dem , der in Ihrer Nähe lebt , Ihre Liebe eine Bedingung der Existenz wird , oder haben Sie das etwa nicht gewußt bei mir ? « » Ich habe Sie um mich geduldet , weil ich keinen andern Weg offen sah , um Sie zur Erkenntniß über mich zu bringen . Ich hatte Wohlwollen für Sie , ich habe Mitleid mit Ihnen - « » Ah , Du hast Mitleid mit mir ! « rief Clemens , warf sich vor ihr nieder , und umschlang stürmisch ihre Knie . » Ich hatte Mitleid mit Ihnen , muß ich sagen , « rief Faustine ungeduldig , und stand lebhaft auf ; » allmälig geht es über in Widerwillen , und nicht durch meine Schuld ! Ich begreife Sie nicht , Clemens ! wenn mir ein einziges Mal gesagt oder gezeigt würde , daß man mich nicht liebt , so würde ich eher sterben , als mich einer zweiten Abweisung aussetzen . « » Es ist hart zu sterben , wenn man liebt ! « sagte er finster . » Aber wer spricht denn vom Sterben ? Sie sollen ja leben , froher , glücklicher als bisher . Nur ein klein wenig Vernunft , guter Clemens - « » Bravissimo , Gräfin Faustine ! wenn Sie die Vernunft predigen , so mag ich es wol noch zu einer recht freudenreichen Existenz bringen ! « rief Clemens und lachte grimmig . » Doch einstweilen , bis es so weit kommt , schwimme ich auf dem Meere des Lebens an das dünne Brettchen der einzigen Hoffnung geklammert , Du werdest mir , wie Leukothea dem Geliebten , dem gefährlich Schiffenden , die rettende Binde zuwerfen - dereinst , Faustine , nicht wahr , dereinst ? ich will warten , warten .... o bis in die Ewigkeit hinein , aber ich will und muß darauf hoffen dürfen - sonst .... lasse ich mich sterben . « » Thun Sie , was Sie wollen - nur hoffen Sie nichts von mir , Clemens « - sprach sie sehr bestimmt . » Weder für Gegenwart noch Zukunft ? « » Weder für Gegenwart noch Zukunft - so wahr ich Faustine bin . « » Gut , gut ! « sagte Clemens ; eine fürchterliche Zerstörung glitt über sein Gesicht . Sie sah es nicht , denn sie hatte sich wieder an die Staffelei gesetzt . » Eine Gnade ! « fuhr er fort ; » sagen Sie mir , wem gehört Ihre Zukunft ? « » Mir - und Gott ! « antwortete sie fest . » Sie zwingen mich , die Frage anders zu stellen , « sagte er gelassen ; » wem gehören Sie in Zukunft ? « » Sie nehmen sich das dreiste Recht einer Frage , die ich nicht Lust habe zu beantworten , « entgegnete sie kalt . » Mein Gott , einem Freunde , der für immer scheidet , kann man doch wol diesen Beweis von Zutrauen geben , « sprach er sanft . » Ah , Sie gehen ? « rief Faustine freudig . » Ja , ich gehe , Faustine ! « » Und wann ? und wohin ? « » Wohin ? das weiß ich nicht ; aber wann ? morgen .... gewiß morgen . « Faustine athmete erleichtert auf ; morgen sollte Mario kommen , also traf Clemens nicht mehr mit ihm zusammen . » Sind Sie mit mir zufrieden ? « fragte er . Sie gab ihm schweigend die Hand . Zwischen Vorwurf und Trauer sprach er : » Sie geben mir die Hand zum ersten Mal , seit wir uns kennen ! « » Es soll nicht zum letzten Mal sein « - erwiderte sie freundlich . » Wer weiß , Gräfin ! es kommt immer anders als man meint ! darum sein Sie gnädig und beantworten Sie mir die Frage , die ich vorhin wagte - wenn sie auch allzudreist ist . Bedenken Sie - es ist die letzte .... ich gehe ja morgen ! und ist ' s für Andre ein Geheimniß , so verlassen Sie sich auf mein ewiges Schweigen . « Sein feierlicher Ernst in Blick und Ton stimmte auch Faustine ernst . Sie sagte nichts ; aber sie legte den Finger auf Marios Portrait im Gemälde . Clemens verstand sie . Er stützte sich auf ihren Stuhl und die Lehne blieb in seiner Hand . Entsetzt blickte sie ihn an und rief angstvoll : » Gehen Sie , Clemens ! um Gottes Barmherzigkeit willen verlassen Sie mich - ich fürchte mich vor Ihnen , Sie sehen aus , als bebrüteten Sie eine Unthat . « Er fuhr mit der Hand übers Gesicht : » Eine Unthat ? o nein , Gräfin ! nur eine That ! « - Dann nahm er den Hut und sagte : » Ich werde noch Abschied von Ihnen nehmen . « Damit ging er . In Faustine hatte sich die Angst festgesetzt , Clemens könne Marios Leben wollen ; das ihre oder sein eigenes - daran dachte sie nicht ; nur an Mario . In namenloser Unruhe ging sie in den Zimmern umher , denn sie konnte nicht mehr den Pinsel halten , alle Nerven zitterten . Bald griff sie im Vorüberstreifen ein paar Akkorde auf dem Flügel , bald trat sie an den Bücherschrank , um Lektüre zu suchen , die sie nicht fand , bald setzte sie sich erschöpft nieder und summte halblaut eine Melodie ohne Worte , bald legte sie sich ins Fenster und blickte rechts und links mit jener seltsamen Stupidität , die den ersten besten Gegenstand ergreift , um von quälenden Gedanken und Vorstellungen loszukommen , so daß man sich z.B. auf der heimlichen Frage ertappt : » Wird jenes Vögelchen sich auf einen Ast oder auf ein Dach setzen ? « und man sieht dem Vogel nach , so lange man ihn gewahr werden kann . Während der Zeit hat das Herz gleichsam still gestanden und nach Luft