überwältigt , verlor den Verstand ... Die Verwirrung seiner Gedanken hellte sich erst allmählich auf ; doch beherrschte ihn ein räthselhafter Zustand , welchen er nicht bewältigen konnte ; er redete in der Irre und wußte es , daß er so redete ; er wußte die Weisheit der Welt , aber er vermochte nicht , in ihr sich auszudrücken ... Endlich meldete er sich am Thor eines Klosters , um als Mönch aufgenommen zu werden ... Die eben neugegründete Regel des Franz von Assisi wies ihn ab , wenn er nicht Beweise seines Verstandes gäbe ... Da zwang er den sich jagenden , fiebernden Gedanken seiner Seele gewaltsamen Halt auf und dichtete , wie zu gleichem Zweck einst Sophokles den Chor » Im roßprangenden Land « , so sein » Stabat mater « ... Nun erhielt er die Aufnahme ... Beweise seines wiedergekehrten Geistes gab er dann ferner genug , gab sie auch im Freimuth seiner Gedichte ... Ueber die Sophisten von Paris schwang er die Geißel seiner Satire ... Dem aus den Felsschluchten der Abruzzen auf den apostolischen Stuhl berufenen Einsiedler Petrus von Morrone , der als Cölestin V. dem verwilderten Rom die Zügel halten sollte , sagte er : » Jetzo kommt an Tageshelle , Was du sannst in stiller Zelle - Ob du Gold , ob Kupfer , Eisen , Muß sich jetzt der Welt beweisen ! « Dante ging einst zu einem Turnier und blieb unterwegs im festlichen Gewande an einer Goldschmiedbude stehen , um eine Spange zu kaufen , die noch seinem Kleide fehlte ... Da sah er ein Buch auf der Lade des Goldschmieds liegen und fing , während die Wagen und Reiter an ihm vorübersausten und der Goldschmied die passende Spange suchte , zu lesen an ... Noch kannte er die Gedichte Jacopone ' s nicht ... Immer mehr vertiefte er sich in die Ergüsse einer verwandten Seele , überhörte die Mahnungen des Goldschmieds , sich zu eilen , und versäumte das Turnier ... Als bereits die Kämpen mit zersplitterten Lanzen nach Hause ritten , stand Dante noch immer in die Pergamentblätter verloren , die ihm der Goldschmied nicht verkaufen wollte ... Lucinde , die Dante nicht leiden konnte , sagte bei Erzählung dieser Geschichte : Da sieht man , wie die Dichter ihre Rivalen lesen ! Mit einem Neid , der ihnen Hören und Sehen vergehen läßt ! ... Paula und Armgart wurden an Benno ' s Lager gerufen ... Armgart beugte sich über den todblassen Mann ... Die Thränen , die ihr sonst versagten - rannen jetzt in Strömen ... Benno mit seinen grauen Locken lag starr und drückte die Augen zu ... Seine Lippen sogen die Tropfen ein , die über seine Wange aus Armgart ' s Augen rieselten ... Daß es Armgart war , die so weinte , wußte er ... Er wußte auch , daß Paula in der Nähe stand ... Allmählich trat eine Todtenstille ein ... Des Sterbenden Stimme erhob sich wieder , aber die Worte , die noch verstanden wurden , gaben den Entfernterstehenden keinen Zusammenhang ... Nur Armgart , die sich dicht über ihn beugte , verstand allmählich : Armgart - nordische - kalte - Maid ! ... Lebe ! Lebe ! rief Armgart und küßte die Stirne Benno ' s , strich die grauen Locken vom perlenden Schweiße zurück und weinte so heftig , als wollte sie jetzt die Beweise ihrer Herzensglut nachholen ... Einst - warnt ' ich dich - vor - deiner Zukunft , Mädchen ! ... Ich - - Thor - ! ... Die Worte , die noch folgten , blieben auch Armgart nicht vernehmlich ... Der Graf trat näher ... Paula wandte sich erschüttert zum Vorzimmer ... Indessen war Bonaventura eben eiligst abgerufen worden ... Auch Armgart wollte sich erheben und zurücktreten ... Der Sterbende ließ ihre Hand nicht frei ... Armgart starrte Alledem mit Blicken , die dem Grafen Sorge um sie selbst einflößen mußten ... In ihrem Antlitz lag eine ihrer ganzen Natur fremde , fast wilde Geberde ... Unser - guter - Thiebold ! sprach Benno ... Schreib ' s - dem besten - Freund - der Erde - ... Auch - Du - Mit - Bona - ! ... Armgart versprach jeden seiner Aufträge zu erfüllen und setzte mit bitterm Lächeln , ja wie mit prophetischem Schwünge hinzu : Stummes Räthsel der Frauenbrust ! ... Starrer Mund , der nicht reden kann , wenn doch ein Mädchenherz überquellen möchte vom Drang nach helfenden Worten ! ... Lieber erstirbt das eigene Leben in uns , als daß die Lippe zu brechen wäre , die Starrsinn schließt ! ... Ach nur dir , nur dir hab ' ich jeden Gedanken meiner Brust geweiht ! Nur dir jeden Schlag des Herzens - dir hab ' ich gesprochen in öden , sternenlosen Nächten - ... Armgart - ! hauchte Benno und erhob sich - geisterhaft und streckte seinen Arm so aus , daß der Graf , aufs tiefste von diesem freien Bekenntniß der Liebe überrascht , vom Zuspätkommen eines so heroischen Muthes erschüttert , sich zwischen die Umschlungenen drängen mußte ... Benno sah ihn lange und wildfremd an ... Freund - meiner - Schwester Angiolina ! sprach er , wie jetzt ihn erst erkennend ... Bezeuge - was - die - Liebe eines - Weibes - vermag - ! ... Auch in des Grafen Augen traten Thränen ... Bona ! Bona ! wandte sich Benno an diesen , der eben zurückkehrte ... Dann sah er sich fieberhaft um , sah Armgart mit dem zärtlichsten Blick der Liebe an und sank in sein Kissen zurück , die Hand Armgart ' s krampfhaft festhaltend ... Bonaventura kam , durch irgend eine neue Veranlassung sichtlich aufgeregt ... Das Geflüster der Aerzte , die im Nebenzimmer sich befanden , mehrte sich ... Auch verbreitete sich Weihrauchduft ... Der Priester , den Benno begehrt hatte , war in der Nähe mit dem Sterbesakrament ... Aber noch eine andre Ursache schien Anlaß der Erregung des Erzbischofs