Brüdern , die er glücklicherweise allein fand ... Er bedeutete sie , leise und unbemerkt mit dem Priester und dem Sakrament zum Lager des Kranken zu treten ... Dann ging er ins Nebenzimmer , aus dem die wildesten Weherufe der Frauen erschallten ... 8. Vier Personen traf Bonaventura , die wol die größten Gegensätze der Charaktere und der äußeren Erscheinung bildeten ... Olympia , die jetzt Dreißigjährige , in Reisekleidern ... Die Herzogin von Amarillas , eine weißhaarige Matrone - redend gegen die verschlossene Thür , ja an ihr - mit den Nägeln kratzend ... Graf Hugo , der die Herzogin von Amarillas , nachdem sie ihm als Angiolinens Mutter bekannt war , heute zum ersten male sahe ... Die reine , nur in der Hoheit ihres Schmerzes strahlende Paula trostspendend und versuchend die Frauen zu beruhigen ... Olympia ging , wie die Löwin im Käfig , auf und nieder ... Schmerz , Reue , tiefbeleidigter Stolz kämpften in ihren Mienen ... Reue - denn sie hatte seit einigen Jahren mit Benno in Streit gelebt , hatte ihm , als er ohne sie nach Rom gegangen war , Lebewohl für immer gesagt ... Die kleine Gestalt war bewegt von Athemzügen , die ihr mächtig die Brust hoben ... Ihre seidnen Gewänder rauschten ganz schrillenden Tones ... Die Herzogin , ohnehin von der Reise erschöpft , sank zitternd , beengt von den Umgebungen , auf einen Sessel ... Sie blickte auf den Grafen , auf die Thür ... Ihr ganzes Benehmen drohte mit einem Ausbruch von Irrsinn ... Der Graf mußte sich mit Paula beschäftigen , die keine Kraft besaß , diesen wilden südlichen Leidenschaften , denen , wie man deutlich ersah , Benno ' s Kraft schon in Paris und London hatte erliegen müssen , länger die Spitze zu bieten ... Noch ahnten die Ankömmlinge nicht die Ablehnung Benno ' s ... Sie jammerten nur um die lange Verzögerung , die Vorbereitung des Todkranken auf ihr Erscheinen ... Sie wußten doch , daß Armgart von Hülleshoven am Krankenlager war ... Olympia kannte diese als Benno ' s Jugendliebe ... Ihre Mienen glichen dem elektrischen Leuchten eines dunkeln Gewölks , das ein Ungewitter birgt ... Als die Herzogin und die Fürstin Bonaventura eintreten sahen , stürzten sie auf ihn zu , warfen sich ihm an die Brust , umklammerten sogar sein Knie und beschworen ihn , sie wissen zu lassen , wie es ihrem Cäsare erginge ... Sie wollten den Geliebtesten sehen ... Graf Hugo und Paula traten in die vorderen Zimmer ... Sie sahen am Benehmen des Erzbischofs eine feierliche Bewegung des Ueberlegens , eine ernste Entschlußnahme ... Wohl kannten sie die Strenge , deren sein sonst so mildes Gemüth unter Umständen fähig war , kannten die ganze Aufrichtigkeit , mit welcher in solchen Lagen selbst der Schein der Grausamkeit von ihm nicht gescheut wurde ... Meine Damen ! begann er in italienischer Sprache ... Welches traurige Wiedersehen ! ... Tröste Sie wenigstens die Gewißheit , daß mein edler Freund in den Armen von Menschen weilt , die ihn lieben ... Mehr , mehr , als wir ? ! - Als wir ? ! - Lassen Sie uns zu ihm ! riefen beide Frauen zugleich und wie im Ton der wildesten Eifersucht ... Erfüllen Sie mir eine Bitte , sprach Bonaventura ... Die Augenblicke des Geliebten sind gezählt ... Er stirbt ? ... riefen beide zugleich und die Mutter brach in ein krampfhaftes Schluchzen aus ... In wenig Stunden ist seine edle Seele hinüber ... Lassen Sie ihm die Ruhe - die jetzt um ihn her waltet ... Eben versieht ihn - die Hand des Priesters ... Ohne mich , ohne - sein Weib ? - fiel die Fürstin ein ... Sie konnte nicht ganz ihre Rede vollenden ... Ein strafender Blick traf sie sowol aus dem Auge des Erzbischofs , wie aus dem des Grafen , der die Thür zuzog ... Dem Grafen war die Wiederbegegnung mit diesen Frauen eine so aufregende , daß Paula jetzt ihn beruhigen mußte ... Angiolinens Tod , der Ritt Olympiens durch den Park von Schloß Salem stand vor seinen Augen ... Die Herzogin war im Casino damals anfangs seinem Schmerz theilnehmend verbunden gewesen - die Zeit , die Ueberlegung , die Beurtheilung des Preisgebenkönnens ihrer Kinder hatte die freundliche Stimmung des Grafen von damals verändert ... Beruhigen Sie sich beide , sprach der Erzbischof , ich achte die Ansprüche , die Sie auf den letzten Händedruck des Freundes haben - ... Meines Sohnes ! verbesserte die Herzogin und richtete ihr Auge auf die Thür , die zu den nach Benno ' s Lager auf andrem Wege führenden Zimmern offen stand und jetzt von Bonaventura geschlossen wurde , indem er sprach : Nehmen Sie an , Sie hätten für immer von Ihrem Sohne Abschied genommen - ... Für immer - ? - riefen beide Frauen und Olympia fügte mit gellender Betonung hinzu : ... Er will uns nicht sehen - ? ... Bonaventura schwieg ... Die Mutter blickte wie geistesabwesend um sich ... Dann schien sie nachzudenken , welche Empfindungen ihren Sohn zu dieser Erklärung hätten bestimmen können ... Endlich raffte sie sich mit leidenschaftlichem Entschluß auf und wollte an die Thür des Bibliothekzimmers ... Der Erzbischof vertrat ihr den Weg und wollte jedes störende Geräusch verhindern ... Herzogin - ! ... sprach er fest und bestimmt ... Dann seine Stimme mildernd und auf die der Herzogin sich anschließende Olympia blickend , begann er : Geben Sie diese Beweisführung Ihrer Liebe auf ! ... Niemand zweifelt daran ! ... Aber der letzte Augenblick eines Sterbenden , sein letzter Wille sei Ihnen heilig ... Vereinigen Sie Ihre Klagen mit den unsrigen , weinen Sie mit uns - ! ... An seinem Bett wacht die Liebe seiner Freunde - ... Lassen Sie ihm die stille Ruhe des Abschieds vom Leben ... Er entschläft - in Gott ... Er bat nur um Eines - um - ewige Ruhe ... Welche Liebe ? wandte sich jetzt Olympia mit