blieb und die ich jetzt als mein ganzes , vollstes , eigenstes Eigentum an mein Herz nehme ! Nicht wahr , meine Teuren , ich darf sagen , es ist unsere Antonie ? Die Vergangenheit ist vollständig in diesem jungen , schönen Wesen begraben , und niemand hier in diesem Kreise trägt dem alten vereinsamten Mann es nach , wenn er auch seinerseits alles tun will und wird , was den Segen der Gegenwart und das Glück der Zukunft unbedingt erhöhen muß ? ! « Der Ritter von Glaubigern seufzte tief ; der Edle von Haußenbleib aber setzte sich auf den nächsten Stuhl und zog das Kind der schönen Marie auf seine Knie . » O gnädige Frau « , sprach er , » gönnen Sie uns Zeit , uns von einer solchen Aufregung zu erholen . Dort sinkt die Sonne hinter den bekannten Horizont meiner , ich kann leider nicht sagen glücklichen oder unschuldigen Jugendzeit . Ich bin ein sehr reicher Mann , aber ehe ich das Kind ließe , würde ich lieber als ein blinder Bettler mit ihm den Lauenhof verlassen . O gnädige Frau , könnten Sie wirklich das Brot und Salz des guten , alten Hauses , welches Sie keinem Bettler verweigern , mir verweigern wollen ? « Mit andern Worten hieß das : der Herr von Haußenbleib lud sich hiermit auf dem Lauenhofe zum Abendessen ein , und das war denn in einer Art praktisch und den Verhältnissen der Gegenwart und Zukunft so sehr angemessen , daß keine Weisheit und Welterfahrung , kein Plato und kein Pythagoras etwas Verständigeres und dem Moment Angemesseneres an die Stelle hätte setzen können . Nur einen kurzen Augenblick sah die Gutsfrau etwas verloren und zweifelhaft auf den Edlen und die Freunde ; aber da ihr niemand zu Hülfe kam oder zu Hülfe kommen konnte , so murmelte sie eine undeutliche Zustimmung und setzte etwas deutlicher hinzu , sie habe sich jedenfalls dieses Vergnügen ausbitten wollen . Was für eine gewaltige Kluft zwischen den Parteien dadurch plötzlich überbrückt war , das mußte bald jedermann klarwerden . Jane Warwolf stöhnte und knurrte in ihrer Ecke und wiegte den Oberkörper in höchster Mißbilligung hin und her . » Wird dir übel , Jane ? « fragte die Frau Adelheid , und tückisch erwiderte die Alte : » Ja , recht sehr übel wird mir ! « Die Gnädige ergriff die Alte am Handgelenk , wendete sich nochmals an den Edlen : » Also , wir haben nachher die Ehre ! « und schritt steif hinaus , die Warwölfin hinter sich drein ziehend . » Es war die allerhöchste Zeit « , sagte sie nachher , » einen Augenblick später wäre sie ihm wie eine Wildkatze ins Gesicht gesprungen , und , lieber Glaubigern , anjetzt ist es mir wieder völlig unklar , weshalb ich sie eigentlich dran gehindert habe . Ach Gott , wir sind in diesem Punkte immer zu kitzlig auf dem Hofe gewesen . Einer Anspielung auf die Speisekammer gegenüber haben unsere besten und gröbsten Vorsätze nicht Stich halten können . « Dem sei nun , wie ihm wolle , fürs erste war die Gnädige herzlich froh , einen Atemzug freierer Luft einnehmen zu dürfen , und leider müssen wir hinzufügen , daß sie , sobald sie die Tür hinter sich zugezogen hatte , in der Tiefe ihrer Seele folgendes Selbstgespräch hielt : » Wer hat denn eigentlich diese ganze Suppe eingebrockt ? Ich nicht ! Da brauchte man wahrhaftig kein Prophet zu sein , um vorhersagen zu können , was aus diesem Wesen mit dem armen Kind zuletzt herauskommen mußte . Daß dieser Bursche , dieser Häußler , auf einmal wieder auftauchen würde , konnte freilich keiner wissen ; aber das ist ganz einerlei , einmal mußte der Kuchen in die Asche fallen , und wer weiß , ob die Vorsehung nicht auch hier wieder den besten Weg gefunden hat ? Ja , er soll bei uns essen , und der Ritter und das Frölen mögen jetzt die Kosten ihres Vergnügens tragen , ich habe sie oft genug gewarnt . « » Sie sieht finster drein , Frau von Lauen « , sagte Jane Warwolf , » aber es hilft nichts . Jetzo möcht ich auch die Hunde loslassen . « » Untersteh dich ! « rief die gnädige Frau , aus ihrem Nachdenken erwachend . » Hier kann niemand helfen , und der liebe Gott kennt überall das Beste . Nein , es hilft nichts - der Herr ißt bei uns . « - In der gelben Stube erschien der Edle gerührter denn je . Er vergoß sogar einige Tränen , was dem in Kummer und Zorn ringenden Ritter unmöglich war . Aber viel rührender als die Tränen des Edlen waren die Liebkosungen des Ritters , mit welchen er sein Pflegekind jetzt umfing , anzuschauen . Sowie die Frau Adelheid das Zimmer verließ , hatte Antonie sich den Armen des Großvaters entzogen und mit einem Wehelaut sich in die Arme des Pflegevaters geworfen , während sie eine heiße , fieberhafte Hand dem Fräulein von Saint-Trouin reichte : » Ich kann euch nicht lassen ! O wo ist meine Mutter ? Wo ist die alte Frau , der ich ganz gehörte , als meine Mutter gestorben war ? Was soll aus mir werden ? Was soll ich tun ? « » Mein Kind ! Mein liebes , liebes Kind ! « stöhnte der Ritter , der in diesem Moment vor den blinden Augen eine seltsame Vision von dem Kürassiersäbel und Panzer droben über seinem Sofa und vom Feld bei Ligny und der anrasselnden französischen Reiterei hatte , unfähig , sich von dem zerstampften Boden emporzurichten . » O mein Kind ! « ächzte das Fräulein , und Hennig rief : » Tonie , bleibe bei uns ! Es wird dich niemand uns nehmen , wenn du wirklich bei uns bleiben willst ! « Mit ausgebreiteten Händen wendete sich der Edle gegen den jungen Mann . » Das Herz bricht