, wohl alles ahnend , was in ihrem Innern sich entfalten mochte . - » Ach , mein Freund , mein Geliebter , « sprach sie leise und wehmütig ; » würdest du mich nicht für eine wahnsinnige Schwärmerin halten , wenn ich alles ... alles ... dir sagen sollte , was mich immer wieder so verstört im vollen Glück der reinsten Liebe ? - Ein grauenvoller Traum geht durch mein Leben , er stellte sich mit seinen entsetzlichen Bildern zwischen uns , als ich dich zum ersten Male sah ; wie mit kalten Todesschwingen wehte er mich an , als du so plötzlich eintratst in mein Zimmer auf dem Lustschloß der Fürstin . Wisse , so wie du damals , kniete einst neben mir ein verruchter Mönch und wollte heiliges Gebet mißbrauchen zum gräßlichen Frevel . Er wurde , als er , wie ein wildes Tier listig auf seine Beute lauernd , mich umschlich , der Mörder meines Bruders ! Ach und du ! ... deine Züge ! ... deine Sprache ... jenes Bild ! ... laß mich schweigen , o laß mich schweigen . « Aurelie bog sich zurück ; in halb liegender Stellung lehnte sie , den Kopf auf die Hand gestützt , in die Ecke des Sofas , üppiger traten die schwellenden Umrisse des jugendlichen Körpers hervor . Ich stand vor ihr , das lüsterne Auge schwelgte in dem unendlichen Liebreiz , aber mit der Lust kämpfte der teuflische Hohn , der in mir rief : » Du Unglückselige , du dem Satan Erkaufte , bist du ihm denn entflohen , dem Mönch , der dich im Gebet zur Sünde verlockte ? Nun bist du seine Braut ... seine Braut ! « - In dem Augenblick war jene Liebe zu Aurelien , die ein Himmelsstrahl zu entzünden schien , als , dem Gefängnis , dem Tode entronnen , ich sie im Park wiedersah , aus meinem Innern verschwunden , und der Gedanke , daß ihr Verderben meines Lebens glänzendster Lichtpunkt sein könne , erfüllte mich ganz und gar . - Man rief Aurelien zur Fürstin . Klar wurde es mir , daß Aureliens Leben gewisse mir noch unbekannte Beziehungen auf mich selbst haben müsse ; und doch fand ich keinen Weg dies zu erfahren , da Aurelie , alles Bittens unerachtet , jene einzelne hingeworfene Äußerungen nicht näher deuten wollte . Der Zufall enthüllte mir das , was sie zu verschweigen gedachte . - Eines Tages befand ich mich im Zimmer des Hofbeamten , dem es oblag , alle Privatbriefe des Fürsten und der dem Hofe Angehörigen zur Post zu befördern . Er war eben abwesend , als Aureliens Mädchen mit einem starken Briefe hineintrat und ihn auf den Tisch zu den übrigen , die schon dort befindlich , legte . Ein flüchtiger Blick überzeugte mich , daß die Aufschrift an die Äbtissin , der Fürstin Schwester , von Aureliens Hand war . Die Ahnung , alles noch nicht Erforschte sei darin enthalten , durchflog mich mit Blitzesschnelle ; noch ehe der Beamte zurückgekehrt , war ich fort mit dem Briefe Aureliens . Du Mönch oder im weltlichen Treiben Befangener , der du aus meinem Leben Lehre und Warnung zu schöpfen trachtest , lies die Blätter , die ich hier einschalte , lies die Geständnisse des frommen , reinen Mädchens , von den bittern Tränen des reuigen , hoffnungslosen Sünders benetzt . Möge das fromme Gemüt dir aufgehen , wie leuchtender Trost in der Zeit der Sünde und des Frevels . Aurelie an die Äbtissin des Zisterzienser-Nonnenklosters zu ... Meine teure gute Mutter ! Mit welchen Worten soll ich Dir ' s denn verkünden , daß Dein Kind glücklich ist , daß endlich die grause Gestalt , die , wie ein schrecklich drohendes Gespenst , alle Blüten abstreifend , alle Hoffnungen zerstörend , in mein Leben trat , gebannt wurde durch der Liebe göttlichen Zauber . Aber nun fällt es mir recht schwer aufs Herz , daß , wenn du meines unglücklichen Bruders , meines Vaters , den der Gram tötete , gedachtest und mich aufrichtetest in meinem trostlosen Jammer - daß ich dann dir nicht wie in heiliger Beichte mein Innres ganz aufschloß . Doch ich vermag ja auch nun erst das düstre Geheimnis auszusprechen , das tief in meiner Brust verborgen lag . Es ist , als wenn eine böse unheimliche Macht mir mein höchstes Lebensglück recht trügerisch wie ein grausiges Schreckbild vorgaukelte . Ich sollte wie auf einem wogenden Meer hin und her schwanken und vielleicht rettungslos untergehen . Doch der Himmel half , wie durch ein Wunder , in dem Augenblick , als ich im Begriff stand , unnennbar elend zu werden . - Ich muß zurückgehen in meine frühe Kinderzeit , um alles , alles zu sagen , denn schon damals wurde der Keim in mein Innres gelegt , der so lange Zeit hindurch verderblich fortwucherte . Erst drei oder vier Jahre war ich alt , als ich einst in der schönsten Frühlingszeit im Garten unseres Schlosses mit Hermogen spielte . Wir pflückten allerlei Blumen , und Hermogen , sonst eben nicht dazu aufgelegt , ließ es sich gefallen , mir Kränze zu flechten , in die ich mich putzte . » Nun wollen wir zur Mutter gehen « , sprach ich , als ich mich über und über mit Blumen behängt hatte ; da sprang aber Hermogen hastig auf und rief mit wilder Stimme : » Laß uns nur hier bleiben , klein Ding ! die Mutter ist im blauen Kabinett und spricht mit dem Teufel ! « - Ich wußte gar nicht , was er damit sagen wollte , aber dennoch erstarrte ich vor Schreck und fing endlich an , jämmerlich zu weinen . » Dumme Schwester , was heulst du , « rief Hermogen , » Mutter spricht alle Tage mit dem Teufel , er tut ihr nichts ! « Ich fürchtete mich vor Hermogen , weil er so finster vor sich hinblickte , so rauh sprach ,