einmal in der Kammer nach drei schlaflosen Nächten plötzlich ein Riesenbild im Dämmerlicht auftauchen zu sehen glaubte , einen Teufel in rother Tracht , der auf ein Wappen zeigte , wo Fuchs und Löwe sich begatten und dabei sprach : Wir zeugen die Legitimität ! Um Gotteswillen , rief Pauline , Egon , was haben Sie ? Sie sprechen irre ! Geben Sie mir Ihre Hand ! Ich klingle ... Egon wehrte Paulinen ab . Ohne sich zu beruhigen , fuhr er fort : Ich spreche meine Qualen aus . Lassen Sie mich reden ! Wüßten es Alle , es würde mich erleichtern ... Hohenberg ! Pauline hatte soviel Aufregung an dem Fürsten selbst an jenem schrecklichen Abende nicht gesehen , wo er ihr das Testament seiner Mutter abgezwungen ... Wie ist das Leben so toll zusammengesetzt , fuhr er fort , wie ist man Seiltänzer zwischen Wahnsinn und Verbrechen , Lüge und Fratze und Jeder gibt seine Narrheit für Wahrheit aus . O Pauline , überzeugt sein von dem Richtigen und verhindert werden es auszuführen ! Ich kann mir die Thaten des Tiberius , des Philipp von Spanien und der Alba ' s erklären . Ja , ich verstehe , was es heißt : Alles zerstampfen lassen , zertreten diese Widersprüche , die uns an jedes Dummen Meinung binden , der sich Mensch nennt und deshalb geschont sein will ! Was bleibt zuletzt denn übrig ? Ich kann die Schädelkränze begreifen , die die Paläste der orientalischen Dynasten schmücken . Man muß ja grausam sein , wenn man nützen will ... Pauline war sprachlos . Sie hatte oft bemerkt , daß Egon von Hohenberg in allmäliger Folge seiner Berufung zum Minister eines großen tonangebenden Staates schon Anfälle von Geisteserschütterungen , von förmlicher Seelenstörung gehabt hatte . Sie hatte sich in Egon ' s Interesse von Drommeldey warnen lassen . Die Pathologie des Genius , sagte dieser oft zu ihr , bietet die schaudervollsten Erscheinungen . Ich bitte Sie , Geheimräthin , suchen Sie diesen Vulkan zu mildern . Er will durch sein Feuer die Welt zerstören ; er wird sich zerstören ! Denken Sie an Castlereagh , der sich das Leben nahm , an Canning , der an den Folgen seiner aufgeregten politischen Leidenschaft so früh starb ! Pauline that auch seitdem Alles , was Egon nur beschwichtigen konnte . Aber dies Auftauchen eines Todtgeglaubten ! Dies dreiste , rasche Eingreifen Rodewald ' s in das nächste Schicksal seines Sohnes ! Sie entgegnete , um die wahre Ursache der Aufregung des Fürsten zu mildern : Rodewald kann nicht geglaubt haben , daß die Fürstin von der Erde nicht hat scheiden wollen , ohne das Maaß der tiefsten Erniedrigung mit sich zu nehmen . Er hat Hohenberg gesehen , den Leichenhügel Amanda ' s , er hat in der Nähe dieser Erinnerungen bleiben wollen aus Liebe für Sie , Egon ... Der Teufel ! schrie Egon . Liebe für mich ? Ich erwidre diese Liebe nicht . Ich würde , wenn ich ihm begegnete , nicht den mindesten Schauer von Ehrfurcht empfinden . Ich finde seine Handlungsweise , wie schön sie die Mutter auch zu entschuldigen wußte , von seiner Seite verbrecherisch unter allen Umständen und vollends - Sie sagen , er würde das Geheimniß ehren ? Finden Sie darin Diskretion , daß er sich so dicht , so unmittelbar ohne Weiteres schon an meiner Existenz niederläßt ? Pauline ergriff die Hand des Tobenden und zog ihn zu sich nieder . Sie suchte den Sturm seiner Empfindungen zu mildern ... Egon , sagte sie , am Abend , wenn die Sonne sinkt , werfen die Menschen und die körperlich irdischen Dinge Schatten über die Erde , riesengroß , erschreckend anzuschauen . In der Mittagshöhe sind die Schatten klein , geringer als sie sollten , lügnerisch , schmeichelnd unsern Fehlern , Alles verkürzend und vermindernd . Ach , mein junger Freund , ich wünsche oft , ich hätte die Abendschatten schon in meiner Jugend gesehen , dem Alter würden die Riesenschatten jetzt wie die der Zwerge erscheinen . Aber dennoch , wenn wir nur Eines , nur irgend ein uns ganz beglückendes Streben noch am Abend des Lebens erreichten , legt sich allmälig die Furcht vor Menschlichem . Nennen Sie meinen Zustand , wie Sie wollen , ich bin ruhiger geworden , ich könnte Rodewald begegnen und ihm die Hand bieten zur Versöhnung ; ich könnte mein ganzes vergangnes Leben wie ein in Falten gelegtes Tuch grade ziehen , ich könnte segnen , wo ich einst fluchte , wenn nach dem Fluche unsrer Thaten nicht jede Reue zu spät käme . Ja , ich bereue meine Verblendung , meine Hast , meine immerwährende fieberhafte Sucht nach Bewährung meiner selbst und Erlebniß durch Andere ; nein , ich entschuldige nicht Alles , was auf meinem Herzen lastet ... ach , Egon , seit ich glücklich bin im Bunde mit Ihnen , möcht ' ich viel Gutes thun , alte Wunden heilen , alte Versäumnisse nachholen . Es ist aber gut , daß ich es nicht thue , mein eignes zerflossenes Gemüth nicht in den Dingen selbst , denen es sich nähern möchte , auch voraussetze ; es gäbe nur neue bittre Erfahrungen ; denn nichts rächt sich mehr , als wenn wir da gut sein wollen , Egon , wo einmal vorausgesetzt worden ist , daß wir schlimm sind . Was red ' ich Ihnen ? Was will ich ? Ich möchte Sie bestimmen , gleichgültig zu sein . Ich möchte aus den langen Schatten des Abends und den kleinen Schatten des Mittags die Lehre ziehen , daß beide unwahr sind , nichts uns übermäßig sorglos , nichts uns übermäßig schreckhaft stimmen soll . Gott , Gott , könnt ' ich mir die Vergangenheit zurückrufen und meine vergangenen Thorheiten durch diese im Alter gewonnene Philosophie ungeschaffen machen ! Was wollen Sie so verzweifeln , so tief auf den Grund aller Dinge sehen , so sich von Ungeduld verzehren , daß nicht Alles