, ein junges Mädchen trat mit einer Lampe heraus , mehrere freundliche Gesichter begrüßten die heimkehrende Mutter , ich erblickte durch die offne Thür die gewöhnliche Helle eines Caminfeuers in einer reinlichen , wenn gleich sehr beschränkten Wohnung . - Ach , wie beneidenswerth kam mir diese Frau vor ! Ich betrachtete sie , die Lamve beleuchtete sie , ihre Züge schienen mir bekannt - sie war die Wittwe des armen Gärtners , der in Greenwich in meinem Beiseyn starb . - Sie sprach mitleidig mit Miß Arnold , da zog sie das kleine Mädchen beim Aermel und sagte leise : » Mutter , die sieht der guten englischen Dame ähnlich . « Die Frau richtete ihre Blicke auf mich , konnte ihren Augen nicht trauen und rief : » Nein , das ist gar nicht möglich . « - » Es ist nur zu möglich , liebe Frau Campell « , sagte ich , » das wandelbare Schicksal hat mich nun zum Fremdling im Lande gemacht . « - » So sind Sie es wirklich ? « rief die Wittwe mit fröhlichem Lächeln . » Gott segne Sie ! Sie werden mir nie ein Fremdling seyn ; treten Sie ein und ruhen Sie aus ! und wenn Sie für die arme kranke Person kein Unterkommen wissen , so sagen Sie ihr , daß sie auch herein komme ! « - Nur der einsame Wandrer , der , in Feindes Land gerathen , unerwartet eine gastfreie Hütte sich eröffnen sieht , kann begreifen , mit welcher Freude ich diese Einladung annahm . Ich hob Julien vom Boden auf , führte sie in Frau Campells Zimmer und dankte Gott für die Zuflucht , die er uns so unverhofft bereitet hatte . Wir befanden uns in einem Gemach , das zugleich als Küche und Wohnzimmer diente ; unsre Wirthin rückte einen großen gepolsterten Armstuhl an das Feuer und lud mich ein , darin Platz zu nehmen . Julie , die vor Mattigkeit ganz zusammensinkend neben mir stand , zog zuerst meine Aufmerksamkeit auf sich . » Der Platz gebührt meiner kranken Freundin , liebe Frau Campell « 4 , sagte ich , die Arme zu ihm leitend , Lady Glendower ist vielleicht einstens im Stand , Ihre Gastfreundschaft zu erkennen . « - Ich wollte meiner armen Gefährtin durch diese Anerkennung ihrer Verhältnisse wohlthun , wollte aber auch meine eigne Lage , die mich in einer so traurigen Gesellschaft aufgeführt hatte , in ein beßres Licht setzen . Mein Verstand hatte recht , meine Jugend und Vereinzelung bedurfte Beweggründe , um so ein Verhältniß begreiflich zu machen , allein meine Eitelkeit mochte doch dabei nicht ohne alle Theilnahme seyn . Sobald ich Julie unter diesem Namen eingeführt hatte , ward es mir leichter , bei Frau Campell anzufragen , ob sie dieselbe nicht aufnehmen könnte . Die gute Frau war sehr froh , mir dienen zu können , und das kleine Mädchen , dessen Schüchternheit allen meinen Versuchen , die Bekanntschaft mit ihr zu erneuern , widerstanden hatte , bot nun ihrer Mutter leise an , ihr Bett der Fremden zu überlassen . Das war aber gar nicht nöthig . Seit Frau Campell durch meine Beihülfe in ihre Heimath zurückgekehrt war , hatte es ihr , da sie eine geschickte Wäscherin war , nie an Erwerb gefehlt . Seit kurzem hatte ihr Bruder , ein wandernder Krämer , der Wittwer geworden war , sie gebeten , jetzt ihm hauszuhalten , und da dieser , auf mehrere Wochen abwesend war , bot sie Julien den Gebrauch seines Zimmers an . Nun für meine Gefährtin gesorgt war , fing ich an wegen meines eignen Unterkommens bange zu werden . Mitternacht war beinahe herangekommen ; ich war fast eine Stunde von Frau Millners Wohnung entfernt ; und ob ich gleich diese rohe Frau jetzt bezahlt hatte , so konnte ich doch nicht ganz sicher rechnen , von ihr aufgenommen zu werden . Doch mir blieb keine Wahl . Die Bitte , auch bei meiner guten Wittwe zu übernachten , schien mir zu anmaßend ; ich fürchtete damit ihre Gutwilligkeit gegen die arme Julie zu schwächen . Doch mich in dieser Nachtzeit allein auf die Straße zu wagen , schien mir unmöglich , und so bat ich Frau Campell , mich bis zu meiner Wohnung zu begleiten . Sobald Julie meine Absicht fortzugehen wahrnahm , überfiel sie der unbillige Gedanke , daß ich sie möchte verlassen und nicht wiederkehren wollen . Anfangs suchte sie durch die ängstlichsten Bitten , wie ich diesen aber vernünftige Vorstellungen entgegensetzte , durch das ungestümste Flehen mich davon zurückzuhalten . Die Nacht rückte unter diesem Streite fort , ich fürchtete , daß die Heftigkeit der Unglücklichen in meiner Abwesenheit ihre neue Hausfrau ermüden könnte , und erbot mich endlich , den Rest der Nacht an ihrem Bette zu wachen . Unsre gute Wirthin überließ alles meiner Willkür und führte uns sogleich unter den wiederholtesten Entschuldigungen , uns nicht besser bedienen zu können , in das uns bestimmte Zimmer ein . Ach sie wußte nicht , daß es bei weitem das zierlichste war , welches ich mir aus eignen Mitteln zu verschaffen je fähig gewesen ! Es war freilich niedrig , mit dunkeln , wollnen Tapeten behangen , aber mit gutem Hausrath und einem Bette versehen , dessen reine Wäsche dem ekelsten Geschmack genügt hätte . Julie ließ mich ohne Widerstand für ihr armes Kind sorgen , das vielleicht seit mehrern Tagen nicht so vollständig , wie heute , gesättigt , reinlich gewaschen , und in einen reinen Bettüberzug , den ich von Frau Campell entlehnt , warm eingewickelt , zu den Füßen seiner Mutter ruhig fortschlief . Während sich meine arme Gefährtin einem unruhigen , doch dem Anscheine nach tiefen Schlaf ununterbrochen überließ , überdachte ich meine Lage . Sie war durch die Verhältnisse , in welche ich nun mit Julie gerathen war , furchtbar verschlimmert worden ; doch die Verbindlichkeit , diese Unglückliche der Verwilderung und dem Elende zu entreißen