zu sein ... Er nahm den Grafen bei Seite und flüsterte ihm , während Benno in ekstatischer Begeisterung : » Einmal - eh ' - sie - scheiden « , sprechen wollte und auf Armgart als die » letzte Freude « seines Lebens deutete ... Dieser Taumelkelch des letzten Entzückens sollte entweder zu hoch aufschwellen oder sich bitter - vergällen ... Bonaventura berichtete laut die eben gemeldete Ankunft eines sechsspännigen Reisewagens , der , mit einigen Damen besetzt , sofort am Portal des Hauses angefahren wäre ... Die eine der Damen , die ältere , wäre schon in den Vorzimmern - während die andere noch im Wagen verweilte ... Armgart erhob sich ... Eine Todtenstille trat ein ... Auf Bonaventura ' s Lippen lag die Ergänzung des Berichtes : Die Fürstin Olympia - und die Herzogin von Amarillas ... Alle blickten auf Benno , ob er gehört hätte - ... Das - Sakrament - ... sagte er leise ... Die Umstehenden , zu denen sich jetzt in höchster Angst auch Paula gesellte , glaubten , daß Benno die Worte des Erzbischofs nicht verstanden hatte ... Deine Mutter ist da ... Bereite dich , sie zu empfangen ... wiederholte Bonaventura mehrmals und dicht an seinem Ohre ... Schon vernahm man eine wehklagende Stimme in der Nähe , der sich die Stimmen der Mönche gesellten , die nach vorn gegangen waren und die plötzliche Bestürmung des Kranken hindern wollten ... Paula und der Oberst gingen schleunigst , um ihre Bitte zu unterstützen ... Bonaventura hielt den Freund in seinen Armen , der mit Geberden , die denen eines flehenden , fiebergeängsteten Kindes glichen , ihn ansah und sprach : Die besten Jahre - meines Lebens hab ' ich ihnen - geschenkt - Der Tod - sei wenigstens mein und - sei euer - Laßt mich - von ihnen - frei ... Fort ! Fort ! ... Beide ! - Beide - ! ... Eiligst war der Graf an die Thür , welche in die Bibliothek führte , getreten und hatte diese verriegelt ... Benno sah diese Handlung , dankte mit zitternd ausgebreiteten Händen , sah flehend in Bonaventura ' s Augen krampfte sich um seinen Hals wie ein Schutzsuchende , wie ein Verfolgter , und wiederholte sein erschreckendes , wie Gespenster verscheuchendes Fort ! Fort ! ... Bonaventura , ohne Fassung , that jetzt nur alles , was Benno ' s nächsten Wunsch unterstützen konnte , verriegelte auch noch die zweite Thür , die in jenes Cabinet führte , in welchem die Mönche sich aufgehalten hatten und jetzt der Priester mit dem Sakrament harrte ... Im Bibliothekzimmer wurde es still ... Bonaventura bat wiederholt , die Mutter und die Freundin nicht abzuweisen ... Rufe den Priester - entgegnete Benno - Ich kann - nicht mehr - italienisch - sprechen ... Armgart - mein Cherub ! Helft , helft mir - ! ... Fort ! - ... Und - Beide ! - ... Du wirst leben , Freund ! betheuerte Bonaventura , in der That noch in Hoffnung auf die große Kraft , die soviel Erregungen zu ertragen fähig war ... Wie könntest du bei diesem Entschluß verharren ? ... Ich riß mich - von meinen - Fesseln los und gelobte , sie - nie wieder - anzulegen ! ... Ich sehe dich , Schwester - ! ... Mag die Selbstanklagen , die wilden Worte nicht - hören ... Friede ! - Friede ! - Friede ! ... Mein - Gefühl für diese Mutter war - wie der angesammelte Schatz meiner unerwiderten Liebe zu allen Menschen der Erde ... Was hab ' ich ihr - nicht alles hingegeben ... Als diese heiligen Flammen verloderten , sah ich nur die Asche - Berechnung - Eigenwille - List , Rache , Haß ... Hab ' s - lange ertragen - ... Abgerechnet - nun mit - ihr und - ihrem Schatten - ... Stille - nur Stille - um - mich her ... Ich - ersticke - noch - vor - südlicher - Luft - ! ... Bonaventura und Armgart erbebten ... Sie sahen zehn Jahre eines Lebens voller Qualen , eines Lebens ohne Willen , eines Lebens der Gebundenheit und eine furchtbar ausbrechende Reue ... Wie sollten sie helfen - ! ... Eben mußte auch die Fürstin heraufgekommen sein - Wieder wurde es im Bibliothekzimmer unruhig ... Man hörte das Schluchzen und laute Reden italienischer Frauenstimmen ... Benno bat mit stummem Blick , die Thür nicht zu öffnen ... Die Kraft seines Blicks stand in wunderbarem Contrast mit dem ersichtlichen Zunehmen seiner Schwäche ... Ich will gehen , Freund ... sprach Armgart athemlos ... Laß ' sie ein , sie , denen du jahrelang ihr Glück gewesen bist ... Benno hielt krampfhaft ihre Hand fest und ebenso die des Erzbischofs ... Die Frauenstimmen verhallten wieder und nun sagte Bonaventura , er wolle gehen und sie beruhigen , Benno würde inzwischen selbst auf einen andern Entschluß kommen ... Nein ... Nein - ! ... sprach dieser und fuhr in kurzen Unterbrechungen fort : Priester ! ... Wenn der letzte - Wunsch eines - Sterbenden - dir heilig ist , bewahre mich vor diesen Klagerufen ! ... Die Todten - hören noch lange - hören die Klagen um - ihr - Abscheiden ... Angiolina , auch du vernahmst - den Ruf der Mutter - ! ... Abgerechnet - Stille - Stille - wie im Walde - die Blätter - rauschen - an unserm - schönen - Strom - Armgart ! - Laßt - - mich - ... Im Hinblick auf Hüneneck , Drusenheim und Lindenwerth schien sein Bewußtsein zu erlöschen ... Erschöpft sank Benno in die Kissen zurück ... Bonaventura fragte Armgart , ob sie die Kraft behalten würde , eine Weile allein beim Freunde auszuharren , bis er den Vicar schicken würde ... Armgart verneigte bejahend das Haupt ... Bonaventura verließ durch die hintere Thür das Zimmer , machte einen Umweg durch mehrere der Gemächer und kam in den Empfangssaal zu den Aerzten und den