eine aufgehende Rechnung gibt ! Sie sind bewundert von der Welt , Sie haben sich einen Namen im Buche der Geschichte geschrieben , Sie haben Freunde , die Ihnen Gerechtigkeit werden widerfahren lassen und sollte es auch erst dann sein , wenn Andre nach Ihnen kommen werden , was , will ' s Gott ! lange dauern soll ! Sie haben philosophische Bedürfnisse , nach denen Sie sich Ihr Leben einrichten können ... Der Fürst wollte widersprechen ... Nein , Egon , mach ' ich Ihnen Vorwürfe ? Soll ich denn dies Prinzip der Selbsterhaltung , das bei Ihnen in der größten und weihevollsten Form zur Geltung kommt - Ich bin kein Egoist , schaltete der Fürst mit Nachdruck ein . Ich bin nur in der Lage , wie alle Menschen , die nach einer gewissen Vollkommenheit strebten . Was Ihr Euch Egoismus nennt , ist uns die Gerechtigkeit und Strenge gegen uns selbst . Wir würden Euch nicht Egoisten sein , wenn wir Alles thäten , was Euch gefällig wäre und gegen unsre eigne tiefste Würde stritte . Wären wir schwach , würdet Ihr uns die Liebe selbst nennen ! Nun gut , Egon , räumte Pauline ein , die ihr Glück , mit dem wichtigsten und ersten Manne des Tages so zu stehen , wie sie mit ihm stand , in langen und seligen Zügen genoß und die aus diesem innigsten Behagen fließende Sorglosigkeit wieder eine » Läuterung « nannte ; wie Sie wollen , Egon , aber gewöhnen Sie sich nur an das Unabänderliche ! Lassen Sie Allegorieen , die Sie mit sich selber anstellen , diese hypochondrischen Parallelen , die Sie zwischen Ihrer Aufgabe , Ihrer Zeitauffassung und Ihrer persönlichen Lage ziehen . Warten Sie ab , was kommt ! Mit dem Stolze , den Sie auf Ihren Namen haben dürfen , sind Sie gewappnet gegen jede Anmaßung , jede zweideutige Einmischung in Ihre Existenz . Ist Ihnen der Gedanke lästig , ist die Nähe dieses Mannes Ihnen störend an sich , so könnten Sie ihn ja entfernen . Oder glauben Sie , daß seine Verwaltung - Ich gebe sie ungern auf , fiel Egon ein , allein ich opfre lieber mein ganzes Besitzthum , als in diesem geheimnißvollen , mich drückenden , meine Unbefangenheit störenden Verhältnisse ausharren . Bankier Reichmeyer war auf meinen Wunsch schon in aller Frühe bei mir . Ich will alle meine Besitzungen verkaufen , wenn es irgendwie geht ... Der Entschluß ist rasch , Egon ... Oft erwogen ! Mein Stamm wird aussterben . Für Melanie ' s Zukunft wird sich sorgen lassen ... Ich gebe diesen Besitz auf . Überlegen Sie ! Grade meinen Gegnern gegenüber , die auf den Boden basiren und Steuerbefreiungen haben wollen , geb ' ich mein Besitzthum auf . Ich wäre nicht mehr Minister , wenn wir Allodial- und Majoratsvertretungen in unserm Staatsorganismus einführten , ich verließe Deutschland . Ich will kein Pair des Hofes sein , wenn erst die mittelalterliche Reaktion bis zum Pairsmachen wieder angelangt sein wird ... Eine Unterbrechung störte diese Auseinandersetzung . Pauline wußte , daß Egon von Hohenberg keine Absicht hatte , sich durch Rodewald ' s Rückkehr aus Amerika von seiner Bahn des Ruhmes stören zu lassen . Sie fand ihn so erfüllt vom Standes- und Kastengeist , wie es ihr in der Ordnung schien . Für die Sentimentalität der Mutter war hier kein Raum gegeben . Trotz ihrer schönen Redewendungen über lange Abend- und kurze Mittagsschatten , trotz ihrer melancholischen Schleier , die sie auf ihre jüngere , richtiger mittlere Lebensepoche warf , hätte sie nichts dagegen gehabt , wenn der Fürst irgend eine gewaltsame Entfernung seines eignen natürlichen Vaters beantragt hätte . Sie hörte voll Zufriedenheit , daß sich der Fürst begnügen würde , das Pachtverhältniß des Ankömmlings rückgängig zu machen , lobte Egon ' s Entschluß , dies Vorhaben schon innerhalb der nächsten vierzehn Tage in Ausführung zu bringen , bat den Sohn ihrer Liebe , wie sie ihn gern nannte , zur Erörterung so vieler Dinge , die seit der Abwesenheit des Ministers vorgefallen , heute bei ihr wie sonst ohne seine Gemahlin ein trauliches Diner einzunehmen , erhielt die Zustimmung und verließ den Fürsten , an den inzwischen bereits auch schon wieder die mächtige Woge und durch die kurze Abstauung nur stürmischer gewordene Brandung der Geschäfte anschlug , mit vollster Zufriedenheit . Er fuhr zum König , sie ging zu Melanie . Diese war mit ihrer Toilette beschäftigt und unterhielt sich mit ihr nur zum Abschied durch eine spanische Wand . Sie hörte die Bestimmung , daß Egon bei Paulinen äße und öffnete nur , um das schöne unfrisirte Haupt hinauszustrecken mit der leise geflüsterten Frage : Wurde von ihm gesprochen ? Von wem ? Dem Gefangenen ? Beste ! Das muß seinen Lauf gehen . Diesem Glücklichen winken so viel Lebensfreuden , blühen so viel große Hoffnungen , daß ihm für seine geheime Verbindung eine Haft von einem oder zwei Jahren - ich kenne das Strafmaaß für Verschwörungen nicht - keine so grauen Haare machen wird , wie er und das Treiben seiner Genossen schon dem Fürsten gemacht haben . Damit , fast strafend , ging die große , schlanke , stolze Frau von Dannen . Die Fürstin aber drückte die Tapetenthür zu , vollendete ihre Toilette und benutzte die nun bis spät gegen Abend dauernde Abwesenheit des Fürsten zu ihrer liebsten Erholung . Durch Dorette Wandstabler , die sich ihr , mit klugem Takte , unbedingt ergeben hatte , ließ sie in einem der kleinen Kabinette des Gartensalons heizen , eine ausgezeichnete Tafel zu drei Couverten herrichten und die Eltern , die so theuern , so geliebten Eltern für heute zu sich einladen . Nach einer halben Stunde schon wußte sie , daß die Mutter , schmollend , wie seit der ganzen Heirath , da Melanie keine » Ehepakten « dulden wollte , nicht kommen würde , aber der Justizrath , hieß es , würde kommen ... Schlurck kam . Es war