Je , wo willst denn gar hin ? « fragte die Schaffnerin neugierig . » Nit weit « , antwortete kurz die Bäuerin . » Schau mal , ob der Schwieher schon hat einspannen lassen . « Die Alte guckte zum Fenster hinaus und erklärte , weder einen Schwieher noch einen Wagen zu sehen , die besten Augen von der Welt würden ihr nicht dazu verholfen haben , es müßte denn der Schupfen , in welchem der Wagen untergebracht war , von Glas gewesen sein , dann hätte sie an dessen Rückwand auch den alten Sternsteinhofer wahrgenommen , der dort lehnte , seine Pfeife schmauchte und die Zwischenbüheler Straße im Auge behielt . Oben in der Stube saß die Bäuerin in vollem Staat , lange vor der Zelt fertig ; sie wollte sich nicht rühren , aber doch spielte sie unablässig das Taschentuch von der einen in die andere Hand , und dann hatten immer die Finger derjenigen , die gerade frei war , an einem Kleiderfältchen , an Krause oder Bändern der Haube zu zupfen oder an dem Scheitel zu glätten . Über eine geraume Weil kam der alte Sternsteinhofer um die Ecke in den Hof geschritten und betrieb die Instandsetzung des Wägelchens ; er schob selbst von rückwärts nach , als dasselbe aus dem Schupfen gerollt wurde , er klopfte dem Braunen auf den Rücken und gab ihm paar gute , aufmunternde Worte , dann ging er hinauf nach der Stube und sagte zur Bäuerin : » Mo , fertig wärn wir , laß uns gehn ! « Er leitete sie ein paar Schritte . » Je , du mein , dir zittern ja d ' Knie , kaum vermagst dich afn Füßen z ' halten . Komm her , wird gscheiter sein . Nimm mich um ' n Hals . « Er hob sie wie ein Kind auf seine Arme und schritt mit ihr grätschbeinig über den Gang , die Stiege hinunter , durch den Flur und hob sie auf den Wagen . Er nahm an ihrer Seite Platz , ergriff den Leitriemen , und sachte und bedächtig setzte sich das Gefährt in Bewegung . Das Gesinde blieb nur so lange in Ungewißheit , wohin die Fahrt ginge , bis man den Wagen jenseits der Brücke dem unteren Ende des Dorfes zulenken sah , dann galt es für ausgemacht , daß die Bäuerin zum Kleebinder führe , um sich auch mal das Votivbild anzusehen . Schon von weitem nahm der alte Bauer die Zinshofer wahr , welche mit dem Kinde auf dem Arme die Strecke zwischen der vorletzten und der letzten Hütte , gleich einem Wachposten , auf und nieder schritt . Als die Alte den Wagen herankommen hörte , blieb sie stehen , einen Augenblick lugte sie unter der vorgehaltenen , flachen Hand scharf nach den Herankommenden aus , dann ließ sie das Kind zu Boden gleiten , schob es in das Vorgärtel des Holzschnitzers und lief eilig ihrer Behausung zu . Der Bauer lächelte hämisch . Vor dem Häuschen des Herrgottlmachers zog er die Zügel an , noch einen Schritt ließ er das Pferd tun , damit er vom Kutschbocke in die Stube zu blicken vermochte , und als er dort den Mann am Arbeitstische stehen sah , rief er ihn an : » He , Kleebinder , kimm a weng hraus ! D ' Bäuerin hätt mit dir z ' reden . Sie erweiset dir wohl gern selbn d ' Ehr , aber sie is so schwach afn Füßen . Sei also so gut . « Damit stieg er ab , warf der jungen Frau das Leitseil zu und ging nach der letzten Hütte ; als er dort eintrat , stand inmitten der Stube der junge Bauer , die Hände in den Hosentaschen , und murrte : » No , was soll ' s ? « » Nix nit « , sagte mit höhnischer Freundlichkeit der Alte . » Gar nix nit , Tonerl . Nur a End machn mer dein unsaubern Gängen . Dein Weib redt just drent mitm Herrgottlmacher . « Ein Griff , schmerzend und unabschüttelbar wie der Druck einer eisernen Klammer , hielt Toni , der aus der Türe stürzen wollte , zurück . » Kein Aufsehn ! Aufsehn wolln wir keins dabei . Is ja auch für dich ' s gscheiteste , Lump ! « » Welcher Schuft « , knirschte der Vergewaltigte , » hat mich verraten ? « » Nit allmal is einer , was d ' Leut vor Unheil warnt , damit ' s ihnen nit gar übern Kopf wachst , a Schuft ! Dösmal aber trifft ' s zu ; du selber hast , mehr als dir und andern lieb , im Schlaf ausgsagt . « Der junge Bauer sah den alten erschreckt an , dann schlug er ein kurzes , verbittertes Gelächter auf und murmelte : » Wahr is ' s , ich hätt mich auch solln ein Stubn weiter ziehen . « Indes war der Kleebinder vor das Haus und an den Wagen getreten . » Bist du a Mon « , empfing ihn die Bäuerin , » so hüt auch , wie sich ghört , dein Weib . Weißt du , wo die hitzt is ? « Der Holzschnitzer starrte sie an . Sie neigte sich von ihrem Sitze gegen ihn und begann ihm zuzuflüstern , und je länger sie sprach , je bleicher wurde der Mann , je krampfhafter umschlossen seine Finger den Eisenstab , der am Kutschbocke angebracht war , bis das Weib , immer häufiger vom Schluchzen unterbrochen , nichts mehr zu sagen wußte und , das Gesicht mit dem Tuche verhüllend , zurücksank ; da zog der Mann die bebenden Hände von der Stütze , kehrte sich ab und taumelte in das Haus . Der alte Sternsteinhofer führte den jungen am Arme aus der Zinshoferschen Hütte . » Hitzt komm « , sagte er , und beim Wagen angelangt : » Setz dich ins Grät . « »