einen Einzigen ! der keinen Abfall begangen hätte , so würde mir der zum Eckstein werden an den ich meine Hütte lehnen könnte . Aber ich finde keinen in der ganzen Weltgeschichte von Adam an - denn Christus ist unsers Gleichen nicht ! vor Dem liegen wir auf den Knien ! unsre eitle Armseligkeit ist denn doch nicht eitel genug um sich neben Den zu stellen . Also ich finde keinen Einzigen , Fidelis ! wie Einer ist sind Alle . Ich las heute früh einen Ausspruch Luthers : jeder Christ sei zum Priester berufen . So hieß der Commentar den ich dazu machte : Und diese Priester haben auch ihren gemeinsamen character indelebilis : den Abfall . Welch ein Priesterthum ! welch eine Menschheit ! - Es kommen nicht Alle zum Bewußtsein darüber , ich will es glauben - ich sehe es sogar ; doch ich kann nicht mein Auge willkürlich dagegen schließen . Ich bin nun einmal in die Sphäre gerathen , die von Licht , doch gewiß nicht vom himmlischen , beleuchtet ist . Ich stehe in deren Centrum , und die Welt , die wie immer nichts weiß und noch weniger ahnt , nennt mich einen Engel . Ja , ich bins ! immer fragend und die Frage verneinend - immer gestaltend und die Gestaltung wieder zerstörend - immer isolirt , weil ich - ich weiß nicht durch welche Mächte aus dem Zusammenhang geschleudert bin und in dem gesammelten Stückwerk keine Einheit finde - bin ich so recht das Bild eines abgefallnen Engels : ich stelle mich Gott gegenüber und frage ihn und meistre ihn : Warum hast du mich so geschaffen ? Sollte ich Tochter des Staubes sein - wozu denn dieser Durst nach Ewigkeit ? Ist aber Etwas in mir für die Ewigkeit bestimmt - wozu diese Wirbel und Wolken von Staub , die mich so betäuben und verwirren , mich in solchen Strudel reißen , daß mich vor Zeit und Ewigkeit ein Ekel anwandelt . « » Sibylle ! « rief Sedlaczech wie um mich zur Besinnung zu bringen ; - » Sibylle ! « » O ich bin sehr besonnen ! unterbrach ich ihn ; - aber ich will reden ! ich will einmal sagen wie mir zu Sinn ist , und diese Last meiner Gedanken in eine fremde Brust wälzen ! Wir haben ja keine Priester zu denen wir beichten können . Unsre Geistlichen sprechen : das sei sündiger Mißbrauch . Ich weiß es nicht ! aber das weiß ich : ich bin in Euren Kirchen in solchen Stimmungen gewesen , daß wenn ich einen Priester im Beichtstuhl sah , ich mich hätte vor ihm niederstürzen und schreien können : » Rette mich .... denn ich verderbe . « Möglich daß er mich nicht gerettet , nicht beschwichtigt hätte ! - aber schon diesen Schrei auszustoßen an geweihter Stätte im Schutz und Schirm des Altars , wäre eine halbe Seligkeit gewesen . Es kann eine unerhörte Erlösung und Befreiung , eine wahre Seligsprechung in einem solchen Wort liegen , und jeder Mensch bedarf derselben wenigstens Einmal in seinem Leben ; - denn Einmal wenigstens thürmen sich um Jeden die Schrecknisse dermaßen auf , daß er schreien muß : rette mich , denn ich verderbe ! - Wir haben keine Priester ; wir müssen diesen Jammerzustand allein abmachen , in uns selbst , mit uns selbst .... eine geschlagene , gequälte , verzweifelnde Seele und ganz allein ! wer im Stande wäre dies Alleinsein im vollen Umfang zu ermessen - müßte wahnsinnig werden ! aber wir sind nun einmal von vollkommner Unvollkommenheit und können ihn daher nicht ermessen . Und dann hängt die Seele auch an einem Faden , nur von Seide und über einem Abgrund - und das ist ihr Instinct von Gott ; das ist grade genug um sie in ihrem Leid zu erhalten .... ganz allein ! Freunde sollen wir um Rath ansprechen : das soll uns stärken , anfeuern , erfrischen - so sagt man . Hat die verzweifelnde Seele Freunde ? gewiß nicht ! es wäre dann nie so weit mit ihr gekommen . Sie ist und bleibt allein ! Wendet sie sich einmal in ihrer tiefsten Noth an Einen , dem Friede , Kraft und Klarheit die Weihe des Priesters gegeben haben , so wendet der sich entsetzt und schaudernd von ihr ab - wie Sie es thun , Fidelis ! .... so mögte er ihre Klagen ersticken , weil er nicht helfen kann und nicht mit ihr leiden mag - wie Sie , Fidelis . « Ich hatte mit fieberhafter Glut und Hast geredet . Meine verschlossene Natur , durch die erschütternde Musik aufgewühlt , zugleich für und wider die Gewohnheit des Schweigens ringend , hatte diesen Ausbruch nicht unterdrücken können . Es mag ergreifend sein Zeuge einer solchen Haltungslosigkeit zu werden , wo man sonst immer gefaßte Sammlung gesehen . Sedlaczech wenigstens stand mit einem ganz unbeschreiblichen Ausdruck von Desolation vor mir ; und als ich sein früheres Wort nachsprach : » Dies sind die stillen Unsinnigkeiten einer edeln Seele vor denen Sie so große Furcht haben ! « - - Da sank er wie zerbrochen auf seine Knie und flüsterte leise : » Aber sehen Sie denn nicht daß Sie mich vernichten ? « Als ich ihn so erblickte , im stillen kühlen Mondlicht , auf den Knien und doch nicht vor mir kniend - nahmen meine Gedanken eine andere Wendung und ich fragte : » Können Sie noch beten , Fidelis ? so wie damals - Sie wissen was ich meine . « » Noch kann ich es ! « sprach er ganz , ganz leise und erhob sich langsam . Ich nahm wieder seinen Arm , und wir gingen schweigend dem Hause zu . Als wir uns näherten ging auf der Terrasse eine Männergestalt auf und nieder , die mich frappirte , weil das vor den Fenstern meiner Zimmer nie zu geschehen pflegte ; und als wir ganz nah waren ging