, soll auch zu nichts anderm gebraucht werden , sonst schadet ' s ; der Teufel weiß überall sich einzuschleichen , er hat einen spitzen Kopf und ist wie die Schlange beschaffen , wo die mit dem Kopf durchkommt , da zieht sie den Leib nach . Hört nur , ich glaube , die Stadtpfeifer schlagen sich mit den fremden Fiedlern und sie haben doch alle zu essen , an den Tag will ich mein lebelang gedenken , von der Hochzeit werden noch Kinder und Kindeskinder reden ! « Unsre Stadtleute sprechen von großen Festschmäusen , als von einer Fronarbeit , der nur ein Fremder durch anders gefärbte Einfälle Reiz verleihen kann . Dieser Überdruß kommt aber vom Überfluß solcher Feste , die in manchen Kreisen zum Alltäglichsten gehören , so daß jeder Leichnam schon aus der Gewohnheit voraus weiß , wie viel beschwerter er sich am Schlusse des Festes , als im Anfange fühlen werde . Wie können sie sich in Festlichkeiten alter Zeit versetzen ? Die höchste Lust muß ihnen widrig erscheinen ! Auf dem Lande sind wir jener Zeit schon näher , die Speisen selbst haben eine geistige Berührung mit unsrer Tätigkeit und Einsicht , weil sie nur mit Klugheit der widerstrebenden Witterung abgewonnen , in ihr gezogen und geerntet werden konnten . Wer überdies Monate in seiner Hauswirtschaft zugebracht hat , der ist schon erfreut , andre fremde Gesichter bei sich versammelt zu sehen , das Gespräch scheint sogar störend , so lange der Genuß dauert , und nur der Tafelmusik möchte man ein Recht einräumen , das Herz unbewußt anzuregen . Solch ein Fest , durch bedeutenden Anlaß erzwungen , nicht müßig erdacht , hat auch seinen Zwang zur Lust und diese fehlt nimmer , niemand naht sich der Türe ohne mitzugenießen , und selbst die , welche zu Hause bleiben , erhalten ihren Anteil durch das Heimgesandte , und lassen dann auch Gott einen guten Mann sein . Aber neben der Lust sind auch Streitigkeiten nicht selten , keiner hat einen Grund , sich zu verschließen und da die Mitteilung selten ist , so ist sie auch heftiger , insbesondere wenn die Lebensfülle sich im Genusse scheinbar erhöht und über ihre Schranken steigt . So war es im Lande der Ditmarsen gewöhnlich , das Leichenhemde zu den Hochzeiten mitzunehmen , weil keine ohne Kampf und Mord endete . Auch Bertholds Hochzeitfest war nicht ohne Schimpf und Unfrieden . An dem Herrentische blieb es freilich bei einigen stachligen Reden , die ein trunkner Schuhmacher über den Brunnen und die verbaute Straße mit Anspielungen auf den Ehestand fallen ließ ; bei dem Tische der Stadtpfeifer ward es dagegen ernsthafter , denn da ging ' s zugleich um Kunst und Lebensunterhalt , auch gab sich keiner die Mühe , wie der Ehrenhalt am Herrentische , gute Ordnung zu bewahren , vielmehr hetzten manche Bürger die Stadtpfeifer , die fremden Meistersänger und die Fiedler gegen einander , weil sie sich in ihrer Tücke so grundlächerlich darstellten . Nun weiß jeder , daß ein Hauptunterschied zwischen den Menschen darin liegt , daß ein Teil durch den Weinrausch unbändig froh und der andre grundlos traurig wird ; wie ist da ein gutes , verständiges Vernehmen möglich , insbesondere wenn es sich gewöhnlich noch dabei findet , daß die nüchtern Lustigen trunken traurig werden , und die nüchtern Ernsten im Rausche an den Scherz jener heransteigen , die Leute fühlen sich unter einander ausgetauscht und schlagen sich , ihre Seele wieder zu gewinnen . So war zum Feste ein lustiger , ältlicher Sänger des Herzogs von Bayern , mit Namen Grünewald angekommen , der in Augsburg sich in Annen verliebt , wie es ihm mit allen schönen Mädchen erging , auch bald seine Liebe bei allen Banketten besungen hatte , ohne daß die Leute eigentlich wußten , auf wen seine Liebesnoten anspielten . Er hatte Annens Wohnung endlich ausgeforscht und in Verzweifelung , daß ihr Fenster sich nie seinem Gesange öffnete , weil sie längst fortgereist war , hatte er sich dem Weine , ohne Berechnung seiner Kasse so lange ergeben , bis der Wirt seine vollgekreidete Wandtafel überrechnete , Zahlung forderte und als er diese nicht leisten konnte , ihm den Mantel nahm . Das kümmerte den Sänger wenig , er setzte davon ein lustig Liedlein , schimpfte darin den Wirt wacker aus , dem er mit seiner Lustigkeit viel Gäste ins Haus gelockt hatte , ging mit dem Liede zum reichen Fugger und erzählte darin zum Schlusse , daß dieser seinen Mantel ausgelöst habe . Der gute Fugger tat , wie von ihm erzählt worden , löste den Mantel nicht nur aus , sondern gab auch dem lustigen Grünewald ein Zehrgeld auf die Reise , aber mehr als Geld schenkte er ihm in der Nachricht , wohin die schöne Alma gezogen , was Fugger aus Fingerlings Handelsbriefen erfahren hatte . Grünewald küßte ihm die Hände aus Dankbarkeit , nahm ein Schreiben als Empfehlung und schritt stolz in seinem Mantel vor dem Wirtshause vorbei , dessen Wirt ihm so teure Zeche angekreidet hatte . Der Wirt sah sich eben nach Gästen um , als der Sänger vorbeizog , und gähnte , da erhob sich ein Windstoß , blies den Mantel gar stolz auf und warf dem Wirte den Flügel eines Fensters , das eben offen stand , auf die rote Nase . Dies Geschichtlein hatte Grünewald auf dem Wege einem Kunstgenossen vertraut , aber es ganz geheim zu halten gebeten , als er mit diesem zum Hochzeittage in Waiblingen ankam , wo er sich als ein reisender Sänger der Gesellschaft durch Lieder und der schönen Anna durch Fuggers Brief so gut empfahl , daß er von Berthold allen einheimischen Sängern vorgezogen wurde . Die Bayern und Schwaben sind aber nicht bloß in der Sprache , sie sind in ihrem ganzen Wesen sehr verschieden , jene trinken Bier , diese Wein , jene sind schwerer und ernster , diese lustig und schnell , es kam daher den Stadtpfeifern seltsam vor ,