seinem Ende ; Frühlingsahnung regte sich in jeder Brust ; denn obgleich der Winter noch immer das Regiment führte , schien er doch allmälig die Strenge desselben mildern zu wollen . Helena und Richard sahen still freudig der Rückkehr des Fürsten entgegen , die sie innerhalb weniger Wochen erwarten durften , doch von Eugen blieben sie ohne alle Nachricht . Keiner , auch nicht Eudoxia , kannte seinen jetzigen Aufenthalt , und da der Vater sich nicht geneigt bezeigte , sich über denselben in seinen Briefen zu äußern , so durfte Niemand es wagen , deshalb in ihn dringen zu wollen . Selbst die Fürstin war zu dieser zurückhaltenden Bescheidenheit von ihrem Gemahl früh gewöhnt worden . Was wird es denn auch Großes sein ! lächelte Helena : irgend eine neue Anstalt , eine Schule für Bauernkinder , oder eine ausländische Erfindung , mit der wir überrascht werden sollen , und über deren Ausführung Eugen die Oberaufsicht übertragen worden ist . Warum sollten wir vorwitzig dem guten Vater diese Freude verderben ? Wunderlich genug hatte es gerade in dieser Zeit dem Strumpffabrikanten Wood , der jetzt ein in seiner Art sehr bedeutender , reicher Mann geworden war , gefallen , sich einmal seines Sohnes zu erinnern , an den er seit Jahren nicht gedacht hatte , so wenig als der geneigte Leser an den alten Herrn in Nottingham gedacht haben mag . Ein für ein Haus in Manchester Reisender kam mit Empfehlungen und Briefen für Richard an ; eigentlich eine vornehmere Art Muster-Reiter , beladen mit Vorschlägen zu Speculationen und kaufmännischen Anerbietungen , zu deren Ausführung er durch Richards Fürwort zu gelangen angewiesen war . Master Mitchell , so hieß der ehrliche John Bull , der gleich in der ersten Stunde dem armen Richard ungemein lästig erschien , suchte auf seine Art sich so angenehm zu machen , als möglich ; er packte mit großer Förmlichkeit ein paar Dutzend Briefe von Eltern , Geschwistern , Vettern und Basen aus , die er , nicht ohne einiges Risiko , über die Grenze geschmuggelt hatte ; und wußte Unendliches von den Billys und Tommys und Peggys und Pattys zu erzählen , die alle auf Richards brüderliche Zärtlichkeit Anspruch machten , und deren Namen , ja zum Theil deren Existenz ihm nicht einmal bekannt war ; denn seit seiner Entfernung aus dem väterlichen Hause hatte die damals schon große Anzahl seiner Geschwister sich noch beträchtlich vermehrt . Solche zwar selten , aber doch im Verlaufe einiger Jahre immer wiederkehrenden Erinnerungen an seine Familie , ergriffen ihn allemal mit dem drückenden Gefühle versäumter Pflicht , indem sie zugleich seine eigentlich doch sehr unbestimmte , einzig und allein auf das fortgesetzte Wohlwollen mächtiger Gönner beruhende Stellung , ihm wieder fühlbarer machten . Doch war bis jetzt , und auch diesmal , keine betrübende Nachricht ihm über ' s Meer zugekommen ; seine Eltern lebten in täglich sich mehrendem Wohlstande , keines seiner Geschwister , deren Anzahl er selbst nicht mehr genau wußte , hatte der Tod ihm entrissen . Er fühlte es als schwere Verpflichtung , dieses als ein großes Glück anzuerkennen , und zürnte sich selbst , daß es ihm damit nicht recht gelingen wollte . Aber das Alles lag ihm so fern , war ohne sein Zuthun ihm so entfremdet , daß es ihm durchaus unmöglich blieb , den warmen Antheil daran zu nehmen , den er seinem Herzen aufzudringen sich fruchtlos bemühte . Um aber doch einigermaßen seine Pflicht eines guten Sohnes zu erfüllen , that er alles nur Ersinnliche für seinen unbequemen Gast , der aber leider als durchaus nicht amüsabel sich auswieß . Von allem was Richard ihm zeigte , gefiel ihm durchaus nichts , denn es war nicht wie in Alt-England ; die Sitten und Gewohnheiten der großen englischen Kaufleute , in deren Häusern ihn Richard einführte , fand er so aus der Art geschlagen , daß er gewiß keinen Fuß wieder hinein gesetzt haben würde , hätte nicht die Hoffnung , irgend ein bedeutendes Geschäft mit ihnen zu machen , ihn dazu bewogen . Indessen wollte Richard doch nichts unversucht lassen ; um dem widerhärigen Insulaner wenigstens einen anschaulichen Begriff von der Größe , dem überschwänglich reichen Leben der prachtvollen Kaiserstadt zu gewähren , führte er ihn auf den großen Maskenball , den letzten in dieser Saison , und folglich auch den besuchtesten und glänzendsten , den selbst der kaiserliche Hof diesmal durch seine Gegenwart verherrlichte . Als ob die Bevölkerung eines ganzen Landes in Lust und Freude sich versammelt hätte , so drängen die vielen Tausende , deren Zahl auszusprechen man sich scheut , um nicht der Übertreibung beschuldigt zu werden , in weiten Sälen sich umher , deren Ende unerreichbar scheint . Der Fremde , der seinen Begleiter nur eine Secunde aus den Augen läßt , ist von dem Moment an verloren , wie ein Tropfen im Meere . Fortgerissen von dem unglaublichen Gewühle , kann er bis zum anbrechenden Morgen fortwandern , ohne ihn oder auch nur einen Punkt anzutreffen , der ihm einigermaßen sich zu orientiren dienen könnte . Diesmal erreichte Richard seinen Zweck . Das ist groß ! das ist stupend ! sprach Mr. Mitchell , und ließ , an Richards Arm fest angeklammert , sich wohlgefällig vorwärts schieben . Croyan oder adhéran ? flüsterte eine scharf betonte Stimme dicht an Richards Ohr . Ganz unwillkürlich sah er nach dem , der diese ihm ganz unverständlichen Worte gesprochen hatte , sich um . Ein Ruck - und der unselige Engländer war im nämlichen Momente von ihm getrennt , kaum sah er noch weit vorne im Strudel der Menge ihn schwanken , dann war er verloren , ohne Hoffnung , ihn sobald wieder zu finden . Ein riesengroßer Domino hatte an dessen Stelle sich gedrängt und Richards Arm ergriffen . Sei unbekümmert , Brüderchen , er ist wohl beschützt und wird zur rechten Zeit Dir wieder übergeben . Ich muß Dich sprechen und habe Eile , sprach leise , aber vernehmlich , der Domino