, die wol von Ihnen kommt ? unterbrach Melanie den schmunzelnden Vorleser ... Dieser fuhr fort : » Das Beste an der Sache ist , daß ich ohne Zweifel den Prinzen Egon auf seiner Incognitoreise gesehen habe . Im Heidekruge , bei dem ehrlichen Manne , dem Volksfreunde Justus , der mich mit seiner Verwendung für meine schönauer Wahl betrügen und sich selbst wählen lassen wird , lernt ' ich einen jungen Mann kennen , dessen Äußeres vollkommen den mir gemachten Schilderungen entspricht . Er fiel mir im Gespräch sogleich durch geistvolle Wendungen sehr auf , und da er liberale Ansichten aussprach , bin ich überzeugt , daß es der Prinz war , den die diesseitige Gesandtschaft in Paris sehr oft als einen Communisten bezeichnet hat . Soviel ich aus Champagnernebeln her mich entsinne , hatte dieser Fremde hellbraunes Haar , trug sich mit einem der modernen Bärtchen , deren Namen ich nicht kenne , war ohne Stutzerei gutgekleidet und sprach höchst angenehm und fertig . Folgen Sie diesem Signalement . Forschen Sie Egon ' s Schritten nach . Begierig bin ich , was der Prinz in Hohenberg beabsichtigt . Möglich , daß seine geheime Besichtigung der Familienbesitzungen ihn bestimmen könnte , die Verwaltung derselben noch einmal zu versuchen und sich mit den Gläubigern seines Vaters abzufinden . Sie fühlen , daß mir mit einem solchen Entschlusse wenig gedient sein kann , denn er würde meine Administration aufheben , die doch , so Gott will , bei der jetzigen Lage der Dinge einige dreißig Jahre über mein kühles Grab noch hinausdauern könnte . Also beobachten Sie ihn und schlagen Sie in unserm Verhalten zu ihm den Weg ein , der Ihnen der nützlichste scheint . Entdeckt er sich nicht , so wär ' es am gerathensten , ihn harmlos von selbst aufzusuchen und unter irgend einem Vorwande im Schlosse anständig zu fesseln , ohne daß man dabei sein Incognito verletzt . Vielleicht hilft dabei meine gute und kluge Melanie ... « Helfen ? Ich ? sagte Melanie fast erröthend . » Melanie « , fuhr Bartusch zögernd fort ; » der ich übrigens wünschen muß ... « Die Mutter nahm den Brief , den ihr Bartusch jetzt zum Einsehen hinreichte , zögernd . Melanie , gespannt und ungeduldig wie sie war , wollte kein Geberdenspiel und sagte , indem sie den goldenen Kaffeelöffel vom Munde absetzte und in die Tasse senkte : Was soll es denn mit der guten klugen Melanie ? Was ist ihr zu wünschen ? Sie kann es hören , meinte die Mutter , die weiter gelesen hatte . Ich sagte ihr ja schon , welche Belästigungen uns bevorstehen , da sich Hackert erlaubt hat , hierher zu folgen . Der Vater warnt uns vor ihm , da er ihn auf dem Heidekruge gesehen hätte und vermuthen müsse , er würde die Dreistigkeit haben , sich hierher zu begeben . Er bedauere , schreibt er , nicht gefragt zu haben , auf welche Veranlassung Hackert im Heidekrug wäre ... Lassen wir Das , sagte Melanie , und bleiben wir beim Prinzen Egon stehen . Was weiß man von ihm ? Ist Jemand angekommen , der dem Signalement ähnlich sieht ? Schöne Kennzeichen sind das ! Wer findet sich aus solchen Allgemeinheiten zurecht ? Lichtbraunes Haar , zwischen blond und braun in der Mitte spielend - ein unglaubliches Phänomen ! Und die kleinen Hände und Füße , der namenlose Bart und die Französinnen , die Papa wol hätte auslassen können ! Er meint die Gräfin d ' Azimont , von der ich schon gehört habe .... Bartusch unterbrach sie mit dem Bemerken , es fände sich in dem wider Schlurck ' s Gewohnheit sehr langen , aber durch die Wichtigkeit der Veranlassung begründeten Briefe noch ein interessantes Postscriptum . Wie in einem Frauenzimmerbriefe ? sagte Melanie . Während sie ihr feines von der alten Brigitte jeden Morgen frisch gebackenes Weißbrot zerkrümelte , las Bartusch : » Nachträglich noch eine Notiz für die Erkennung des Prinzen . Soeben war Frau von Trompetta bei mir , um einmal wieder eine ihrer tausend Unterschriften zu sammeln . Sie antwortete mir auf meine Frage , ob sie nichts Genaueres über die Äußerlichkeit des Prinzen Egon wisse , er ähnele , sie sagte es freilich mit sonderbarer Neckerei , dem jungen schönen Maler Siegbert Wildungen .... « Siegbert ? unterbrach Melanie erstaunend .... » Siegbert Wildungen , den ich mich entsinne einige mal bei uns zum Thee gesehen zu haben . Und in der That .... « Sie erfinden da Etwas , Bartusch , sagte Melanie und riß den Brief an sich . Sie konnte nun selbst weiter lesen : » In der That entsinne ich mich , daß mein räthselhafter Fremder im Heidekrug , nach dessen näherm Reisezweck , Namen und etwaniger Gesellschaft ich mich leider zu erkundigen vergessen habe , mir den Eindruck einer großen Ähnlichkeit mit Jemanden machte , den ich erst kürzlich mußte gesehen haben . Möglich , daß sich mir die Gesichtszüge des jungen Malers Wildungen von den kleinen Theegesellschaften eingeprägt haben . Ich könnte Ihnen von Egon ' s hiesigem Auftreten mancherlei Wunderliches erzählen , besonders von seinem Reisebegleiter , einem Franzosen , Namens Louis Armand ; doch verspar ' ich Das auf Eure Rückkunft . Behandeln Sie den Prinzen mit Discretion und tragt Alle dazu bei , Kinder , daß der Haß , mit dem er den Namen Franz Schlurck verfolgt , sich mildere und die ungemein wichtige Verständigung , die ich mit ihm durchführen muß , vernünftig abläuft .... In großer Eile ! « .... Siegbert Wildungen ! wiederholte Melanie noch einmal mit einem Ausdruck ihrer Gesichtszüge , der vielleicht sagen sollte : Wie mischt sich dieser reine Name in meine Lust und meinen Frohsinn ? Diese Trompetta ! sagte sie zur Mutter . Es ist kein Wort wahr , daß Prinz Egon dem Maler Siegbert Wildungen ähnlich sieht ; sie wollte mir nur den Stich geben : Bedenke , wen du schonen solltest !