Marmor , die Rechte anmutvoll erhebend : und mächtig wirkte die Erscheinung auf Totila : mit einem lauten Ruf des Staunens blieb er sprachlos , ihr gerade gegenüber , stehen . Sie sah auf und zuckte erschrocken , wie blitzgetroffen , zusammen : die Rosen fielen in dichten Flocken aus ihrem Gewand : sie sah es nicht : ihre Augen hatten sich getroffen , ihre Wangen erglühten - ich sah mit Blitzesschnelle ihr Geschick und mein Geschick entschieden . Sie liebten sich beim ersten Anblick . Schmerzlich , wie ein brennender Pfeil , durchdrang die Gewißheit meine Seele . Aber doch nur einen Augenblick herrschte der Schmerz ungemischt in meiner Brust . Sofort , wie ich die beiden betrachtete , die herrlichen Gestalten , empfand ich neidlose Freude , daß sie sich gefunden : denn es war , wie wenn die Macht , die der Sterblichen Leiber bildet und Seelen , sie aus Einem Stoff füreinander geschaffen : wie Morgensonne und Morgenröte schimmerten sie ineinander und jetzt erkannte ich auch das dunkle Gefühl , das mich wie ein Vorwurf von Valeria fern gehalten , das mir seinen Namen auf die Lippen geführt hatte : sein sollte Valeria werden nach Gottes Ratschluß oder dem Gang der Sterne und ich sollte nicht zwischen sie treten . Erlaß mir , das Weitere zu berichten . Denn so selbstisch ist mein Sinn geartet , so wenig Macht hat noch die heilige Lehre des Entsagens über mich gewonnen , daß - ich schäme mich , das zu gestehen - daß mein Herz auch jetzt noch manchmal schmerzlich zuckt , statt freudig zu schlagen für das Glück der Freunde . Rasch und unscheidbar , wie zwei Flammen ineinander lodern , schlugen ihre Seelen zusammen . Sie lieben sich und sind glücklich wie die seligen Götter : mir ist die Freude geblieben , ihr Glück zu schauen und ihnen beizustehen , es noch vor dem Vater zu verbergen , der sein Kind wohl schwerlich dem Barbaren schenken wird , solang er in Totila nur den Barbaren sieht . Meine Liebe aber und ihren Opfertod halt ' ich vor dem Freunde tief verborgen : er ahnt nicht und soll nie erfahren , was sein glänzend Glück nur trüben könnte . Du siehst nun , o Cethegus , wie weit ab von Deinem Ziel ein Gott Deinen Plan gewendet . Mir hast Du jenes Kleinod Italiens bringen wollen und hast es Totila zugeführt . Meine Freundschaft hast Du zerstören wollen und hast sie in den Gluten heiliger Entsagung von allem Irdischen befreit und unsterblich gemacht . Du hast mich zum Manne machen wollen durch der Liebe Glück - ich bin ' s geworden durch der Liebe Schmerz . Lebe wohl und verehre das Walten des Himmels . « Einundzwanzigstes Kapitel . Wir unterlassen es , den Eindruck dieses Schreibens auf den Präfekten auszumalen , und begleiten lieber die beiden Dioskuren auf einem ihrer Abendspaziergänge an den reizenden Ufergeländen von Neapolis . Sie wandelten nach der früh beendigten Coena durch die Stadt und zur Porta nolana hinaus , die in schon halb verwitterten Reliefs die Siege eines römischen Imperators über germanische Stämme verherrlichte . Totila blieb stehen und bewunderte die schöne Arbeit . » Wer ist wohl der Kaiser , « fragte er den Freund , » dort auf dem Siegeswagen , mit dem geflügelten Blitz in der Hand , wie ein Jupiter Tonans ? « - » Es ist Marc Aurel , « sagte Julius und wollte weitergehen . - » O bleib doch ! Und wer sind die vier Gefesselten mit den langwallenden Haaren , die den Wagen ziehn ? « » Es sind Germanenkönige . « - » Doch welches Stammes , « fragte Totila weiter - » sieh da , eine Inschrift : Gothi extincti ! Die Goten vernichtet ! « Laut lachend schlug der junge Gote mit flacher Hand auf die Marmorsäule und schritt rasch durch das Tor . » Eine Lüge in Marmor ? « rief er rückwärts blickend . » Das hat der Imperator nicht gedacht , daß einst ein gotischer Seegraf in Neapolis seine Prahlereien Lügen straft . « - » Ja , die Völker sind wie die wechselnden Blätter am Baume , « sagte Julius nachdenklich ; » wer wird nach euch in diesen Landen herrschen ? « Totila blieb stehen . » Nach uns ? « fragte er erstaunt . - » Nun , du wirst doch nicht glauben , daß deine Goten ewig dauern werden unter den Völkern ? « » Das weiß ich doch nicht , « sagte Totila langsam fortschreitend . - » Mein Freund , Babylonier und Perser , Griechen und Makedonen und , wie es scheinen will , auch wir Römer hatten ihre zugemessene Zeit : sie blühten , reiften und vergingen . Soll ' s anders sein mit den Goten ? « » Ich weiß das nicht , « sagte Totila unruhig , » ich habe den Gedanken nie gedacht . Es ist mir noch nie eingefallen , daß eine Zeit kommen könnte , da mein Volk « - - er hielt inne , als sei es Sünde , den Gedanken auszudenken . » Wie kann man sich dergleichen vorstellen ! ich denke daran so wenig wie - wie an den Tod ! « » Das sieht dir gleich , mein Totila ! « » Und dir sieht es gleich , dich und andre mit solchen Träumereien zu quälen . « » Träumereien ! Du vergißt , daß es für mich , für mein Volk schon Wirklichkeit geworden . Du vergißt , daß ich ein Römer bin . Und ich kann mich nicht darüber täuschen , wie die meisten tun : es ist vorbei mit uns . Das Zepter ist von uns auf euch übergegangen ; glaubst du , es lief so ohne Schmerz , ohne Nachsinnen für mich ab , in dir , meinem Herzensfreund , den Barbaren , den Feind meines Volkes zu vergessen ? « » Das ist nicht so ,