, aus seiner ihr beiderseitiges Geheimniß bedrohenden Nähe zu kommen , neigte sich verschämt vor Dagobert , der den Gruß wortlos erwiederte , und verschwand in die Kammer . - » Ruht jetzt aus , werther Herr ! « sagte Ben David , und lud den Jüngling ein , auf dem Polstersitze Platz zu nehmen : » Der Zufall hat mir gedient , da er mich ließ in etwas vergelten , was Ihr an mir gethan . Besonders ist mein Herz freudig , da Ihr gewiß Nichts gethan , das wirklich gescholten werden könnte , böse . Ihr seyd ein Vertrauter des Herzogs , und der edle Mann kann nur haben Edle in seinem Vertrauen . Bedürft Ihr das Geringste , so wendet Euch an mich . Was ein armer Jude thun kann , Euch zu gefallen , soll geschehen . « - Dagobert wich allen Fragen aus , die Ben David mit der geschickten Neugier seines Volks ihm stellte , um den Hergang des Abenteuers dieser Nacht zu erforschen ; das letztere Anerbieten wies er jedoch nicht förmlich von sich , um sich die Möglichkeit in Ben Davids Haus wiederzukehren , nicht zu rauben . Er verplauderte eine geringe Weile mit Esther ' s Vater , und verließ ihn endlich mit dem Versprechen , ihn wieder zu sehen . » Du wirst doch nicht ? « flüsterte sein Verstand . - » Ach ! ich fürchte , Du wirst ! « entgegnete sein Herz , und zerrissen von Überraschung , Wonne und Pein langte er in seiner Herberge an , woselbst er sich auf ' s Lager warf , um nicht zu schlummern . Dreizehntes Kapitel . Riefst Du einmal nur die Schuld zur Frohne , Ewig dienst Du ihr dann als fröhnender Knecht . Wer Liebe und Unschuld vereint und traulich zu Tafel sitzen sehen wollte , mußte an den Tisch des Wildmeisters Bilger von Rhön treten . Mäßig war er besetzt von Gästen und Speisen , allein aus den Gesichtern der beiden Ehegatten , wie des zwischen ihnen spielenden Kindes lachte eine Zufriedenheit , welche die magern Fastengerichte in einen königsüppigen Pfingstschmauß verkehrte . Die Sonne eines heitern Tages , wie ihn nicht selten der scheidende Hornung bietet , schaute behaglich durch die weiten Fenster des Mörsburger Schlosses auf den kleinen Haushalt des Wildmeisters , dem gerade sein Weib in kindlicher Einfalt noch einmal alle Wunder und Festlichkeiten der Fastnacht zu Costnitz erzählte , welche sie schon öfters zum Besten gegeben hatte . Mit liebevoller Geduld horchte Bilger der Geschwätzigen zu ; das Töchterlein , halb auf dem Schooße der Mutter gelehnt , stellte sich eben so aufmerksam , und selbst der Bärenfänger Haltan schien , vor dem Tische aufrecht sitzend , und das Gesicht in die Sammetfalten des beschauenden Ernstes gelegt , das stille Vergnügen seiner Herrschaft zu theilen . Des Herrn von der Rhön Aufmerksamkeit war dennoch von dem oft gehörten Bericht nicht so sehr in Anspruch genommen , daß er das Geräusch überhört hätte , das sich in dem Hofe vernehmen ließ ; den Hufschlag ankommender Pferde , das Rufen der Reiter , und die langgehaltnen Hornstöße des Wächters . Er eilte , an das Fenster zu kommen , und erblickte , da er die gemalten Flügel aufschlug , mehrere in des Kaisers Farben gekleidete Knechte auf dem Burgplatze , theils zu Gaule sitzend , theils einen aalglatten Schimmel haltend , dessen reiches Sattelzeug alsobald den vornehmen Reiter verrieth . Der Pförtner machte aus seinem Hüttchen die Geberden der größten Verwunderung nach dem herabschauenden Wildmeister herüber , und das Räthsel löste sich diesem bald , denn die Thüre sprang auf , und der Kaiser selbst trat im einfachen Reitkleide herein , ... den Vogt verabschiedend , der ihn bis hieher geleitet hatte . Bilger ' s und seiner Gattin freudiges Erstaunen wuchs , da der Fürst mit der ihm angebornen Freundlichkeit und Herablassung alle Bewillkommnung von der Hand wies , Reverenz und Gewandkuß untersagte , und so vertraulich am Tische auf einem Schemel ohne Lehne Platz nahm , als sey dieses seine ihm zustehende Stelle . » Keine Zierereien ! « sprach Sigmund , während er durch seinen Wink den Hausherrn sammt Ehewirthin in die kaum verlaßnen Lehnstühle wies , und das lächelnde Kind auf den Schooß zog , in den warmen Marderpelz : » Wenn man gute Freunde heimsucht , thut man sich weder Zwang an , noch duldet man ihn ; und ich denke ja , ich bin bei guten Freunden . « » Bei den treusten Dienern Ew . römischen Majestät ; « versicherte der Wildmeister . - » Ich wollte mich von Euerm Wohlseyn überzeugen , « fuhr der Kaiser fort : » und sehen , wie das holde Weiblein hier im Hauswesen sich benimmt . « Die Wildmeisterin erröthete verschämt ; Bilger aber erwiederte : » Mit drei Worten , gnädigster Herr , kann ich Euch hierüber berichten : ich bin glücklich . Meine Katharine ist das Gestirn , das mildiglich meinen Lebensweg , überstrahlt , und sich in unsern Kleinen zu unfrer Wonne verdoppelt hat . « - » Wie bin ich froh , solch Zeugniß aus Eurem Munde zu vernehmen , Herr von der Rhön , « versetzte der Kaiser : » so hat denn doch der Befehl Eures Vaters , dem ihr so lange widerstrebtet , gute Früchte getragen . So stößt man oft die Perle lange zurück , die uns das Schicksal wohlwollend reicht . Ihr habt noch zu rechter Zeit die Hand aufgethan . Wohl Euch ! « Mit verdüstertem , aber freundlichem Blicke reichte Bilger seinem Weibe die Hand . Sigmund fuhr indessen fort : » Ihr Leute wißt gar nicht , wie glücklich ihr seyd . Ihr freut euch des Daseyns in eurem eignen Hause , während Meinesgleichen in weitläufigen Burgen und Städten mit dem Mißmuth Hand in Hand gehen . Es ist ein schwer Ding um das Regiment über Land und Leute . Wie gerne vertauschte ich den Fürstenpelz mit Euerm