man da Vertrauen zu ihm haben ? Und so einen Menschen wollt Ihr mir vorziehen , wenn ' s bei uns beiden gleich viel kostet - siebzig Gulden . « » Nein « , erwiderte der Marschallik . » Wenn ' s bei euch beiden fünfzig kostet , kriegt Ihr die Sach ' , lebt gesund . « Siebzehntes Kapitel Der Marschallik überbrachte Frau Rosel das Schriftstück und suchte den Konkurrenten Luisers auf . Auf dem Weg hielt er plötzlich an . » Das wär ' ja was ! « murmelte er in höchster Freude . » Gott im Himmel , das wär ' ja was ! « Fast hätte er vor Jubel über den glücklichen Einfall auf offener Straße einen Luftsprung gemacht . Dann eilte er hastig zu Dovidl Morgensterns Haus . Aber auf dem Flur vor der Tür mit der Tafel in deutschen und hebräischen Lettern : » Prifat-Agentschaft . Guter Rath in alle Sachen « , verschnaufte er sich erst gründlich , ehe er eintrat . Da hieß es ruhig auftreten . Dovidl , ein hagerer Mann mit dünnem , rötlichem Bart , unsteten Augen und fahrigen Gesten saß an seinem Pult und schrieb eifrig , das Haupt tief hinabgeneigt , daß die Hakennase das Papier berührte . Bei Türkischgelbs Eintritt zuckte er empor , zwang sich dann aber , weiter zu schreiben . » Gut ' Woch ' - setzt Euch « , sagte er möglichst gleichmütig und setzte seine Arbeit fort . Der Marschallik blieb stehen und sah ihm eine Weile zu . » Reb Dovidl « , begann er . » Verzeiht - gleich ! Ich bin beschäftigt - noch fünf Minuten - « » Nicht eine halbe « , sagte der Marschallik freundlich , aber entschieden . » Deshalb kriegt Ihr die große Sach ' , die ich Euch bring ' , doch nur , wenn Ihr ' s billiger macht als Luiser ! « » Aber Reb Itzig « , rief der Winkelschreiber , fuhr empor und erhob vorwurfsvoll die Arme gen Himmel , » glaubt Ihr , ich mach ' Euch was vor ? Hab ' ich das nötig ? Ich hab ' ja so viel zu tun ! Wann hab ' ich zuletzt die ganze Nacht geschlafen ? Ich erinnere mich gar nicht mehr daran . Und mit Luiser droht Ihr mir ? Mit diesem Stümper ? Wißt Ihr , was die Herren vom Bezirksamt sagen , wenn sie eine Eingab ' von ihm bekommen ? « » Ja « , erwiderte der Marschallik . » Sie sagen : Das ist ein Unsinn , der kann nicht Deutsch , sagen sie , in jedem Wort ein Fehler . Und schütten sich aus vor Lachen . « » So ist es ! « rief Dovidl erfreut . » Habt Ihr ' s auch gehört ? « » Ja , von Luiser , er hat ' s mir eben über Euch gesagt ! « » Über mich ? « Dovidl riß seinen Kaftan auf . » Ich fahr ' aus der Haut . « » Später . Hört zuerst , was ich Euch bringe . « Er trug ihm kurz die Sache vor . » Sagt : Dreißig Gulden ! und wir sind einig . « » Unmöglich ! « rief der Winkelschreiber . » Unmöglich ! « wiederholte er wehklagend und taumelte händeringend in der Stube auf und ab . » Da verbrauch ' ich ja auf Tinte und Papier mehr . Wenn Ihr wüßtet , wieviel da zu schreiben ist . Zuerst muß ich ja bei allen Gemeinden in der ganzen Welt anfragen , ob sie was von Froim Kurländer wissen , denn vielleicht lebt er noch . Und wenn niemand von ihm weiß , erst die Scheidung , dann die Todeserklärung , dann die Annahme an Kindesstatt . Einen Menschen totschlagen geht leicht , und ein Kind bekommen noch leichter , aber auf gesetzlichem Wege ist das sehr schwer . Und das soll Luiser durchführen ? Freilich , übernehmen wird er ' s. Er will ja jetzt sogar die Kollektur und die Versicherungen übernehmen , obwohl ich ihm gesagt : Jedem - « » Die Hälfte ! Ihr die Kollektur , er die Versicherungen . Merkwürdig ! Die Hälften sind gleich , und doch will jeder die Kollektur ! « » Aber kann denn er die Kollektur führen ? ... Der Unverschämte ! Ich wette , daß er Euch für diese Sache zuerst achtzig Gulden abgefordert hat . « » Nein ! « erwiderte der Marschallik entschieden . Und in der Tat waren ' s ja hundert gewesen . » Also siebzig oder sechzig . Und ich will ' s um vierzig machen . Warum ? Weil mein Grundsatz ist : Leben und leben lassen . Luiser schindet die Leut ' , und dennoch verdien ' ich mehr . Er spricht mir Böses nach , sagt Ihr ? Das ist nicht schön von ihm , warum schimpf ' ich nicht über ihn ? Weil er mich erbarmt , denn seine Stube steht leer , und ich such ' nach einem Schreiber - mit Lichtern such ' ich - und find ' keinen . « » Deshalb bekommt Ihr doch nur dreißig Gulden . Das vom Schreiber glaub ' ich Euch nicht - wer sucht , der findet . « » Lächerlich ! Ich schreib ' die Eingaben zuerst in hebräischer Schrift , da geht ' s rascher , zum Abschreiben muß ich also einen Juden haben ! Gibt ' s denn hier so viel Juden , die Deutsch können ? Ich gut und Luiser schlecht . Einen von auswärts kommen lassen ? Das duldet Rabbi Manasse nicht . Wer sucht , der findet ? Schaffet mir einen Schreiber , und ich will Euch königlich belohnen - zwei Gulden sollt Ihr haben , oder einen , oder was Ihr verlangt ! « » Ich nehm ' Euch beim Wort . Drei Gulden verlang ' ich . Dafür sollt Ihr einen