den ersten Stock hinab , um dort in der Küche ihr Regiment zu verwalten . Dankbar und freudig zog sie den Taler aus der Ledertasche , und besah ihn hin und her ; sie pries bei sich die Freigebigkeit des wackern Junkers , und bedauerte ihn im stillen , daß seine Liebe so schlecht vergolten werde , denn daß es ihr Fräulein mit einem andern habe , war ihr ausgemachte Sache . Vor der Küche stand sie gedankenvoll still . Sie war im Zweifel mit sich , ob sie der Sache ihren Lauf lassen solle , oder ob es nicht besser wäre , dem Junker einige Winke über den nächtlichen Besucher zu geben ? » Doch kommt Zeit , kommt Rat , vielleicht sieht er es selbst und braucht mich nicht dazu . Überdies -Ein Rater in zweier Feinde Mitten , kann es leicht mit beiden verschütten ; man kann warten und zusehen , denn Hitz im Rat , Eil in der Tat , gebären nichts als Schad . Wer will haben gute Ruh , der seh und hör und - schweig dazu ! « Solchen Rat pflog mit sich selbst Frau Rosel vor der Küche ; die Liebenden aber , denen diese Beratung galt , hatten sich nach ihrem Abzug bald wieder gefunden . Georg vermochte nicht den bittenden Blicken Mariens zu widerstehen ; und als sie mit den süßesten Tönen der Liebe ihn fragte , ob er ihr wieder gut sei , da vermochte er nicht nein zu sagen , und der Friede war , was selten der Fall ist , in kürzerer Zeit wieder geschlossen , als die Fehde begonnen hatte . Mit hohem Interesse hörte Marie auf Georgs fernere Erzählung , und es gehörte der feste Glaube des jungen Mannes an die Geliebte und sein Vertrauen in das Wort des Geächteten dazu , um nicht von neuem außer Fassung zu kommen . Denn als er beschrieb , wie er auf den Ritter getroffen , und sich mit ihm geschlagen habe , da errötete sie , sie richtete sich stolzer auf und drückte die Hand des Geliebten , sie gestand ihm , daß er einen wichtigen Kampf bestanden habe , denn jener Mann sei ein tapferer Kämpe . Und als er erzählte , wie sie hinabgestiegen in die Nebelhöhle , wie sie den Geächteten besuchten , wie er tief unter der Erde in ärmlicher Umgebung doch so groß und erhaben geschienen , da stürzten Tränen aus ihren Augen , sie blickte hinauf zum Himmel , als bete sie im stillen , er möchte das traurige Geschick dieses Mannes wenden , und als er fortfuhr und sagte , was sie gesprochen , und wie der Mann der Höhle sich seinen Freund genannt , wie er sich zu Württembergs Sache , zu der Sache der Unterdrückten und Vertriebenen mit Wort und Handschlag verpflichtet habe , da strahlte Mariens Auge von wunderbarem Glanze , sie sah Georg lange an , er glaubte eine Begeisterung in ihrem Auge , in ihren Zügen zu lesen , die nicht die Freude , daß er ihres Vaters Partie ergriffen habe , allein vorbrachte . » Georg ! « sagte sie , » es werden viele sein , die dich einst um diese Nacht beneiden werden . Du darfst es dir auch zur Ehre rechnen , denn glaube mir , nicht jeden hätte Hanns zu dem Vertriebenen geführt . « » Du kennst ihn « , erwiderte Georg , » du weißt um sein Geheimnis ? o sag mir doch , wer ist er ? Ich habe selten einen Mann gesehen , dessen Auge , dessen Miene , dessen ganzes Wesen mich so beherrscht hätte , wie dieser . Wo lagen seine Besitzungen , wo ist das Schloß , aus dem er vertrieben ist ? Er sagt , er wolle jetzt keinen andern Namen haben als der Mann , aber sein Arm , dessen Stärke ich gefühlt , sein heller Blick verbürgte mir , daß er einst einen berühmten Namen in der Welt gehabt haben müsse . « » Er hatte einen Namen « , antwortete Marie , » einen , der sich mit den besten messen konnte . Aber wenn er dir ihn nicht selbst gesagt hat , so darf ich ihn auch nicht nennen ; das wäre gegen mein Wort , das ich darauf gegeben . Herr Georg muß sich also schon noch gedulden « , setzte sie lächelnd hinzu , » so hart es ihn auch ankommt , denn er ist ein neugieriger Herr . « » Mir kannst du es ja doch sagen « , unterbrach sie Georg ; » sind wir nicht eins ? Darf das eine ein Geheimnis haben , ohne daß es der andere Teil wissen muß ? Schnell ! antworte , wer ist der Mann in der Höhle ? « » Werde nicht böse , siehe , wenn es nur mein Geheimnis wäre , so müßtest du es auch wissen und könntest es mit Recht verlangen , aber so - ich weiß zwar , daß es bei dir so sicher wäre als bei mir , aber ich darf nicht . « Sie sprach noch , als die Türe aufsprang und eine Dogge von ungeheurer Größe hereinstürzte.33 Georg fuhr unwillkürlich auf , denn einen Hund von solcher Größe und Stärke hatte er nie gesehen . Der Hund stellte sich ihm gegenüber , schaute ihn mit rollenden Augen an und fing an zu murren . Es tönte aus seiner breiten Brust herauf dumpf und hohl wie ein nahender Sturm und die wohlgeordnete Reihe scharfer Zähne , die er vorwies , zeigten ihn als einen Kämpfer , dessen Zorn man nicht reizen dürfe . Ein Wort von Marie reichte hin , ihn ruhig und besänftigt zu ihren Füßen zu legen . Sie streichelte seinen schönen Kopf , aus welchem die klugen Augen noch immer bald nach ihr bald nach dem Junker spähten . » Er hat Menschenverstand ! « sagte sie lächelnd . » Er kommt , um mich zu