bösen Tat sage und ob er nicht Gott und die liebe Obrigkeit um Verzeihung bitten wolle . « » Ich muß jetzt heim « , sagte Christine , » begleit mich noch ein , wenig . « » Komm , Frau Friederin . Wenn du jetzt auch noch nichts weiter bist als das , so bist du doch mehr als des Herzogs Damen alle miteinander . Kebsweiber , sagt die Bibel , wenn sie ' s noch gnädig macht . Aber der Salomo ist ein Judenkönig gewesen und kein Herzog Karl zu Württemberg und Teck samt seinen Resolutionen . « 19 » Lausbub , liederlicher ! « schrie der Sonnenwirt seinem Sohne bei dessen Heimkunft entgegen , » lügst mich an , als ob du bemüht wärst , Schimpf und Schand von mir abzuwälzen , und tust in gleicher Zeit das Gegenteil , machst schlechte Anschläg mit deiner Person zusammen , gibst bei Kirchenkonvent vor , du habest ein Ehverlöbnis eingegangen , um mich dadurch , wie du vermeinst , zu meiner Einwilligung zu zwingen , und sprengst mich selber vor die Herren , daß ich deine Schandtaten ausbaden soll . « » Nur gemach , Vater « , erwiderte Friedrich dem Wütenden , » von Lügen kann gar nicht die Rede sein , denn wie ich ' s mit der Christine hab , das hab ich Euch ja schon von Anfang an ohne Umschweif und ganz unverränkelt gesagt , und ausgemacht hab ich mit ihr nichts anderes , als daß wir bei der Wahrheit bleiben wollen . Habt Ihr aber gemeint , ich werd sie überreden , daß sie sich selber zum Nachteil und zur Schmach eine Lüge sagen solle , so seid Ihr eben schief dran gewesen , denn ich hab Euch nichts dergleichen versprochen . Dessen ist Euer Sohn nicht fähig . Zur Zeit Eurer Jugend mag ' s vielleicht Mode gewesen sein , ein armes Mädle mitsamt ihrem Kind ins Elend zu stürzen und sich von ihr rein zu schwören . Jetziger Zeit aber hält man so etwas für eine Schlechtigkeit , ich wenigstens halt ' s dafür , und ein rechtschaffener Vater sollt ' s auch dafür halten und sollt seinem Sohn nicht zureden , daß er ' s tue , sondern wenn er damit umgeht , das Mädle zu verraten , das ihn lieb hat und auf ihn vertraut , und das unschuldig Würmle - sein eigen Fleisch und Blut , Vater ! - zu verleugnen , so sollt er ihm väterlich ins Gewissen reden und ihm vorstellen , daß ein Mensch , der das tut , sein Leben lang , und ob ' s ihm noch so gut ging , keine ruhige Stund mehr haben kann . « Der Sonnenwirt tobte und ergoß sich in Verwünschungen über die Zuchtlosigkeit und dazwischen in Klagen über die unehrerbietige Aufführung seines Sohnes . Die Sonnenwirtin , welche zugegen war , freute sich innig über diese Stichelreden und schürte den Zank , so daß es beinahe zu Tätlichkeiten kam . Der Sonnenwirt brach jedoch endlich ab und sagte : » Ich will nicht länger mit dir streiten , aber das erklär ich dir rundweg und hab ' s auch vor den Herren gesagt , mein ' Konsens geb ich nun und nimmer dazu . « » Dann steh ich wenigstens vor aller Welt gerechtfertigt da , wenn ' s ein Unglück gibt « , antwortete Friedrich . » Und was das Rabenkind Geld kostet ! « wandte sich der Sonnenwirt zu seiner Frau . » Denk nur auch , der Amtmann tut ' s nicht anders , als daß die Straf in Geld bezahlt werden soll . Fünfundzwanzig Gulden fordert er für den Fehltritt . Ich hab gebeten , man soll ' s den Burschen abverdienen lassen , wie andere seines Gelichters auch , die man in die herzoglichen Gärten nach Stuttgart und Ludwigsburg zum Arbeiten schickt ; Schimpf und Spott ist er ja schon gewohnt . Aber der Amtmann hat gesagt , es sei nicht zu machen , und hat mir eine Verordnung vorgelesen , worin es heißt , die Beamten sollen besser auf das herrschaftliche Interesse sehen und , wo möglich , die Delinquenten künftig an den Beutel hängen , statt sie ihre Strafen in öffentlichen Arbeiten abverdienen zu lassen ; ja , wenn auch nur die Terz , Quart oder die Hälfte der Strafe in Geld bezahlt werden könne , so müsse das geschehen und könne dann der Rest , wenn es absolut nicht anders herauszuschlagen sei , in eine Arbeitsstrafe verwandelt werden ; sogar wenn einer nur eine Erbschaft zu erwarten habe , so müsse darüber an die Regierung berichtet und der Bescheid abgewartet werden ; und wenn je die Beamten sich nicht danach achten und dadurch das fürstliche Interesse Not leiden lassen sollten , so werde man sich an sie selbst und an ihr eigenes Vermögen halten . Das , hat der Amtmann gesagt , könn ich ihm nicht zumuten . « » Da ist ' s kein Wunder « , bemerkte die Sonnenwirtin , » daß die Zucht immer mehr aus der Welt verschwindet . In der guten alten Zeit , wo man noch auf Sittsamkeit und Gottesfurcht gehalten hat , hat man die Sünder zu einer schimpflichen Haft , ja bei Wasser und Brot , verurteilt , damit sie auch gewußt haben , wie ' s tut , und nur in Ausnahmefällen bei gebrechlichen Personen hat man die Verwandlung der Straf in Geld verstattet . Jetzt aber ist die Ausnahm zur Regel worden , und auch wer nicht zahlen kann , der muß wenigstens der Herrschaft den Vorteil durch Arbeiten einbringen , damit sie ja nichts verliert . Lieber Gott , was ist das für eine Welt ! Der Reich legt das Geld hin und lacht dazu , und der Herzog , als ob ' s an den Steuern nicht genug wär , lebt noch von den Sünden seiner Untertanen . « » Und geht ihnen mit einem guten Beispiel