einer Miene , als hätte sie des Erzbischofs Worte nicht verstanden ... Meinen Gatten will ich sehen - denn das ist er - ! ... Sie rasselte an der Thür , bis Graf Hugo eintrat und ihr nicht endendes Mia anima ! Mio cuore ! zu beschwichtigen suchte ... Wie aus einer fremden Welt verhallten diese Klagelaute - ohne Echo , ohne ein Zeichen , daß sie drüben vernommen und erhört wurden ... Graf Hugo schloß noch die von innen verriegelte Bibliothekthür ab , steckte den Schlüssel zu sich , ging zu Paula zurück und blickte nur im Vorübergehen auf den Erzbischof , andeutend , ob er nicht besser thäte , zu Benno zurückzukehren und zu versuchen , ihn umzustimmen ... Aber Bonaventura stand regungslos ... Wir stören die heilige Handlung des Abbate Orsini , sagte er ... Beten können wir auch hier ... Olympiens Augen wurden weiß vor Zorn ... Ihre Gestalt schien wie von Luft ... Sie schwebte hin und her und murmelte eine Reihe zusammenhangloser Worte , die dem Erzbischof sehr wohl als Erinnerung an sein Emporkommen und Verurtheilung seiner Undankbarkeit verständlich waren ... Nichtsdestoweniger wiederholte er : Beten wir ! ... Drüben hörte man die Klingel des Ministranten ... Weihrauchduft durchzog die Zimmer ... Die Herzogin weinte nur noch ... Bonaventura sprach ihr mit weicher Stimme : Die Seele unseres Freundes ist ebenso krank , wie sein Körper ... Lassen Sie ihm den letzten Frieden , um den er gebeten ... Mich , einen Priester , bat er , die Mutter und die ehemalige Freundin selbst dann noch fernzuhalten , wenn sein Auge gebrochen ist ... Es muß ihm ein heiliger Ernst mit diesen Wünschen sein ... Kann ich etwas dagegen thun ? ... In jener Zeit , wo der Freund nur noch Ihnen und Italien angehörte , muß er schwer gelitten haben ... Wahnsinn ! ... Wahnsinn ! ... rief Olympia ... Sagen Sie : Verklärung und Erhebung vom Irdischen ! entgegnete Bonaventura ... Ein Gericht hat er nicht über Sie halten wollen , sondern über sich ... Sie können nicht begreifen , wie sein Leben von Deutschlands heiligen Eichen ausging , wie die Wipfel der Tannen , unter denen Sie einst betrogen wurden , Herzogin - wir alle wissen es mit Beschämung - doch ihm die süßesten Märchenträume sangen ... Anfangs wand er sich künstlich vom Zauber seiner Heimat , seines deutschen Vaterlandes los und verbitterte künstlich sein Gemüth gegen die Welt , in der er lebte ... Da fand er dann Sie und der künstliche Haß wurde ein scheinbar natürlicher ... Ihnen , dem Lande seiner Mutter , Ihren Interessen , Ihren Hoffnungen widmete er sich ganz ... Das wurde zum Fieberbrand , der ihn zuletzt verzehrte ... Der nordischen Sehnsucht zum Süden ging es immer so ... Nun aber , nun weht ihn noch einmal die Kühle aus den deutschen Eichen an - umgaukeln ihn die Bilder aus den grünen Tannenwäldern der Heimat des Mannes , der ihn erzog , seines wahren Vaters , des Dechanten - lassen Sie ihm diese letzte Erquickung des Verlorenseins in seiner deutschen Jugend nach dem heißen Sonnenbrand , während Sie drei ja einst - genug zusammen glücklich waren - ... Die Zauberei eines Mädchens seh ' ich , das ihn in seinen letzten Augenblicken bestrickt ! unterbrach Olympia und ihre Zähne glänzten , wie sie der Wolf im Anblick seiner Beute wetzt ... Lästern Sie nicht , Fürstin ! sprach Bonaventura voll Unwillen , doch kehrte er zur Milde zurück und sagte zur Mutter : Reisen Sie mit Gott , Herzogin ! ... Sie haben lange ein Herz besessen , das sich Ihnen opferte ... Wenn dies Herz im letzten Augenblick umfangen sein will nur von jener Einsamkeit , die den armen verstoßenen Knaben , der sich selbst so oft einen Zigeuner im Leben nannte , umfing , wenn er an die grünen Wälder zurückdenkt , die Sie verfluchten , weil Ihr Ehrgeiz dort betrogen wurde , lassen Sie ihm diese Erinnerungen ... Armgart von Hülleshoven schloß ebenso die Augen seines zweiten Vaters , des Dechanten ... Ich vermochte nichts gegen einen Wunsch des Freundes , der so fest , so unwiderruflich fest ausgesprochen wurde - ... Die Herzogin weinte und schien sich zu ergeben ... Sie erinnerte sich der letzten Jahre in London , die unausgesetzt für Benno nur Qualen geboten hatten - Olympia hatte wieder angefangen , ihre tyrannische Natur , Eifersucht und jede Plage geltend zu machen - ... Die Mutter verstand , was Benno gethan , als er floh , und was er eben that - sie verstand , warum sein schroff gewordener , verdüsterter Sinn so und nicht anders aus dem Leben scheiden wollte ... Olympia fühlte die gleiche Berechtigung so harter Strafe , aber sie ergab sich nicht ... Starr blickte sie zur Erde ... Sie hatte sich allmählich setzen müssen ... Ihre Brust kochte vor Rache und Eifersucht ... Die Thränen der Herzogin rührten den Erzbischof ... Er gedachte der eigenen Mutter , die nun auch vielleicht bald vom Leben schied und im brechenden Auge das Gefühl einer großen Schuld zeigen konnte ... Er bemerkte die wiederholt bittenden Blicke des Grafen , der von Olympiens Kälte und ihrem drohenden Schweigen allmählich das Schlimmste befürchtete ... Schon hatte er gehört , daß sie in Verbindung mit Gräfin Sarzana stand ... Jetzt mußte er sogar der Terschka ' schen Drohungen gedenken ... Bitte ! sprach er zum Erzbischof und deutete an , daß man besser thäte , den Versuch zu machen , ob sich nicht Benno umstimmen ließe ... Wollen Sie mir versprechen , sich ruhig zu verhalten ? erwiderte Bonaventura ... Ich will noch einmal an Ihres Sohnes Lager treten ... Die Frauen hoben flehend die Hände , selbst Olympia ... Da trat Paula , die inzwischen durch die andre Verbindung der Zimmer in der Nähe der Sakramentsertheilung geweilt hatte , ihm entgegen und sank weinend in die einzigen Arme , die sich ihr entgegenstrecken durften - die ihres Gatten