... Sie sagte mit erstickter Stimme : Er ist hinüber ... Der Ausdruck des Schmerzes bei den beiden Italienerinnen war unverstellt ... Sie schwiegen eine Weile , wie vom Strahl des Himmels getroffen - und in der That wie bestraft für all ' die Qual , welche Frauen , unter dem Vorwande der Liebe , über die Freiheit des männlichen Willens und ein nothwendiges Sichbewußtbleiben seiner Kraft verhängen können - ... Sie drängten , Benno sehen zu wollen - die Mutter wie eine Irrsinnige - ... Bonaventura erinnerte sie , wie oft der Freund von Angiolinens Tod gesprochen , wie oft er behauptet , die Schwester hätte die entsetzliche Scene zwischen ihm und der Mutter noch hören müssen , die Todten verließen die Erde weit langsamer als wir glaubten ... Und eben noch hatte der Freund in diesem Sinn um die Stille seines Sterbelagers gebeten ... Bonaventura bat die Frauen , zu bleiben ... Selbst Klagen , selbst Thränen nicht in seiner Nähe ! ... Er hätte dies dem Freunde geloben müssen ... Abbate Orsini ging eben mit den Sterbesakramenten an der offengebliebenen Thür vorüber ... Der Anblick der Monstranz gebot den verzweifelnden Frauen Ruhe und Selbstbeherrschung ... Bonaventura benutzte diesen Moment , um sich zu entfernen ... Graf Hugo begleitete ihn ... Es drängte beide an das Lager des todten Freundes ... Beide durften es Paula überlassen , mit der ihr eigenen Güte des Tons , mit der ihr im bittersten Leid eigenen Hoheit den zurückbleibenden Frauen Worte des Trostes zu spenden ... Die Fürstin sah , daß die Herzogin dieser edlen Erscheinung gegenüber schon lange die Fassung verloren hatte , ob sie gleich wußte , daß diese blonde Deutsche die Ursache des Bruchs zwischen dem Grafen und Angiolinen war ... Oft , wenn von ihrem Ritt durch den Park von Schloß Salem als Ursache des Todes Angiolinens gesprochen wurde , hatte Olympia die Schuld auf diese Gräfin und ihr Geld geworfen ... Jetzt auch sah Olympia allmählich schon verächtlich zu ihr empor und sprach zur Herzogin , die auch von den Jahren schon tiefgebeugt schien , ein Andiamo ! nach dem andern ; ja als diese mit den Nägeln in ihrem Antlitz wühlte , brauchte sie die kalten Worte : Keine Schwäche ! ... Die Nähe des nun wirklich eingetretenen Todes beängstigte im Grunde niemanden mehr als Olympien ... Sie hätte den ehemals heißgeliebten Freund vielleicht nicht einmal im Tod betrachten können ... » Nichts ist schöner , als der Tod ! « hatte einst die Mutter Benno ' s gesagt , als sie zu Angiolinens Leiche trat ... Sie wiederholte dies Wort - ... Sie kannte aber Olympiens abergläubische Furcht , ergab sich und sagte nun schon , daß sie auch ihrerseits fürchtete , dem Anblick zu erliegen ... Die aufgeregt hin- und hereilenden Bewohner und Diener des Hauses konnten es zuletzt natürlich finden , daß die greise Dame , die zum allgemeinem Staunen die Mutter des Hingeschiedenen war , langsam die Treppe niederstieg und am Portal in ihren Wagen sank ... Die Fürstin ging der Schluchzenden zur Linken ... Paula begleitete sie zur Rechten ... Auf der Mitte der Stiege waren ihnen noch der Erzbischof und der Graf nachgekommen und begleiteten sie beide bis zum Portal ... Noch einmal bat Bonaventura um Vergebung und lud die Frauen ein , in einigen Stunden wiederzukommen - Graf Hugo träfe Anstalten , dem Geschiedenen einen militärischen Katafalk zu errichten mit allen kriegerischen Reliquien , die sich noch in Benno ' s Gepäck vorgefunden hätten ... Ohne Zweifel strömte die ganze Stadt herbei , den römischen Republikaner zu sehen ... Die Herzogin versprach , in einigen Stunden zu kommen ... Olympia schwieg ... Sie sah sich mit Verachtung und einer vor Zorn bitterlächelnden Miene um ... Ihre Gedanken schienen abwesend ... Fast war es , als wollte sie die Menschen messen , die sie sah , und etwa wahrnehmen , bis wie weit sie an ihnen ihre Rache kühlen könnte ... Der Graf bot sofort den beiden Scheidenden eine Wohnung in seinem Palais an , ja er traf in ihrer Gegenwart Anordnungen , sie bis zum Begräbniß und noch auf längere Zeit würdig bei sich zu beherbergen ... Die Herzogin sah gerührt und bittend auf Olympien ... ... Diese nickte gelassen mit dem Kopf und ließ zum Hotel fahren ... Olympia hatte anders beschlossen ... Von den flehentlichsten , ja fußfälligen Bitten der Herzogin , daß sie beide wenigstens bis zum Begräbniß blieben , erfuhren nur zufällige Lauscher an den Thüren des Hotels ... Trotz Benno ' s Beistand , trotz der Mittel , die ihr Benno schon bei seiner Abreise nach Rom lebenslänglich ausgesetzt hatte , war die Herzogin schon wieder nur die Duenna Olympiens ... Sie hatte gegen diesen wilden Charakter keine Kraft des Widerstands ... Olympia fragte die gebeugte , reuevolle Frau mit durchbohrender Ironie , ob sie Verlangen trüge , Armgart von Hülleshoven kennen zu lernen - ? ... Alle Welt erstaunte , als sie dann Postpferde bestellte ... Diese kamen nicht sofort und schon machte sie dem Wirth eine Scene ... Ihr Reisewagen fuhr an , sie bezahlte den Aufenthalt dieser wenigen Stunden und schritt ruhig die Treppe des Hotels nieder an den geöffneten , rings von Menschen umstandenen Schlag ihres Reisewagens ... Die Herzogin kam nicht ... Olympia ließ den Postillon eine Mahnung blasen ... Zehn Minuten und die Herzogin erschien ... Wären die Frauen noch einen Tag geblieben , so hätte sich ein Zwiespalt , der , wie sämmtliche über diese Abreise erstaunten Freunde fürchten mußten , nicht ohne Folgen bleiben konnte , durch eine glückliche Vermittlung vielleicht gelöst ... Thiebold de Jonge traf am Morgen nach dem erschütternden Heimgang Benno ' s ein und bot eine wahrhafte Erquickung allen trauererfüllten Herzen , die er hier antraf ... Auch der Oberst und Monika waren von Castellungo herübergeeilt , sogar Hedemann , der dem ersten Jugendleben Benno ' s so nahe gestanden hatte ... Thiebold , der in innigster Verbindung mit Benno geblieben war