blickte bewegt der Eilenden nach . Sie kannte keinen Zusammenhang , suchte ihn auch nicht , forschte auch nicht . Sie begnügte sich , einen schönen vollen Blumenstrauß , den ihr eben Dorette Wandstabler hereintrug , in zwei Hälften zu theilen und die größere sauber mit einem Bändchen zu umwickeln , sie in einen feinen Briefbogen zu hüllen und in die Komthurei als Morgengruß an ihre Eltern zu schicken . Den Rest betrachtete sie voll Nachdenken . Sie mußte sich Selma ' s Rodewald erinnern , die sie ein einziges Mal flüchtig als Knaben gesehen hatte . Sie mußte der Freude gedenken , die dies Mädchen empfand , als sie bisher im Ullagrund Dankmar vor Gefahren schützen konnte , des Schreckens jetzt , wenn sie in Tempelheide das Schicksal des Geliebten erfuhr . Sie mußte sich sagen : Ich bin eifersüchtig auf ihr Glück und ihr Unglück . Egon aber kam Paulinen schon auf halbem Wege entgegen . Sie brauchten sich nichts zu sagen . Beim ersten Blick wußten sie , was sie in dieser Stunde zusammenführte . Sie zogen sich , Reichmeyer war gegangen , in das entlegenste Kabinet zurück . Dort erzählte Pauline , wie sie erst vor wenig Tagen von den Vorfällen auf Tempelheide wäre unterrichtet worden , wie sie erst von Gerüchten die Ankunft einer Enkelin ihrer Schwester , dann durch die Nachforschungen der Ludmer den genauesten Zusammenhang in Erfahrung gebracht hätte . Jener Ackermann , der des Prinzen Güter mit unbestreitbarem Glücke zu bewirthschaften begonnen hätte , wäre Rodewald ! Ihr wär ' es gewesen , als öffneten sich die Gräber ! Aber , fuhr sie fort , Rodewald ein Ökonom , ein Schaafzüchter , ein Wollhändler , ich mocht ' es nicht glauben . Dennoch ist es so . Ich bin gefaßt , Egon . Aber Sie ? Ein Blick auf Egon zeigte ihr dessen tiefste Erschütterung . Er hatte die Hand auf die Sophalehne gestemmt und stützte das bekümmerte Haupt ... Pauline fuhr fort hastig zu erzählen , von Selma , von dem Glück der Schwester , von dem Antheil , den alle Cirkel an dem Vorfall nähmen . Egon erwiderte immer noch nichts . Er kannte alle Persönlichkeiten , die Pauline erwähnte , setzte sich aus ihren Verwickelungen ihre Verhältnisse und gegenwärtigen Situationen zusammen und ließ Pauline reden , die sich neben ihn auf das Kanape setzte und gespannt lauschte , welche Entschließungen sich auf seinem Antlitz kenntlich machen würden . Man erzählt sich , fuhr sie fort , wie die Mädchen Selma und Olga sich und ihre nahverwandte Neigung zu den beiden Wildungen erkannten . Im Tannenpark auf Tempelheide hängen Äolsharfen . Eine überraschte die Andre öfters unter den melodischen Klanggrüßen aus unbekannten Luftreichen . So wußten sie bald , daß in ihren jungen Herzen gleiche Flammen schlugen , gleiche Sehnsucht sie in ' s Weite und Unendliche zog . Nun tauschten sie ihre Ideale aus und nannten sie nicht . Im Scherze aber beschrieben sie sie und da Olga eine Malerin ist und Selma von allen Talenten ihres Vaters auch das einer raschen Handhabung des Crayons sich aneignete - auf Reisen welche unschätzbare Annehmlichkeit ! - so sagte Eine zur Andern : Zeichne mir Den , den du liebst ! Und Beide begannen Den zu zeichnen , den sie lieben ! Welch ' ein Schrecken nun , als sie ihre Blätter sich zeigten und eine das Bild des Freundes der Andern getroffen hatte ! Die erste Angst und Überraschung löste sich in Jubel auf , die Neuverbundenen liefen zu Anna , machten sie zur Vertrauten ihrer Neigung zu zwei sich ähnlichen Brüdern und die böse Welt zischelte schon gestern , daß es nun kein Wunder wäre , wenn die juristische Logik des alten Präsidenten eine Entscheidung des Prozesses befördert hätte , die einer Komtesse , wie Olga , statt des Narren Dystra die Hand eines plötzlich wie in Tausend und einer Nacht bereicherten Künstlers böte . Kurz , alle diese Menschen , schloß sie , kennen sich , alle treten sie in Wechselwirkungen und ziehen um uns Beide geheimnißvolle Kreise zu Zwecken , die wenigstens bei Rodewald noch ganz im Dunkeln liegen . Diese mit der Andeutung einer bedenklichen Gefahr betonten Worte schnellten den Fürsten , der nur halb zugehört hatte , empor . Nein ! rief er ; ich sollte dies elende Leben führen und vor der Enthüllung eines illegitimen Ursprungs zittern ? Tollkühne , verbrecherisch-leichtsinnige Menschen , die mir das Leben gaben , sollten mich im Wirbel kreiseln , willkürlich wie Spreu im Winde jagen und hetzen können ? Dies Ich , dies festgewurzelte Ich , sollte unterwühlt werden dürfen von Menschen , die mich wie einen ihrer Gnade Überlieferten über dem Wasser hielten und drohend ausriefen : Ich kann dich jetzt , wenn ich will , fallen und ertrinken lassen ? Egon ! unterbrach Pauline ... Ich spreche nicht von Ihnen . Ich spreche von diesem Revenant Rodewald , der mich mit dem Blicke eines Dämons betrachten wird , als gehörte ich ihm ! Wüßte er , wie ich im Grunde ihn haßte ! Und kann ich ihm sagen , was ich so über ihn fühle ? L ' amour dans la haine ? sagte Pauline forschend . Aber Egon erwiderte : Liebe ? Ich will die Sitte , das Gesetz , das ewig Bindende der Tradition im großen Ganzen vertheidigen und soll in mir selbst den Makel der nagenden Lüge fühlen ? Ich soll die Karikatur eines Jahrhunderts spielen , das sich auf den ewigen Zusammenhang der Zeiten , den wellenförmig gleichen Strom der Überlieferung beruft und in sich selbst nur Lüge bärge ? Mitten auf der Tribüne , wenn ich von der Bedeutung des Adels , wenn er recht verstanden wird , spreche , wird mich ein innerer Fieberfrost schütteln und eben wenn ich von Quadersteinen und der grandiosen Architektur der Sitte und des Gesetzes reden will , umtanzen mich tausend Larven , äffen mich und rufen mir den Abend zurück , wo ich schon