, war der Brust wie mit Anstrengung abgerungen , darum aber auch gewichtvoll und fest und nie unnütz . Einen Ueberfluß an Worten , wie ihn seine Gattin sich wohlbekommen ließ , kannte er nicht . Die Bitterkeit seiner Aeußerungen zog Lucinden tief an ; sie war in ähnlicher Stimmung . Dazu die Furcht , sich von Klingsohrn entdeckt zu sehen oder dem Kronsyndikus sich verantworten zu müssen . Da Madame Serlo sie darum drängte , hatte sie an letztern geschrieben und um neue Geldmittel gebeten . Dieser Brief war aber entweder nicht an seine Adresse gekommen oder wurde absichtlich unbeantwortet gelassen . In der unendlich elegischen Stimmung , die Serlo täglich beherrschte , ironisirte er sich und sogar die Anhänglichkeit der Familie an Lucinden . Wenn sie ihm dankte für alles , was er in stillen Stunden von seiner Jugend ihr erzählen mußte , von Menschen , Gegenden , die er gesehen , sagte er bitter lächelnd : Kind , wir ziehen uns gegenseitig aus ! Darüber hatte sie die ganz klare Vorstellung , daß Madame Serlo die Klugheit alternder Theaterdamen befolgte , sich an ein frisches , aufblühendes Talent anzuklammern , stets es zu bewundern und solange als nur irgendmöglich die Erträgnisse desselben für sich zu behalten . Aber es irrte sie darum nicht . Sie durchschaute alles , nur zu wenig die Schmeichelei über ihr Talent . Sie wollte wirklich noch die Bühne betreten . Madame Serlo begann eine Art Unterricht ; sie glaubte vielleicht aufrichtig , der Geistesschärfe ihres Zöglings , dem Wagemuth , dem noch zuweilen aufsprudelnden Humor desselben entspräche das gleiche Vermögen auch auf der Bühne . Selbst Serlo glaubte dies und ergänzte in geistvoller Rede die Anleitungen , die seine routinirte Gattin gab . Von Klingsohrn unbehelligt , ging dies plötzlich veränderte Leben einige Monate hin . Von ihrer Höhe war Lucinde völlig herabgestiegen . Wo war die Amazone hin , die auf den Rossen des Universitätsstallmeisters geprangt hatte ! Serlo fühlte dies und sagte zu ihr : Bestes Fräulein , wie beklage ich Sie ! Wie hat das alles möglich werden können ! Du sublime au ridicule il n ' y a qu ' un pas ! Napoleon sagte das ! erwiderte sie , stolz den gesenkten Kopf erhebend . Das ist wahr , entgegnete Serlo erglühend . Die großen Geister wandeln regellos ! Bitter lächelnd setzte er hinzu : Nur die Hofräthe fallen nie aus der Rolle ! Die sind ewig erhaben ! Die Familie reiste mit ihrer Eroberung hierhin und dorthin . Die Seebadsaison war des schlechten Wetters wegen nicht eingeschlagen . Der Kronsyndikus antwortete nicht . Madame Serlo schrieb zuletzt selbst . Sie that sich auf ihr Talent , mit den Großen zu verkehren , etwas zugute . Es erfolgte aber auch für sie keine Antwort . Man wollte in Neuhof entweder ganz abbrechen oder strafen ... durch Schweigen vielleicht auf Besserung hoffend . Eines Tages erschien aber Klingsohr . Es war in Lüneburg auf der Heide . Man hatte gehofft , für den Winter dort eine Unterkunft zu finden . Von dem Versiegen ihrer Hülfsmittel , den Anstrengungen der Reise und den Erlebnissen innerhalb der Familie Serlo war Lucinde schon so muthlos geworden , daß sie Klingsohrn in das kleine Gasthofzimmer , das sie bewohnte , mit einem leisen und furchtsamen Aufschrei eintreten sah . In früherer Zeit wäre sie ruhiger gewesen und hätte ihn entweder mit Verstellung oder mit einer offenen Kündigung begrüßt . Klingsohr trat auf sie zu , gleichsam um sich zu überzeugen , ob sie es denn wirklich wäre ... Dann fragte er , während sie langsam aus der Sophaecke sich erhob : Warum hast du mir das gethan ? Sie begann keine Erörterungen , sondern erwiderte kleinlaut und durch die Schule des Lebens gedemüthigt : Wann bist du angekommen ? Auf einem Felde gleichgültiger Gespräche fand man sich zuletzt so leidlich wieder zurecht . Ja auch aus der Theatersphäre und Verstellungskunst heraus war dieser scheinbare und so schnell geschlossene Friede zu erklären . Wenn Madame Serlo eben noch jemand im Geiste vergiftet hatte , konnte sie , wenn er zufällig selbst erschien , ihm den Stuhl hinrücken , diesen abstäuben und das ganze Arsenal ihrer Liebenswürdigkeiten spielen lassen ... Und das Beste , sagte Serlo oft , ist dann die wirkliche Freundschaft für diese vergiftete Person , wenn sie zuletzt geht ! Die Judasküsse wurden echte , wenigstens auf so lange , als der Nachgeschmack des dabei genossenen Kaffees und das gemeinschaftliche Interesse einer bei dieser Gelegenheit geschlossenen gemüthlichen Intrigue dauert ! Für solche von dem Kranken , der dabei lang auf dem Sopha ausgestreckt lag und das schöne bleiche Antlitz aufstützte , immer mit schneidender Bitterkeit hingeworfene Aeußerungen erntete er von seiner Lebensgefährtin Schmähungen , von Lucinden ein vertrauliches Zunicken der Uebereinstimmung . Klingsohr kam ohne Geld . Die kluge Madame Serlo bekam bald heraus , daß er in einem Briefe , in welchen der Kronsyndikus endlich auch einen und diesen voller Mahnungen an Lucinden eingelegt hatte , dessen übergenug empfangen . Das Suchen nach Ihnen , liebe Lucinde , sagte sie spitz , muß viel Ausgaben verursacht haben ! Klingsohr hatte schon immer eine Zuneigung für die Familie gehabt und hatte ihr Leben oft genug romantisch genannt . Man verständigte sich , vergab sich einander , was etwa gegenseitig gefehlt war , und bald entspann sich auf einige Tage ein Zusammenleben , in dessen Hintergrunde der Entschluß Lucindens zu stehen schien , daß sie Klingsohrn wieder nach Schloß Neuhof begleiten wollte . Es bekümmerte sie , daß der Kronsyndikus so kalt geantwortet hatte . Schloß Neuhof betret ' ich mit keinem Fuße mehr ! sagte Klingsohr . Doch will ich dich bis Lüdicke begleiten ! Madame Serlo horchte nur immer . Sie sollte ihre Eroberung aufgeben ? Lucinde besaß noch Kleider und Schmuck genug , um davon ein ganzes Jahr lang sie alle erhalten zu können ... Die Frau blinzelte ihr Standhaftigkeit zu . Drei Tage war Klingsohr in Lüneburg ,