiligten Ort keine profane Unterhaltung . Die Orgel erbrauste . Fanny wandte ihr Gesicht langsam dem Eingange zu ; sie wollte den Schreck auf seinem Gesicht lesen , wenn er sie erblickte . Joachim und Severina traten Arm in Arm ein . Sie hatte ihr Haupt unter dem Schleier geneigt , ihr Gesicht war von vergossenen Thränen gerötet . Joachim trug den Kopf frei erhoben ; er war etwas blaß , aber sein Auge blickte ruhig und fast gleichgiltig auf Fanny . Seine heftige Abneigung gegen sie war in diesem Augenblick nicht rege , denn alle seine Gedanken waren bei dem Weibe , das er besitzen sollte , nicht bei derjenigen , die schon sein gewesen . Nur als er vor dem Altar stand und sich Fanny nahe gegenüber sah , dachte er mit einer Art Wohlwollen , daß es doch vernünftig von ihr sei , anstatt Scenen zu machen , ruhig als unbefangene Zeugin zu erscheinen . Daß sie das Gewand von » damals « trug , bemerkte er nicht , daß sie elend und gealtert aussah , erregte in seiner Brust eine flüchtige Empfindung , die man vielleicht hätte eine eitle nennen können . Fanny stand erstarrt und sah auf ihn . Sein Anblick war ihr wie eine Offenbarung , sein junges , hübsches Gesicht , seine geschmeidige Figur , sein offener Blick - er selbst noch ganz er selbst , so wie sie ihn geliebt ! Ihr wahnwitziger Haß war jäh erstorben ; die künstlich großgezogene Unwahrheit entfloh vor seiner Gegenwart . Sie begriff , daß sie ihn noch liebte ! Fanny erzitterte . Wird er nicht noch einmal ihrem Blick begegnen ? Der Pastor begann die Predigt . Joachim schien zuzuhören . Außer der milden Greisenstimme regte sich kein Laut in der Kirche . Durch die Bogenfenster hinter dem Altar brach der volle Sonnenschein . Die Tannenreiser dufteten harzig . Ein Hauch wie der eines unendlichen Friedens lag über dem Gotteshause und der Versammlung darin . Fanny fühlte es , und es umschlich sie wie Wehmut ; sie seufzte laut , ohne sich dessen bewußt zu sein . Darüber erhob Joachim erschreckt das Auge zu ihr , und ihre Blicke trafen sich . Der Seufzer hatte ihn geärgert , und sein Blick war feindselig . Sie erkannte es - sie wankte , faßte sich und stand wie vorher . Die liebevolle Stimme scholl predigend weiter . Fanny hatte ihre Hände gefaltet ; sie sah langsam über die ganze Gemeinde hin ; es fehlte niemand aus dem Dorfe . Fanny kannte jedes Gesicht . Alle Augen hatten schon dankbar und verehrungsvoll auf sie geschaut , und alle Augen würden weinen , wenn ... Ihr Blick ging über Adrienne . Die saß still gefaßt , ihr Schmerz um das Kind erstarb mehr und mehr in der Hoffnung auf den nahenden Gatten . Eine neue , blühende Kinderschar wird die beiden in wenig Jahren umspielen , froh und glücklich werden sie sein . Fannys Reichtum könnte ihnen das Leben erleichtern ... aber Fanny hat kein Testament gemacht , und ihr Geld geht an fremde , ferne Leute über , wenn sie heute ... Und da ist Lanzenau . Armer , treuer Freund , für alle Entsagung verdiente er wenigstens , daß seine letzten Lebensjahre von zärtlicher Fürsorge durchwärmt würden , und wie allein ist er in der Welt , wenn Fanny aus ihr geht . - Sie hob den Kopf stolzer und stolzer . Ja , vielen war sie nützlich gewesen im Leben ; sie hatte ihre Kräfte nicht vergraben , sondern ihr Pfund redlich verwaltet . Ihr Geschick hatte sie auf hervorragenden Platz gestellt , und sie hatte bewiesen , daß auch eine Frau die Aufgaben erfüllen kann , die sonst das Leben an Männer stellt . Und nun fiel sie doch dem gemeinen Frauenlos zum Opfer . Es war einmal so in der Welt und blieb unabänderlich : bis an die Zähne bewaffnet kämpft Geschlecht gegen Geschlecht , und es ist die geheimnisvolle Laune der Natur , daß sie in diesem Kampf den Mann Sieger bleiben läßt . Einerlei , ob das Weib klüger , besser , nützlicher , wichtiger auf ihrem Platz ist als der Alltagsmann , dem sie unterliegt , sie unterliegt , bloß weil sie Weib ist , er