mehr , ich mochte mich vor dem Spiegel zurechtrücken , wie ich wollte , es schien mir immer , als wenn ich mich zu einem Maskenball herausputzte ; aber seitdem sie mir ihren Spiegel vorhielt , seit ich gewahr wurde , wie man sich von innen selbst schmücken könne , komm ' ich mir wieder recht schön vor . « Sie sagte das zwischen Lächeln und Weinen und war , man mußte es zugeben , mehr als liebenswürdig . Sie erschien achtungswert und wert einer ewigen treuen Anhänglichkeit . » Und nun , mein Freund , fassen wir uns kurz : hier sind die Briefe ! sie zu lesen und wieder zu lesen , sich zu bedenken , sich zu bereiten , bedürften Sie allenfalls einer Stunde , mehr , wenn Sie wollen ; alsdann werden mit wenigen Worten unsere Zustände sich entscheiden lassen . « Sie verließ ihn , um in dem Garten auf und ab zu gehen ; er entfaltete nun einen Briefwechsel der Baronin mit Makarien , dessen Inhalt wir summarisch andeuten . Jene beklagt sich über die schöne Witwe . Wie eine Frau die andere ansieht und scharf beurteilt , geht hervor . Eigentlich ist nur vom Äußern und von Äußerungen die Rede , nach dem Innern wird nicht gefragt . Hierauf von seiten Makariens eine mildere Beurteilung . Schilderung eines solchen Wesens von innen heraus . Das Äußere erscheint als Folge von Zufälligkeiten , kaum zu tadeln , vielleicht zu entschuldigen . Nun berichtet die Baronin von der Raserei und Tollheit des Sohns , der wachsenden Neigung des jungen Paars , von der Ankunft des Vaters , der entschiedenen Weigerung Hilariens . Überall finden sich Erwiderungen Makariens von reiner Billigkeit , die aus der gründlichen Überzeugung stammt , daß hieraus eine sittliche Besserung entstehen müsse . Sie übersendet zuletzt den ganzen Briefwechsel der schönen Frau , deren himmelschönes Innere nun hervortritt und das Äußere zu verherrlichen beginnt . Das Ganze schließt mit einer dankbaren Erwiderung an Makarien . Sechstes Kapitel Wilhelm an Lenardo Endlich , teuerster Freund , kann ich sagen , sie ist gefunden , und zu Ihrer Beruhigung darf ich hinzusetzen , in einer Lage , wo für das gute Wesen nichts weiter zu wünschen übrigbleibt . Lassen Sie mich im allgemeinen reden ; ich schreibe noch hier an Ort und Stelle , wo ich alles vor Augen habe , wovon ich Rechenschaft geben soll . Häuslicher Zustand , auf Frömmigkeit gegründet , durch Fleiß und Ordnung belebt und erhalten , nicht zu eng , nicht zu weit , im glücklichsten Verhältnis der Pflichten zu den Fähigkeiten und Kräften . Um sie her bewegt sich ein Kreislauf von Handarbeitenden im reinsten , anfänglichsten Sinne ; hier ist Beschränktheit und Wirkung in die Ferne , Umsicht und Mäßigung , Unschuld und Tätigkeit . Nicht leicht habe ich mich in einer angenehmeren Gegenwart gesehen , über welche eine heitere Aussicht auf die nächste Zeit und die Zukunft waltet . Dieses , zusammen betrachtet , möchte wohl hinreichend sein , einen jeden Teilnehmenden zu beruhigen . Ich darf daher in Erinnerung alles dessen , was unter uns besprochen worden , auf das dringendste bitten : der Freund möge es bei dieser allgemeinen Schilderung belassen , solche allenfalls in Gedanken ausmalen , dagegen aber aller weitern Nachforschung entsagen und sich dem großen Lebensgeschäfte , in das er nun wahrscheinlich vollkommen eingeweiht sein wird , auf die lebhafteste Weise widmen . Ein Duplikat dieses Briefes sende an Hersilien , das andere an den Abbé , der , wie ich vermute , am sichersten weiß , wo Sie zu finden sind . An diesen geprüften , im Geheimen und Offenbaren immer gleich zuverlässigen Freund schreibe noch einiges , welches er mitteilen wird ; besonders bitte , was mich selbst betrifft , mit Anteil zu betrachten und mit frommen , treuen Wünschen mein Vorhaben zu fördern . Wilhelm an den Abbé Wenn mich nicht alles triegt , so ist Lenardo , der höchst wertzuschätzende , gegenwärtig in eurer Mitte , und ich sende deshalb das Duplikat eines Schreibens , damit es ihm sicher zugestellt werde . Möge dieser vorzügliche junge Mann in euren Kreis zu ununterbrochenem bedeutendem Wirken verschlungen werden , da , wie ich hoffe , sein Inneres beruhigt ist . Was mich betrifft , so kann ich , nach fortdauernder tätiger Selbstprüfung , mein durch Montan vorlängst angebrachtes Gesuch nunmehr nur noch ernstlicher wiederholen ; der Wunsch , meine Wanderjahre mit mehr Fassung und Stetigkeit zu vollenden , wird immer dringender . In sicherer Hoffnung , man würde meinen Vorstellungen Raum geben , habe ich mich durchaus vorbereitet und meine Einrichtung getroffen . Nach Vollendung des Geschäfts zugunsten meines edlen Freundes werde ich nun wohl meinen fernern Lebensgang unter den schon ausgesprochenen Bedingungen getrost antreten dürfen . Sobald ich auch noch eine fromme Wallfahrt zurückgelegt , gedenke ich in * * * einzutreffen . An diesem Ort hoff ' ich eure Briefe zu finden und meinem innern Triebe gemäß von neuem zu beginnen . Siebentes Kapitel Nachdem unser Freund vorstehende Briefe abgelassen , schritt er , durch manchen benachbarten Gebirgszug fortwandernd , immer weiter , bis die herrliche Talgegend sich ihm eröffnete , wo er , vor Beginn eines neuen Lebensganges , so manches abzuschließen gedachte . Unerwartet traf er hier auf einen jungen , lebhaften Reisegefährten , durch welchen seinem Bestreben und seinem Genuß manches zu Gunsten gereichen sollte . Er findet sich mit einem Maler zusammen , welcher , wie dergleichen viele in der offnen Welt , mehrere noch in Romanen und Dramen umherwandeln und spuken , sich diesmal als ein ausgezeichneter Künstler darstellte . Beide schicken sich gar bald ineinander , vertrauen sich wechselseitig Neigungen , Absichten , Vorsätze ; und nun wird offenbar , daß der treffliche Künstler , der aquarellierte Landschaften mit geistreicher , wohl gezeichneter und ausgeführter Staffage zu schmücken weiß , leidenschaftlich eingenommen sei von Mignons Schicksalen , Gestalt und Wesen . Er hatte sie gar oft schon vorgestellt und begab