Treppe herauf : » Schulmeister ! Will schon heut ' die Orgel schweigen , so nimm die Geigen ! « » O Gott , Rüpel , die ist zu Holdenschlag beim Leimen ! « » Und kunnt ich auch die Geigen nicht zuwege bringen , so tät ich bei meiner Treu die Kirchenlieder auf der Zither singen ! « Für dieses Wort habe ich den Alten so stürmisch umarmt , daß er erschrocken ist . Ich eile und hole die Zither , und bei dem Hochamte klingt auf dem Chor ein Saitenspiel , wie es in dieser und etwan auch in einer andern Kirche niemalen so gehört worden ist . Die Leute horchen , der Pfarrer selber wendet sich ein wenig und tut einen kurzen Blick gegen mich herauf . Und so ist mitten in der langen Winternacht zu Winkelsteg das Christfest gefeiert worden . Leise zittern und wiegen die Saitentöne ; sie singen dem neugeborenen Jesukindlein das Wiegenlied und dem Menschen den Frieden . Und sie schrillen und wecken das schlafende Kind , ehe der falsche Herodes kommt ; und sie trillern ein Wanderliedchen für die Flucht nach Ägypten . Ich spiele den Meßgesang , spiele Lieder , wie sie meine Mutter gesungen , und mein Nährvater , der gute Schirmmacher , und im Hause des Freiherrn die Jungfrau ... Und letztlich weiß ich selber nicht mehr , was ich kindischer Mann der Gemeinde und dem heiligen Kind hab ' vorgespielt in dieser Christnacht . Ich werde den Winkelstegern noch so verrückt , wie der Reim-Rüpel . Nach dem Mitternachtsgottesdienst hat der Pfarrer durch mich die Ärmsten der Gemeinde , die Alten , die Bresthaften , die Verlassenen , zu sich in den Pfarrhof rufen lassen . Je ! da ist es noch heller , wie in der Kirche ! Da ist mitten in der Stube ein Baum aufgewachsen , und der blüht in Flammenknospen an allen Ästen und Zweigen . Da gucken die alten Männlein und Weiblein gottswunderlich drein , und kichern und reiben sich die Augen über den närrischen Traum . Daß auf einem Baum des Waldes Lichter wachsen , das haben sie all ihrer Tage noch nicht gesehen . - Jenes Wundervöglein von den tausend Jahren , sagt der Pfarrer , sei wieder durch den Wald geflogen , habe ein Samenkorn in den Boden gelegt und dem sei dieses Bäumchen mit den Flammenblüten entsprossen . Und das sei der dritte Baum des Lebens . Der erste sei gewesen der Baum der Erkenntnis im Paradiese ; der zweite sei gewesen der Baum der Aufopferung auf Golgatha ; und dieser dritte Baum sei der Baum der Menschenliebe , der uns das Golgatha der Erde wieder zum Paradiese gestalte . Im brennenden Dornbusch habe Gott vormaleinst die Gebote verkündet , und in diesem brennende Busche wiederhole er es heute : du sollst den Nächsten lieben , wie dich selbst ! Hierauf hat der Pfarrer die Kleidung und Nahrung verteilt , wie die Gaben bestimmt gewesen und die Worte gesagt : » Nicht mir danket , das Christkind hat ' s gebracht ! « » Du mein , du mein ! « rufen die Leute zueinander , » jetzund steigt uns das Christkind schon gar in den Bald herein ! Ja , weil wir halt eine Kirche haben und so viel einen guten Herrn Pfarrer ! « Der Rüpel , auch einer der Beschenkten , ist allein kindischer , wie die andern allmitsammen . Er eilt um den Baum herum , als täte er das Christkind suchen im Gezweige . - » Aber mein ! « schreit er endlich , » die Sonn darf nicht bös auf mich werden , ich weiß kein Licht auf der Erden , weiß keins zu nennen , das so hell tät brennen , wie dieser Wipfel mit seinem Gipfel ! Seid fein still und lauscht ! Hört ihr , wie ' s in den Zweigen rauscht ? Wie Spatzen fliegen die Engelein und bauen ein Nest fürs Christkind zum heiligen Fest . Der Weiße dort , der Kleine - Flügel hat er noch keine - der wär ' jetzt schier herabgefallen . Geh , lass ' dir ein paar Steigeisen teilen vom Schmied , ich will sie schon zahlen . Schau , ich hab heut ' ein warm Jöpplein kriegt , und in jedem Säckel ein Taler liegt . - Und kommet , ihr Engel , nur auch bald zu allen anderen Bäumen in unserem Wald , auf daß ihr tätet anzünden die Lichterkronen zu tausend Millionen ! « Keinen Löffel voll hat der alte Rüpel gegessen , als die andern beim Grassteiger warme Suppe genießen . Und als Stroh in die Stube getragen und ein Lager bereitet ist worden , daß die Leutchen nicht in der Nacht zu ihren fernen Hütten wandern müssen , da ist der Rüpel hinausgegangen unter den freien Himmel und hat die Sterne gezählt und jedem einen Namen gegeben . Und der aufgehende Morgenstern hat den Namen » Vater Paul « erhalten . Der Pfarrer hat sich mehrmals an den Waldherrn gewendet , auf daß den Kleinbauern hier - die sich den schlechten Boden mit vieler Mühe nutzbar gemacht haben - dieser Boden gegen Entgelt zu eigen überlassen werden möge . Es ist aber kein Bescheid zurückgekommen . Es heißt , der alte Herr sei auf Reisen und der junge in der Hauptstadt , und die Welt sei zu weit und die Hauptstadt zu laut , als daß so ein Wort aus dem Walde gehört werden könne . Wir Winkelsteger bleiben denn Lehensleute . Am 14. des Eismonats 1831 . Heute habe ich die Nachricht von dem Tode meiner Base , der Muhme-Lies , erhalten . Sie hat mich zu ihrem Erben eingesetzt . Alte Jugendbekannte , die sich seit zwanzig Jahren nicht mehr um mich gekümmert haben , beglückwünschen mich zur Erbschaft . Ich weiß aber noch nichts Näheres . Wie viel kann die alte Frau denn besessen haben ? Wohl war sie reich gewesen , hat aber