ganz gleichen schwarzen Augen sich in dem Spiegel umwenden . Wir traten alle in das Freie . Mein Gastfreund und die Frau begaben sich in eine Wirtschaftstube . Natalie und Gustav gingen in den Garten , er zeigte ihr verschiedenes , das ihm etwa an dem Herzen lag , oder worüber er sich freute , und sie nahm gewiß den Anteil , den die Schwester an den Bestrebungen des Bruders hat , den sie liebt , auch wenn sie die Bestrebung nicht ganz verstehen sollte , und sie , wenn es auf sie allein ankäme , nicht zu den ihrigen machen würde . So tut es ja auch Klotilde mit mir in meiner Eltern Hause . Ich stand an dem Eingange des Hauses und sah den beiden Geschwistern nach , so lange ich sie sehen konnte . Einmal erblickte ich sie , wie sie vorsichtig in ein Gebüsch schauten . Ich dachte mir , er werde ihr ein Vogelnest gezeigt haben , und sie sehe mit Teilnahme auf die winzige befiederte Familie . Ein anderes Mal standen sie bei Blumen und schauten sie an . Endlich sah ich nichts mehr . Das lichte Gewand der Schwester war unter den Bäumen und Gesträuchen verschwunden , manche schimmernde Stellen wurden zuweilen noch sichtbar , und dann nichts mehr . Ich ging hierauf in meine Zimmer . Mir war , als müsse ich dieses Mädchen schon irgendwo gesehen haben ; aber da ich mich bisher viel mehr mit leblosen Gegenständen oder mit Pflanzen beschäftigt hatte als mit Menschen , so hatte ich keine Geschicklichkeit , Menschen zu beurteilen , ich konnte mir die Gesichtszüge derselben nicht zurecht legen , sie mir nicht einprägen und sie nicht vergleichen ; daher konnte ich auch nicht ergründen , wo ich Natalie schon einmal gesehen haben könnte . Ich blieb den ganzen Nachmittag in meiner Wohnung . Als die Hitze des Tages , welcher ganz heiter war , sich ein wenig gemildert hatte , wurde ich aufgefordert , einen Spaziergang mit zu machen . An demselben nahmen mein Gastfreund , Mathilde , Natalie , Gustav und ich Teil . Wir gingen durch eine Strecke des Gartens . Mein Gastfreund , Mathilde und ich bildeten eine Gruppe , da sie mich in ihr Gespräch gezogen hatten , und wir gingen , wo es die Breite des Sandweges zuließ , neben einander . Die andere Gruppe bildeten Natalie und Gustav , und sie gingen eine ziemliche Anzahl Schritte vor uns . Unser Gespräch betraf den Garten und seine verschiedenen Bestandteile , die sich zu einem angenehmen Aufenthalte wohltuend ablösten , es betraf das Haus und manche Verzierungen darin , es erweiterte sich auf die Fluren , auf denen wieder der Segen stand , der den Menschen abermals um ein Jahr weiter helfen sollte , und es ging auf das Land über , auf manche gute Verhältnisse desselben und auf anderes , was der Verbesserung bedürfte . Ich sah den zwei hohen Gestalten nach , die vor uns gingen . Gustav ist mir heute plötzlich als völlig erwachsen erschienen . Ich sah ihn neben der Schwester gehen , und sah , daß er größer sei als sie . Dieser Gedanke drängte sich mir mehrere Male auf . War er aber auch größer , so war ihre Gestalt feiner und ihre Haltung anmutiger . Gustav hatte wie sein Ziehvater nichts auf dem Haupte als die Fülle seiner dichten braunen Locken , und als Natalie den sanft schattenden Strohhut , den sie wie ihre Mutter auf hatte , abgenommen und an den Arm gehängt hatte , so zeigten ihre Locken genau die Farbe wie die Gustavs , und wenn die Geschwister , die sich sehr zu lieben schienen , sehr nahe an einander gingen , so war es von ferne , als sähe man eine einzige braune , glänzende Haarfülle , und als teilen sich nur unten die Gestalten . Wir gingen bei der Pforte hinaus , die gegen den Meierhof führt , gingen aber nicht in den Meierhof , sondern machten einen großen Bogen durch die Felder , und kamen dann schief über den südlichen Abhang des Hügels wieder zu dem Hause hinauf . Da die Täge sehr lang waren , so leuchtete noch die Abendröte , wenn wir von unserem Abendessen , das pünktlich immer zur gleichen Zeit sein mußte , aufstanden . Wir gingen daher heute auch noch nach dem Abendessen in den Garten . Wir gingen zu dem großen Kirschbaume empor . Dort setzten wir uns auf das Bänklein . Mein Gastfreund und Mathilde saßen in der Mitte , so daß ihre Angesichter gegen den Garten hinab gerichtet waren . Links von meinem Gastfreunde saß ich , rechts von der Mutter saß Natalie und Gustav . Die Lüfte dunkelten immer mehr , ein blasser Schein war über die Wipfel des Gartens , der jetzt schwieg , und über das Dach des Hauses gebreitet . Das Gespräch war heiter und ruhig , und die Kinder wendeten oft ihr Angesicht herüber , um an dem Gespräche Anteil zu nehmen und gelegentlich selber ein Wort zu reden . Da sich der eine und der andere Stern an dem Himmel entzündete und in den Tiefen der Gartengesträuche schon die völlige Dunkelheit herrschte , gingen wir in das Haus und in unsere Zimmer . Ich war sehr traurig . Ich legte meinen Strohhut auf den Tisch , legte meinen Rock ab , und sah bei einem der offenen Fenster hinaus . Es war heute nicht wie damals , da ich zum ersten Male in diesem Hause über dem Rosengitter aus dem offenen Fenster in die Nacht hinausgeschaut hatte . Es standen nicht die Wolken am Himmel , die ihn nach Richtungen durchzogen und ihm Gestaltung gaben , sondern es brannte bereits über dem ganzen Gewölbe der einfache und ruhige Sternenhimmel . Es ging kein Duft der Rosen zu meiner Nachtherberge herauf , da sie noch in den Knospen waren , sondern es zog die einsame Luft kaum fühlbar durch die Fenster herein ,