tanzen sollte , den Arm dieses Herrn faßte , der , ihre Blässe bemerkend , schnell einen Stuhl herbeizog , auf welchen sie ohnmächtig niedersank . Die Bestürzung der Gesellschaft war natürlich sehr groß . Trotzdem , daß ein Dutzend Riechfläschchen sofort zur Hand waren , und mit dem Inhalt derselben die Stirn , die Augen , die Schläfe der schönen Ohnmächtigen reichlich benetzt wurden , dauerte es doch einige Minuten , bis Hortense nur so weit zu sich kam , um mit blassen Lippen den sie umgebenden Damen ihren Dank zuzulächeln , und sie mehr mit Blicken , als mit Worten zu bitten , sie aus dem Ballsaale zu führen , was denn auch alsbald geschah . Die Zurückbleibenden sahen einander an , als wenn sie fragen wollten , was hatte denn das zu bedeuten ? Mit dem Balle ist es nun wohl vorbei ? fragte Adolf von Breesen , der mit seiner jungen Cousine Lisbeth , welche er anbetete , zum Cotillon engagirt war , kleinlaut Oswald , der neben ihm stand . Ich fürchte , ja , antwortete dieser . Wir tanzen doch weiter ? fragte eine dritte Stimme . Unmöglich , sagte Herr von Langen , ich habe schon anspannen lassen . Was war denn das eigentlich vorhin für eine Geschichte zwischen Barnewitz und Cloten ? fragte ein Anderer . Was wird ' s sein ? Sie haben Beide ein Glas über den Durst getrunken . Das ist Alles , sagte von Langen . Es sollte mich sehr freuen , wenn das Alles wäre , sagte von Breesen ; aber ich fürchte , dahinter steckt mehr . Ich hörte , daß Cloten über Hals und Kopf davon gefahren ist . Herr von Barnewitz erschien an Oldenburgs Seite in dem Ballsaal . Das Gesicht des Barons war so ruhig wie immer , aber das des andern Edelmanns war von Aufregung , Zorn und allzureichlich genossenem Wein purpurroth ; seine Augen schwammen , und seine Stimme war etwas lallend , als er jetzt den Herren , die ihm in den Weg kamen , zuredete , den Ball fortzusetzen . Aufhören , nach Hause fahren - dummes Zeug - lasse keinen Menschen vom Hofe - Heda ! Champagner hierher ! - Nach Hause ? Warum ? meine Frau wird alle Augenblicke ohnmächtig mit und ohne Grund - da könnte ich gar keine Gesellschaft geben . Musik anfangen ! Aber trotz dieser gastfreundlichen Worte , deren Wirkung durch das allzusichtlich aufgeregte Wesen des Sprechenden wesentlich beeinträchtigt wurde , und trotz der ersten Töne der Instrumente , die mit einem schauerlichen Accord einsetzten , waren nur sehr Wenige bereit , den unterbrochenen Ball wieder aufzunehmen . Alle Uebrigen fanden plötzlich , daß es schon sehr spät sei , daß man zu lange bei Tisch gesessen habe , daß es unverantwortlich wäre , ein Fest nicht zu beenden , an welchem die Wirthin selbst nicht mehr theilnehmen könnte - und was dergleichen Phrasen denn mehr sind , durch die eine Gesellschaft , die einmal aufbrechen will , ihren Rückzug zu motiviren sucht . Schon hörte man einen Wagen nach dem andern vorfahren . Mütter suchten ihre Töchter , diese ihrer Shawls und Tücher - überall ein Aufbrechen , Abschiednehmen , hier ein übermüthiger Scherz , dort eine böswillige Bemerkung , hier ein verstohlenes Liebeswort . - Oswald sah nicht viel Anderes , als die Gestalt des hübschen , leidenschaftlichen Kindes , das ihm so schnell so theuer geworden war . Hatte er doch noch vor wenigen Minuten ihre Lippen geküßt , sah er doch ihre jungen , strahlenden Augen voller Seligkeit zu sich aufgeschlagen , vernahm er doch ihre leise , liebedurchglühte Rede . Was Wunder , wenn er in der kurzen Frist , die ihm mit dem süßen Kinde noch beisammen zu sein vergönnt war , Liebe für Liebe gab ; wenn er dem Augenblicke , der sie trennen würde , mit kaum geringerer Angst entgegensah , als das Mädchen selbst , welches bei der Ankündigung , der Wagen sei vorgefahren , fast in Thränen ausbrach . Emilie hatte den Augenblick , wo Oswald sie nach dem Tanze zu ihrer Tante zurückführte , wahrgenommen , ihn dieser Dame , die bei ihr Mutterstelle vertrat , vorzustellen . Ein paar gewandte , witzige Worte hatten ihn schnell bei der Matrone , die mit dem besten Herzen von der Welt gern auf Kosten Anderer lachte , in Gunst gesetzt . Auch sie lud Oswald ein , doch ja recht bald einmal nach Candelin ( dem Gute von Emiliens Vater , der Vater litt für den Augenblick an der Gicht und hatte deshalb zu Hause bleiben müssen ) herüber zu kommen . Ja , und dann wollen wir etwas nach der Scheibe schießen , sagte Adolf von Breesen , der herantrat , um den Damen anzukündigen , daß der Wagen da sei . Ich lade noch ein paar Herren dazu , damit Sie sich nicht allzusehr bei uns langweilen . Ich besitze das Talent , mich zu langweilen , nur in einem sehr bescheidenen Maße , und überdies glaube ich , daß die Gegenwart dieser Damen , und Ihre eigene , Herr von Breesen , ein besseres Präservativ gegen diese Krankheit ist , als eine Gesellschaft von hundert Personen , sagte Oswald mit höflicher Verbeugung . Siehst Du , Adolf , rief die lebhafte alte Dame , Herr Stein sagt dasselbe , was ich Dir schon tausendmal gesagt habe : nur langweilige Menschen langweilen sich ; zum Beispiel Du und Deine Schwester , die Ihr jeden Tag hundertmal vor langer Weile sterben wollt . Ich langweile mich nie , Tante , rief Fräulein Emilie eifrig . Kind , Du beginnst irre zu reden , es ist die höchste Zeit , daß wir nach Hause kommen . Also à revoir , Monsieur . Ich bitte um die Gnade , Sie bis zum Wagen begleiten zu dürfen , sagte Oswald , der alten Dame den Arm bietend . Vous êtes bien aimable , Monsieur , erwiderte