Blick in eine Ecke , worin die uns bekannte Amphora mehr versteckt als gewiesen stand . - » Wie ? Und dieses herrliche Gefäß zeigen Sie mir nicht ? Das ist ja leicht das schönste Ihrer ganzen Sammlung ! « rief er erstaunt . Eine Traurigkeit beschattete das Antlitz des Sammlers , seine geläufige Zunge stockte , er ging in die Ecke , streichelte die Amphora , wie ein Vater sein krankes Kind streichelt , und erzählte dem Jäger zutraulich die Geschichte ihrer Erwerbung . - » Seit der Zeit nun « , fuhr er fort , » daß ich gegen mein Gewissen dem Hofschulzen ein Attest über sein falsches Karls-des-Großen-Schwert ausstellte und mir durch diese Unwahrheit die Amphora zueignete , macht mir oft die ganze Sammlung keine rechte Freude mehr . Denn bei Altertümern beruht alles auf der Wahrheit , und wer für ein fremdes gelogen hat , der kann auch leicht den Glauben an seine eigenen verlieren . Es geht mir schon hin und wieder so ; ich sehe die Donnerkeile zweifelnd an , ich habe bereits geträumt , meine so schönen Brakteaten seien nachgemachte Scharteken . Das Ende vom Liede wird wohl sein , daß ich die Amphora zurückgebe und mir mein falsches Attest wieder aushändigen lasse , wenn ich gleich nicht weiß , wie ich den Verlust des prächtigen Gefäßes werde überstehen können . « Der Jäger mußte ungeachtet des kummervollen Gesichtes , welches der alte Mann machte , lächeln , und sagte : » Mit Ihrer Gewissenhaftigkeit wäre nie ein Museum zustande gebracht worden . - Aber sagen Sie mir , was für eine Bewandtnis hat es eigentlich mit dem Schwerte , auf welches der Hofschulze einen so außerordentlichen Wert legt ? « Hierauf gab der Sammler dem Jäger folgende wundersame Auskunft . » Daß hier auf unserer roten Erde der geweihte Boden der Freigerichte , welche man nur sehr uneigentlich Femgerichte genannt hat , war , wissen Sie « , sagte er . » Freigerichte waren sie , und Freigerichte blieben sie trotz aller späteren Entstellungen und Mißbräuche , nämlich die Gerichte der ursprünglich freien Markengenossen , die so unbeschränkt auf ihrer Wehr saßen , als der König in seiner Pfalz . Das aber werden Sie nicht wissen , daß in mehreren Distrikten und so auch nahe hiebei manche Höfe , welche das Freischöffenrecht hatten , immer noch die Tradition dieses Besitzes erhalten , und daß dieselbe vom Vater auf den Sohn , vom Sohn auf den Enkel fortgepflanzt wird . Natürlich ist jetzt die Sache zu einer bloßen Spielerei herabgesunken . Aber Wissende gibt es wirklich noch immer , die von Zeit zu Zeit sich bei den alten Freistühlen versammeln , und durch Mitteilung der geheimen Erkennungszeichen und des Rituals neue Wissende machen . Anfangs nahmen einige Behörden von dem Hokuspokus Notiz , wollten in die Mysterien eindringen , aber das gelang ihnen nicht , die Bauern trieben ihr Wesen nur um so vorsichtiger und blieben gegen alle Anmutungen , den Sinn der Losung zu verraten , standhaft . Seitdem bekümmert man sich nicht mehr darum . Der Oberhof gehört nun recht eigentlich zu den alten Freischöffengütern . Nach dem Bauernglauben war es Karl der Große , der die Gerichte einsetzte , und das Gewaffen , was in dem Hofe aufbewahrt wird , gilt für das Richtschwert , welches der Kaiser zum Zeichen der Investitur dem ersten Besitzer gegeben habe . Der Hofschulze , der ein gar schlauer Vogel ist , hat , sein Ansehen zu steigern , sich diesen Glauben zunutze gemacht , und spielt nun eine Art von Freigrafen . Er soll nicht selten mit den Schöffen der umliegenden großen Höfe am Freistuhl zusammenkommen . Ja man spricht , daß durch ihn in die leeren Possen wieder ein Gehalt gebracht worden sei , daß sie über manche Sachen wirklich ihre geheimen Urteile fällen . So viel ist wenigstens gewiß , daß die Gerichte sich selbst über die wenigen Streitigkeiten wundern , die aus jener Gegend vor sie gebracht werden , obgleich unser Land sonst die Heimat der Prozeßkrämer ist . « » Aber wie ist das möglich , da ihnen ja jede Macht der Ausführung fehlt ? « fragte der Jäger , den diese seltsame Entdeckung ganz träumerisch bewegte . » Nun « , sagte der Sammler , » sie können freilich keinen Widerspenstigen mehr am Baume aufknüpfen , aber wenn sie ihm nun Hülfe , Beistand , Vorschub versagten , es durch ihren Einfluß , da sie die Reichsten in der Gegend sind , dahin brächten , daß ihn auch die andern mieden , keiner mit ihm im Kruge tränke , Knecht und Magd nicht bei ihm aushielte ; wie dann ? Wäre das nicht auch ein Zwang , zwingend genug ? Was vermag nicht die Meinung von Standesgenossen über den Menschen ? Es werden mitunter dort umher einzelne in auffallender Art freunde- und genossenlos , das dauert eine Weile , dann nähert sich ihnen wieder alles . Man spricht , diese seien Verfemte , und nur ihre Nachgiebigkeit hebe den Bann wieder von ihrem Hause . « Der Jäger reimte nunmehr sich manches zusammen , was ihm bisher unverständlich geblieben war . Er teilte seine Vermutung , daß binnen kurzem am Freistuhl etwas vorgehen werde , dem Sammler mit , und fragte ihn eifrig , ob es nicht möglich zu machen sei , einem solchen heimlichen Gerichte aus der Verborgenheit zuzuschauen ? Damit wollte indessen der Sammler als mit einer gefährlichen Sache nichts zu tun haben . Der Fuhrmann trat ein , welcher den Jäger nach dem Oberhofe befördern sollte und sagte , daß der Wagen vor der Türe stehe . Der Jäger hatte nämlich mit dem Diakonus die Absprache genommen , sich in der Stadt einquartieren zu wollen , hielt es jedoch für ziemlich , seinem alten Wirte in Person Dank und Lebewohl zu sagen . Einen Teil des Weges über hatte er weder auf diesen , noch auf das Fuhrwerk acht , da seine Gedanken um den