Stellungen in der Beamten-Hierarchie emporsteigen lassen mußte . Egon erkannte diese Politik sehr wohl und unterschrieb die Beförderungspatente von Legationssekretären , Subaltern-Offizieren , bisherigen Landräthen , reaktionären Zeitungsredakteuren einst mit einem Worte , das man am Hofe sehr abscheulich fand : Jeder Mensch ernährt mit seinem besten Lebensblut die Würmer , die ihn tödten , die aber dafür auch zuletzt den hohen Genuß haben , an seinem Leichnam sich selber todt speisen zu dürfen . Mit düstrer Verbitterung sich in alles Das ergebend , was sich in seinen Verhältnissen zu den früheren Freunden nun einmal so und nicht anders gestaltet hatte , ging der Fürst gegen zwölf Uhr endlich zur Ruhe . Hatte ihn gleichsam die eigne Schuld Dankmar ' s an dessen Loose beruhigt , hatten ihn wieder die Papiere versöhnt , die er über Ackermann ' s Verwaltung neben seinem Bette liegend fand , er schlief besser als jemals und hörte am Morgen spät erwachend mit ruhiger Gelassenheit , daß der Gefangene schon in aller Frühe in einem Wagen zur Residenz abgeführt war . Er fährt einer Überraschung entgegen , sagte einer seiner in der Frühe mit ihm arbeitenden Räthe , er wird den Prozeß gegen uns und die Stadt vielleicht gewinnen ! Der Generalpächter soll gestern Abend die Nachricht mitgebracht haben , daß zwei kleine Pünktchen in den alten lateinischen Urkunden die Entscheidung herbeigeführt hätten . Ist Ackermann also da ? fragte Egon , trotzdem , daß sich Dankmar bei diesem verborgen gehalten , von der Nachricht seiner Ankunft angenehm berührt . Er hoffte , sich gegen ihn aussprechen zu dürfen . Er hoffte , ihm sagen zu können , daß er seine Nachsicht aus Liebe zu Selma , seinem Kinde , verzeihlich finde . Er hoffte , Versicherung geben zu können , daß gegen Dankmar nur der Verdacht vorläge , Stifter eines geheimen , den Staat bedrohenden Bundes , keiner eigentlichen Verschwörung zu sein ... er hoffte auf eine , seine Brust erleichternde Unterredung mit diesem Landwirth , der ihm unter so vielen Querköpfen , mit denen er zusammenstieß , seit lange die gediegenste und tüchtigste Natur erschien ... Er hatte die Absicht , im Laufe des Tages das Schloß zu verlassen und in die Residenz zurückzukehren , wo seine Gegenwart bei der wühlerischen Unruhe der Königin und ihrer Partei nothwendig schien ... Eine Anfrage an die Fürstin , ob sie geneigt wäre , für heute schon die gemeinschaftliche Rückreise zu gestatten , brachte die Antwort : Mit Freuden ! Egon fühlte , daß Melanie unter Dankmar ' s Schicksal litt . Er wußte nicht , daß sie ihn geliebt hatte , er wußte nicht , wie sie ihm jenes Bild der Mutter erobern half , aber er wußte , daß er ihr werth war und zu seiner Philosophie gehörte es , einem Weibe , das man liebt , nicht die Vergangenheit vorzuhalten . Er hatte Das auch bei Helenen nie gethan und bei Melanie dafür neue Beweise gegeben . Um neun Uhr wollte er die Fürstin sprechen ... es hieß , sie hülfe räumen , einpacken ... Um zehn fragte er ungeduldig , wann denn endlich Ackermann käme ... Um halb eilf kam Herr von Zeisel und berichtete über Dankmar Wildungen und seine ruhige Ergebung in das ihm widerfahrene Geschick . Überraschend war die Mittheilung , daß der Generalpächter schon gestern Abend , als er Herrn von Zeisel mit dringender Theilnahme wegen des Gefangenen im Amthause befragte , die sonderbare Enthüllung über seine Person gegeben hätte , daß er bisher von Verhältnissen gedrungen gewesen wäre , einen andern Namen zu führen , als der ihm eigentlich gebühre . Er bäte davon Act zu nehmen . In der Residenz hätt ' er sich aus Ursachen seinen Verwandten erst jetzt entdecken können und bäte ihn nun ... zu nennen ... aber wie ? Egon fand es sehr in Herrn von Zeisel ' s Art , daß er den zu seinem neuen Befremden erst jetzt angegebenen wahren Namen des Generalpächters nicht behalten hatte . In demselben Augenblicke aber wurde von dem Bedienten der Generalpächter Rodewald genannt , als derjenige , den Se . Durchlaucht jetzt in der That sprechen könnten , er stünde im Vorzimmer ... Wer ? fragte der Fürst und glaubte nicht recht gehört zu haben ... Richtig ! Rodewald ! sagte Herr von Zeisel und gab nun mehrmals den Namen an , der ihm entfallen war . Rodewald ! Der Generalpächter erzählte mir in der Theilnahme für das Geschick seines vermeintlichen Schreibers , den er duldete , weil er seine Tochter liebte , daß er vor dreißig Jahren auswanderte , der Sitten und Beziehungen der Heimath unkundig , nicht ahnend , daß er die Verantwortlichkeit einer Schuld auf sich lade , die auch vielleicht geringer wäre , als sie die Gesetze darstellten ... Welcher Name ? sagte der Fürst fast schon tonlos ... Rodewald ! wiederholte der Justizdirektor . Ich werde die Verdienste und das Genie dieses Mannes nie in Abrede stellen . Er hat sich eine Aufgabe gestellt , die über meine Kräfte gegangen wäre . Es ist ein Kameralist in der besten Bedeutung des Wortes . Nach seinen Mittheilungen glaub ' ich zu schließen , daß diese Übernahme der Güter Ew . Durchlaucht ihm rein eine Sache der Liebhaberei und dabei ein heiliger , ja edler Ernst ist und ich möchte bitten , meinem guten Nachbar das Versehen ... Aber Herr von Zeisel mußte eine eigenthümliche Wirkung seiner freundlichen Rede bemerken . Er sah , daß der junge Fürst schwankte , sich zum Herzen griff , nach seinem Stuhle langte ... Um ' s Himmelswillen , was ist Ihnen , Durchlaucht ? rief der gutmüthige Mann und wollte klingeln . Der Bediente entfernte sich rasch , wollte Wasser holen , rief ohne Zweifel dem wahrscheinlich noch mehrere Zimmer entfernten Rodewald zu , er möchte später kommen ... Der Sekretair des Fürsten begegnete aber dem Bedienten schon und hatte eine Karte in der Hand , die er dem Fürsten von dem Harrenden noch übergeben