, mir Kummer und Verdacht erregenden Punkte zu fehlen im Stande gewesen - - so sagt mir eine innere Stimme , dem Hasse verwandt , dieser Prinz leitete und beförderte das einzige , was ihm zum Vorwurfe gereichen kann . - Theures Kind ! unterbrach hier die alte Herzogin ihre Schwiegertochter , welche diese lange und angreifende Erzählung mit einem Eifer und einer Glut der Gefühle bis hierher geführt hatte , die kein Wort dazwischen einzuschalten zuließ , theures Kind , wie tief erschüttern mich Deine Mittheilungen ! Wie schmerzlich und als ein Versäumtes will mir die Vergangenheit erscheinen ! So habe ich mich in der Hoffnung Euers ungetrübten Glückes gewiegt , indeß Dein edles Herz so manchen geheimen Schmerz erlitt um meinen Sohn , der mir jetzt mit dem besten Theile seines Daseins in ein unheimliches Dunkel gehüllt erscheint ! Großmüthiges edles Wesen , das lieber den Schmerz in sich durch Verschließen verdoppelte , als den dennoch geliebten Gemahl in den Augen Anderer herabgesetzt sehen wollte ! Auch als Mutter fühle ich mich Dir so innig verpflichtet ; Du hast in Wahrheit meinen geliebten Sohn beschützt . - Und habe ich das , gleichviel ob in Wahrheit oder nur in Euerm liebevollen Glauben ? rief hier lebhaft die Herzogin , habe ich das bisher allein und in eigener Kraft ? O , so kommt mir nun zu Hülfe , da mein Werk noch nicht vollendet , da , nachdem sein geliebtes Leben an meiner Seite mich nicht mehr stärken und jedes stille Opfer versüßen kann , mir doch noch das größere und schwerere auferlegt ist . Mutter ! sagte sie leiser mit strömenden Augen und glühenden Wangen , die unstäten Blicke umhergleiten lassend , Mutter ! das Mädchen , das der Wille des Himmels mich retten ließ , das ich todt zu meinen Füßen fand , sie , die wir Gräfin Melville nennen , ist - wenn Gott nicht ein Wunder schickt , einen Lichtstrahl , um die dunkeln mir jetzt nicht erkennbaren Wege zu erhellen , ist seine und der Gräfin Buckingham Tochter ! Ein Schrei entfuhr den Lippen der alten zitternden Mutter , und die Herzogin drückte ihr erhitztes Haupt in den Schooß der unglücklichen Greisin ; aber sogleich fuhr sie wieder empor . Zu heftig war sie erregt , sie konnte noch keinen Ruhepunkt finden , und wenig den heftigen Eindruck berücksichtigend , den sie bei ihrer Zuhörerin hervorgerufen , fuhr sie immer schneller fort : Ein Blick auf diese Züge , obwol noch von Ohnmacht entstellt , zeigte mir eine so völlige Gleichheit mit denen jener schönen Gräfin , daß ich wähnte , sie selbst zu sehen ; aber kurzes Nachdenken ließ mich erkennen , daß die Zeit ihr nicht still gestanden haben könne , und daß dies schöne Wesen vor meinen Augen noch in der zartesten Jugend sei . Da ergriff mich ein unaussprechliches Gefühl . Wenn sie es nicht selbst ist , so kann es nur ihre Tochter sein , so riefen alle Stimmen meiner Brust . Aber mehr noch , als dies , nenne es Ahnung , nenne es den nie bekämpften Argwohn dieses Herzens , daß sie auch seine Tochter sei , das tönte zugleich ohne Aufhören in mir , und dies Gefühl leitete all ' meine Schritte . Ach , ich hatte ein ahnendes Herz ! Als man sie entkleidet , brachte mir Morton mit allen Zeichen schwer bekämpfter Unruhe die Juwelen , die man an ihr gefunden . Da sahen meine Augen die Armbänder wieder , die mein Gemahl so kunstreich bestellt hatte , die mir vom Juwelier überbracht waren , und die man nicht verwechseln kann , wenn man sie je gesehen . Auch Morton hatte sie erkannt ; aber die edle bescheidene Freundin ehrte meine stummen Gefühle . Als ich sie entlassen , öffnete ich ein Portefeuille , was dazu gehörte . Ich fand einen unvollendeten Brief mit der Adresse an meinen Gemahl ; er enthielt nur diese Worte : Der Tod ereilt mich , eile und rette unser Kind , ehe es in die Hände meiner Brüder fällt ! O , warum wird mir nicht der Trost , in Deinen Armen zu sterben , und warum suchen Dich meine Gedanken überall vergeblich , so lange ohne Nachricht . - Hier hörten diese Zeilen auf , die in der höchsten Erschöpfung geschrieben schienen . Dabei lagen zwei Wechsel , jeder von tausend Pfund , auf den Banquier meines Gemahls . Ich habe den Brief herausgenommen . Zu diesem Dokument seiner Verirrung durfte ich mich als Erbin erklären . Doch wären mir noch Zweifel geblieben , was wohl unmöglich ist , so hat Gaston übernommen , mich völlig zu enttäuschen . Er entdeckte und erkannte sie , und war dann nicht mehr von ihr zu trennen . Aber vor meinen Augen wiederholte sich die Erkennungsscene , und sie selbst nannte , ihn mir als den steten Begleiter der beiden einzigen Männer , die je ihre Tante besuchten . Außerdem sendete ich Stanloff , auf dessen schweigsame Treue ich bauen kann , nach dem Schlosse der Gräfin von Buckingham , und alle Anzeichen treffen hier vollständig mit der Erzählung des unglücklichen Mädchens überein ; aus diesem Schlosse ist sie entflohen ! Ach , und trotz alle dem , wirst Du es glauben , trotz dieser Zeichen , deren eins schon mich überzeugen mußte , dennoch hoffte ich auf Rettung von dieser Ueberzeugung ! Daher meine Hoffnung , Archimbald solle ihren Oheim kennen ; darum die Pläne , in die ich einging , Näheres von ihrer Geburt zu erfahren , und dann wieder die qualvollste Angst , diese Nachforschungen würden die von mir so gefürchtete Wahrheit ans Licht führen . Graf Archimbald erkannte sie überdem schon als das Ebenbild der Gräfin Buckingham ; dies sah ich seinem Erstaunen an . Er fühlte auch , daß ich ihm nicht offen bin . Aber was ist dies alles gegen die Verzweiflung , die mir die Nachricht giebt , daß Robert , vermöge