das Ende eines Altans hervorschaut ! Welch ' herrliche Aussicht muß man von ihm in das Thal von Ste . Roche haben , da er mehr nach jener Seite zu liegt ! « und schon eilte Fennimor auf der Gallerie voran , das Schloß an der kleinen Thür gab nach , und sie stand in dem Thurmzimmer , ehe der Graf ihr folgen konnte , was St. Albans mit sichtlichem Widerstreben that . Auch dies war ein großes , rundes Schlafzimmer , jedoch in seiner Ausstattung von bedeutenderen Ansprüchen , obgleich diese mehr , als in den übrigen Zimmern , gelitten hatte , da der Altan zwar mit seinen großen Thüren das Fenster bildete , aber , den Unbilden des Wetters preisgegeben , Regen und Schlossen eindringen ließ . Da liefen an den vergoldeten Lederbehängen der Wände kunstreich geschnittene Bänke von Eichenholz um das Zimmer her , und neben dem Kamine von schwarzem Marmor stand das große Bett , welches , wie gewöhnlich , an Vorhängen und Verzierungen der Holzschneidekunst den meisten Aufwand früherer Zeit zeigte . Vorzüglich aber betrachtete Fennimor ein schönes Betpult mit Knieschemmel , an dem ein zusammengesunkener kleiner Harfion , eine kleinere Art dieses später erst vergrößerten Instruments , wie die Damen ihn leicht in einer Hand zu tragen vermochten . Dies kleine Instrument , wenn jetzt auch ohne Saiten , mit verrosteten Wirbeln , war doch mit dem größten Fleiße in Elfenbein und Gold gearbeitet , und zeigte an , daß hier ein Fräulein gehaust , da nur Frauen dies Instrument spielten . - Die Vorhänge des Bettes waren nicht zugezogen , und Fennimor sah die Kissen und Matratzen von dunklem Damast , und die reich gestickte Decke , wenn auch Alles von Staub und Feuchtigkeit geschwärzt erschien , und kaum noch in seiner früheren Beschaffenheit kenntlich . - Schon ein paar Mal hatte Fennimor gefragt , wem dies Zimmer gehört habe - da sie ihre Frage wiederholte und den alten Mann dabei befremdet ansah , erwiederte er schüchtern : » Es ist der Eudoxien-Thurm . « » Eudoxia ? Nun , wer war das ? « frug sie weiter . » Eudoxia , das schöne Fräulein von Nemours , war auch eine Hofdame der Frau Königin Katharina - aber sie hatte nicht Glück davon . Der König , sagt man , habe sie lieber gehabt , als erlaubt war , und er fand sie hier einstmals auf ihrem Lager , daß sie ihm blos noch die blutende Wunde in der Brust zeigen konnte , und ihm sagen , wie ihr befohlen war : die Königin habe dies gethan . - Dann ist sie verschieden . Drauf , sagt man , säße sie noch immer hier auf diesem Altane in ihrem weißen Kleide und warte auf den König , wie er sonst durch das Thal herauf zog . « » Heil ' ger Gott , « rief Fennimor und barg ihr Antlitz an Leonin ' s Brust , » eine Königin und morden ! Ist denn das möglich ? Sie sagen ja , sie sind von Gott erwählt - können sie denn da morden ? Das ist vielleicht nicht wahr ! O , Leonin , « fuhr sie wemüthig fort , » sprich doch , Du mußt es ja wissen ! « » Laß ' das jetzt , Fennimor ! Kehren wir lieber zurück - hier unten liegen unsere Zimmer auch freundlich von der Sonne erhellt , da wohnen keine schrecklichen Erinnerungen . Mein Ur-Großvater ließ sie gastlich einrichten - dort wollen wir Alles vergessen . « » Ja wohl , « sprach der Kastellan , » von diesem guten gnädigen Herrn sind nur schöne , heitere Nachrichten in der Chronik zu finden . Er benutzte auch nie diese oberen Gemächer oder doch nur jene Seite drüben , die königlichen Prunkgemächer , nie den eben besuchten Banketsaal , weil er auf den großen finstern Hof mit dem Grabmal des Herrn Grafen Theophim herabsieht . « Die vielfach bewegten Wanderer kehrten in ihre jetzt schön und ansprechend eingerichteten Zimmer zurück , und hier erst zeigte es sich , wie tief erschüttert Fennimor war , denn bleich und wortlos sank sie in einen Stuhl am Feuer hin , hörte nicht , was Leonin sprach , und schien mit offnen Augen bewußtlos . Leonin fühlte bald , daß er sie nicht gewaltsam wecken dürfe , und gönnte es ihr , sich selbst auszuträumen , mit seinen liebevollen Blicken ihr blos ein zärtlicher Wächter bleibend . Mit einem tiefen Seufzer löste sich endlich ihr beklommener Zustand - sie erkannte Leonin und sank weinend an seine Brust . - » O , Leonin , « rief sie - » daß in der offenen , schönen Welt , wie sie von Gott kömmt , noch so eine finstere geheime Welt ist , die gar nicht dazu gehört , gar nicht Gottes Welt sein kann - und bei der nicht zu begreifen ist , warum die Menschen sie in die andere große Gottes-Welt hineinsetzen , und damit die andere verderben und Gott kränken ! - O , Leonin , ich glaube , mein Vater wußte gar nichts von der falschen , gemachten Welt ! « » Wohl hast Du Recht , « - sprach Leonin , » daß dies nicht die rechte , sondern eine falsche Welt ist - und es schmerzt mich , daß Du mit der Kenntniß des Schlosses , die Du so wünschtest , einen so düstern Blick hinein thun mußtest . - Laß ' uns diese Welt , die uns so fern liegt , vergessen , und richte Deine Blicke auf die Gegenwart , die kein Schrecken birgt . Obwol ich durch Unterricht und Lebensweise diesen Beziehungen näher getreten bin , so sind sie von mir doch noch nicht selbst erlebt , und ich ahne mehr den Stoff , dem ich zerstreut in der Welt begegnet bin , als daß ich ihn in dem eignen Leben bisher nachzuweisen wüßte . Es ist ein schwermüthiges Geschäft , sich in