, hatte kaum von den ersten Opfern der Belagerung Roms an Porta Pancrazio gelesen , als er sich » vom Geschäft « losriß und » bei allem Unglück den glücklichen Gedanken « hatte , erst über Coni und Castellungo zu reisen ... Mit dem ganzen Schmerz der hingebendsten , treuesten , bis über den Tod ausdauernden Freundschaft traf er den Freund schon vom Leben geschieden ... Bebend trat er an den ausgestellten Leichnam , weinte wie ein Kind - ordnete aber doch sogleich des Freundes graue Locken mit seiner Linken und drückte mit der Rechten Armgart ' s Hand , die ihn gewähren ließ ... Fand er von allen gebeugten Herzen den Ton der natürlichen Ergebung zuerst wieder und konnte , den theuern , mit seinem Leben so innig verwachsenen Freund betrachtend , mit liebevollster Prosa sagen : » Merkwürdig ; eigentlich hat er sich nicht verändert ! « so konnte er doch sein » Er hat mich erzogen ! « mit einem Schluchzen sprechen , wie eine mit vierzig Jahren » mutterlos dastehende Waise « ... Die Verbindung mit Benno war ungetrübt geblieben ; seine von unermüdlichem Hin- und Herreisen begleitete Vermittlerschaft hatte in den stürmischen letzten Lebensjahren des Freundes die äußersten Katastrophen zu verhindern gewußt ... Jetzt war alles so gekommen , wie jener Scherz in den zauberischen Tagen auf Villa Torresani bei Rom nicht ahnen ließ und wie er doch , nach den Regeln der Nemesis , hatte enden müssen ... Armgart und Thiebold konnten an Benno ' s Leiche noch manche Melodie aus alten Zeiten vernehmen ... Diese Melodieen rissen freilich schmerzlich ab - » Durch wessen Schuld - ? « lag in Thiebold ' s Blicken , als er die hohe , so seltsam anders , als er erwartet , entwickelte Gestalt Armgart ' s betrachtete und an den räthselhaften Abschied erinnerte , den sie ihnen beiden einst im Schloß zu Westerhof - ihres Gelübde wegen - hatte geben können ... Jetzt erdrückte ihn fast eine Art » Ehrfurcht « vor Armgart ' s Geist und gereiftem Urtheil ... Die Veränderung des tiefbetrübten Lebenskreises wurde die mächtigste , als Bonaventura unmittelbar nach Benno ' s Bestattung zu seiner inzwischen in Rom angekommenen Mutter gerufen wurde und in der That der Graf , trotz aller Gährungen seines Innern , erklärte , das Bedürfniß zu haben , auch seinerseits den Präsidenten zu begrüßen und deshalb mit Paula den Erzbischof zu begleiten ... Monika erglühte über diese Ausrede , die einer ganz andern Rücksichtsnahme galt , vor mächtigster Regung einer Entrüstung , die sie sich nur gerade jetzt in dieser allgemeinen Trauerstimmung auszusprechen scheute ... Ein Glück , daß Thiebold ' s rege Fürsorge für alle und über alles wachte ... Das Begräbniß des Freundes , die Ausschmückung des Grabes , das Errichten eines Denksteins , alles das fiel auf seinen Theil und nichts ließ er sich von dem , » was sich ja von selbst verstände « , nehmen ... Er sagte : » Auf unserm gegenseitigen Contocorrent hat Benno noch so viel Saldi und Ueberträge zu gute , daß ich sie in diesem Leben nimmermehr auslöschen kann ! « ... Armgart , wie die Sonne am herbstlichen Tag , dankte ihm voll wehmüthiger Freude - so für sein Kommen wie für sein längeres Bleiben - ... 9. Zwischen dem Ionischen und dem Mittelmeer erstreckt sich die eine Hufeisenhälfte des südlichen Italien und berührt in ihrer Spitze beinahe das Haupt der alten Trinacria , Siciliens ... Die Scheide zwischen beiden Meeren bilden die Ausläufe der Apenninen mit den hohen Bergspitzen des Monte Januario und Monte Calabrese ... Zwischen beiden erhebt sich eine bewaldete , hier in schroffe Felsklüfte zerspaltene , dort in grüne , weidenreiche , aber engumschlossene Thäler sich absenkende Gebirgskette , der Silaswald ... Wer da weiß , daß man auf dem Aetna , während unten die Dattelpalme und Feige grünt , auf der Höhe von Schneestürmen überfallen werden ' kann , begreift , daß zwar auch der benachbarte Silaswald an seinen Füßen und an beiden Meeren hin die ganze Pracht der südlichen Vegetation entfaltet , auf seinen Höhen aber und in seinen Schluchten den Alpencharakter der Schweiz tragen muß - schmale , an reißenden Berggewässern hingehende Wege , Thäler , die von hohen Felsen umgeben sind , auf denen Adler horsten , Wälder , an die sich seit Jahrhunderten die Axt nicht legte , weil die Mittel und die Kräfte fehlen , die Stämme in die Ebene zu führen ... Oft wirft die Sonne ihre südlichen Strahlen senkrecht in die feuchten Felsritzen und läßt in ihnen eine tropische Luft entstehen , wie in einem Treibhause ; aber an anderen Stellen pfeift dann wieder durch die offenen Lücken zwischen den von Zwergeichen umkränzten Spitzen des Hochgebirgs die Bora so eisig , daß die Hirten ihre ungegerbten Schaffelle , mit denen sie den nackten Körper bekleiden , über und über zusammenbinden müssen wie die Grönländer ... Weiße spitze Hüte decken die schwarzbraunen , scharfgeschnittenen Köpfe mit ihren dunkelbraunen Augen , deren lange schwarze Wimpern manchen Physiognomieen einen sanften , gutmüthigen Ausdruck geben ... Andere blicken dafür wieder desto wilder ... Die Schaffelle sind am Leib nach innen , an den Füßen nach außen gekehrt und bis zum groben Holzschuh hinunter durch Schnüre befestigt ... Ein braunrother Mantel dient als Decke für die Nacht oder gegen die zuweilen urschnell ausbrechenden Gewitter ... Die Thätigkeit der Silaswaldbewohner ist größtentheils Viehzucht ... Die Ziegen Calabriens , die zu Tausenden an den schroffen Felsabhängen ihre Nahrung suchen , während die Hirten den Dudelsack blasen oder auf der alten Pansflöte vielstimmiges Echo wecken , liefern jene elegantesten Handschuhe von Paris und Mailand ... Wer im Silaswald nicht Ziegen treibt oder für Schafe und Rinder die fetteren Weideplätze sucht oder Kohlen brennt , verlegt sich auf das einträgliche Gewerbe des Schmuggels , seit uralten Tagen für dies buchtenreiche Land ein ebenso überliefertes wie der Raub ... Hier weht die classische Luft , die uns umfängt , wenn wir von den Thaten des