, nach Ehren strebe ich nicht , aber das wäre mir doch was wert , wenn sie mir dermaleinst da oben die Hand gäbe und sagte : Jule Grote , Sie hat an allem , was mit Ihrem Just gut Freund gewesen ist , getan , was Sie konnte , selbst wenn sie es nicht verdient haben wie viele aus Bodenwerder und sonst hier aus der Umgegend , die ich jetzt hier nicht in den Mund nehmen mag ; aber an meinem Jungen , dem Fritz , da hat Sie Ihr allermöglichstes getan , und jetzt komme Sie nur her , dafür will ich Sie jetzt hier bekannt machen ; denn die Besten , die von unten heraufkommen , sind zuerst immer ein bißchen fremd - das ist überall so . « Nicht das kleinste Wörtchen , kaum ein zustimmender Gestus war in diese Begrüßungsrede einzuschieben gewesen . Wie der gelbe Heimatsfluß beim Eisgange rollte her , was Jule Grote zu meiner Bewillkommnung auf dem Steinhofe vorzutragen hatte . Der Vetter Just stieß mir nur bei jedem Komma und Atemholen den Ellenbogen in die Seite , was nichts weiter hieß als : Siehst du wohl ? Ganz die Alte ! Was wäre das alte Nest , der Steinhof , ohne die Alte ! - Ich aber hätte die Alte bei jeder neuen Wendung und vorzüglich da , wo sich die Schollen aufeinanderzuschieben drohten , beim Kopf und Kragen nehmen mögen , um sie abzuküssen wie keine Jüngere im Lande . Und dazu brotzelte es vom Küchenherde her , und alles war voll Heuduft ; und Frau Irene und ich waren die einzigen , die nicht in Hemdärmeln auf dem Steinhofe herumwirtschafteten . Es war ein heißer Sonnentag mitten im Sommer und in unserem Leben ; aber die Sonne war doch das Beste in der Welt , und wer sie nicht ertragen mag , der mag sich einfach vor der Zeit begraben lassen . Es sind aber auch nur diejenigen , welche auch hier unten » fremd « bleiben , wie Jule Grote sich ausdrückt , die die Sonne nicht vertragen können . Aber ein drittes Wesen , das gleichfalls nicht in Hemdärmeln einherging , hatte ich eben doch vergessen aufzuzählen . Zugeknöpft bis an den Hals , sowohl was das Kostüm als was die Gemütsstimmung anbetraf , setzte mir jetzt Mademoiselle Martin aus Nanzig einen Knicks hin - vor der Welt , um mich sodann mit zupackendstem , nicht den geringsten Aufschub zulassendem Interesse in den Winkel zwischen Stubentür und Wand zu ziehen und zu flüstern : » Et l ' autre ? ! Der andere ? ! Wo ist der andere ? Was denkt sich der andere ? Was tut der andere ? « » Der andere ? Ewald ? ... Ewald Sixtus ? « Die alte Dame hielt meinen Arm und schüttelte mich , wie sie mich nie in meiner Jugend auf Schloß Werden geschüttelt hatte : » Ah - oui - ich werde wie gebraten hier auf heißen Kohlen , und da kommt dieser , und ich halte ihn , und er sieht mich dans mon angoisse , und ich schüttele ihn , und er - fragt ! « ... » Ach Mademoiselle « , seufzte ich , » der andere fragt ebenfalls . Vor allen übrigen fragt er auch Sie , was er mit Schloß Werden anfangen soll . Wir haben gestern um diese Tagesstunde alle Türen dort aufgeschlossen ; aber einen Eingang haben wir darum doch nicht gefunden . Am hellen Mittage haben wir große Furcht gehabt - « » Und ich weiß schon , was ich ihm sagen werde ; aber der vaurien , der Taugenichts , muß selber zu mir kommen . Was schickt er einen anderen hierher , wenn der gute Gott ihm auch zwei Beine hat anwachsen lassen ! Aber es war immer so ! Nur wo er einen Unsinn konnte ausüben , kam er selber ; - wo es galt , nach der raison zu handeln , mußte man ihn immer suchen . « Selten war mir zwischen Tür und Angel ein nur annähernd gleich trostreiches Wort gesprochen worden wie dieses letzte der atemlosen , vor Hast und Erregung zuckenden soeur ignorantine , die gottlob so genau Bescheid wußte . Aber unsere Privatunterhaltung war jetzt zu Ende für den Augenblick ; - es war wieder einmal Essenszeit auf dem Steinhofe , und alles Hofvolk stieg durch das Heu und kam , seinen Platz an dem Tische einzunehmen , den der Vetter Just Everstein durch die alte Stube auf feste Eichenfüße von neuem hingestellt hatte : zwei Bänke von Tannenholz die Langseiten entlang , ein Schemel für den Hofjungen und ein Holzstuhl mit einer Lehne für den Herrn . Es konnte in ganz Germanien keine vornehmere Hoftafel abgehalten werden ! Vierzehntes Kapitel Die Nacht war still , und ich überdachte den ersten Tag , den ich wieder auf dem Steinhofe zugebracht hatte . Die Nacht war ungemein still , und , Gott sei Dank , auch in mir ging ' s nicht außergewöhnlich lebhaft und lärmhaft zu . Was übrigens in dem gewohnten Laufe der Dinge und Stimmungen in der Welt durchaus nicht so hätte sein dürfen , denn ich befand mich in dem Hause meines außerordentlich glücklichen Freundes , und der Vetter Just hatte mir wiederum viel von der Vortrefflichkeit des Preises , der mir entgangen ist , gesprochen . Ich aber kann darüber nur sagen , was ich schon gesagt habe , und da es eine Nacht der Wiederholungen war , so will ich es auch an dieser Stelle noch einmal zu Papiere bringen : ich gönnte dem Vetter aus vollstem Herzen alles Gute , Liebe und Schöne , das er , weil er ' s verdient hatte , sich gewonnen hatte - so kurz noch vor Torschluß ! Von alten Nestern handeln diese Lebenshistorien : die Zeiten , wo wir sie jung ins Grüne bauten , die waren für uns alle lange , lange vorüber ; aber Just