seine übrigen Werke den Nachfolgern überlassen zu sollen , daß er sich anbequemte und Gedanken annahm , die eben auch in der konservativen Sphäre die üblichen Allerweltsgedanken waren . Die Freunde , Dankmar an der Spitze , der nun in seine Hand Gegebene , hatten ihm diese Wendung vorausgesagt . Er konnte sie nicht vermeiden , haßte darum aber auch nicht wenig die Urheber dieses Zerwürfnisses mit sich selbst und diese Urheber saßen dicht in der Nähe des Monarchen , buhlten um seine Gunst , waren die tägliche Genossenschaft der auch ihm unzerstörbaren kleinen Cirkel . Der Hof genoß die Ruhe , die Egon dem Lande schaffte , in brusterlösenden , athembefreienden Zügen . Das war eine Seligkeit , so die Gefahren allmälig verschwinden zu sehen , wie verrollende Donner . Die großen Mächte hatten sich wieder gefunden , die Höfe sich ausgesöhnt , die nationalen Reibungen wurden für falsche Deckmäntel der Revolution ausgegeben . Die Monarchen wollten sich unter sich selbst verstehen , sie schlossen sogar die Minister aus und erklärten , wohl zu verstehen , worauf es in Europa ankäme , nämlich lediglich auf ihre Selbsterhaltung . Sie wollten nur Armeen , nur Soldaten , nur Kanonen , nur Orden , nur Geld . Das Übrige , selbst an den ihnen ergeben scheinenden und doch nicht ganz spezifisch geläuterten Staatsmännern , war überflüssig und nicht selten verdächtig . Ganz besonders war es die junge Königin , die genug mit tonangebenden Fürstinnen dieser Zeit korrespondirte , um diese Idee energisch zu vertreten . Es kostete Mühe , wenigstens dem Könige noch den General Voland und seinen weltträumerischen , sentimental haltlosen Standpunkt zu retten . Die Königin verdächtigte Alle , ausgenommen einige Kammerherren , einige Offiziere , einige Präsidenten und Räthe , einige Professoren , einige Zeitungsschreiber . Sie erklärte , daß im Augenblick der Gefahr sich im Grunde Niemand bewährt hätte , und als der König erwiderte : Aber General Voland würde es , wenn er nicht gerade auf Reisen gewesen wäre ! widersprach sie zwar nicht , bemerkte aber , der Staat käme ihr vor wie ein schwankendes Schiff , Alles renne auf ihm hin und her , Jeder wolle helfen und grade von dem Rennen , grade von dem Helfenwollen verlöre das Fahrzeug das Gleichgewicht und schlüge über ; es solle daher nur Jeder ruhig auf seinem Platze sitzen bleiben , dann würden Alle gerettet werden . So konnte sie auch an Fürst Egon zwei Dinge durchaus nicht ertragen . Einmal : seine mangelnde » Sittlichkeit « und zweitens die geringe patriotische Schwärmerei . Grade das Tiefsittliche in Egon , grade das gegen den Hang der Natur in ihm fortwährend Rebellirende verstand sie nicht . Sie wollte die Demonstration der allgemein herrschenden Sittlichkeits-Grundsätze . Sie wollte Kirchenbesuch , Adelsgefühl , die Theilnahme an dem Esprit de corps jenes moralischprüden Wesens , wie man es einmal eingeführt und festgehalten wünschte . Egon paßte in diese Kategorieen nicht . Er besuchte die Kirche nicht , er that nichts für die innere Mission , er heirathete ein schönes , den verschiedenartigsten Urtheilen ausgesetztes Mädchen . Er führte diese Frau zwar nirgends ein , muthete Niemanden zu , ihr zu huldigen , ließ sie nur da gelten , wo man sich ihr zu nähern sich selbst gedrungen fühlte ; aber auch in diesem Stolz lag etwas Verletzendes für die hochgestellten Menschen , die unbedingt einmal nicht wollen , daß sie in irgend einem Vorfall der Welt umgangen , in irgend Etwas unberücksichtigt , vermieden bleiben . Dieser Stolz des Fürsten wurde vollends beleidigend für die Sphäre des Hofes , wenn Egon von Hohenberg gar so that , als wäre der Staat ein Erstes und die Monarchie doch erst ein Zweites und nun gar dies Königshaus wohl selbst erst ein Drittes . Die reaktionäre Wildheit und Blindheit hatte grade umgekehrt nicht nur die Monarchie , sondern grade diese Monarchie , dies Herrscherhaus grade mit seinen Erinnerungen , seinem historischen Gepränge , seinen Wappen und seinen Bannerfarben für das Erste im Staate und den Staat selbst erst als das Zweite erklärt und in einer solchen Ideenwelt stand Egon trotz seiner Demokratenverfolgung , trotz seiner rücksichtslosen Bekämpfung der ihm anarchisch scheinenden Gesellschaftselemente , gradezu wie ein Fremdling da . Und sonderbar , Pauline von Harder hatte Recht , als sie ihm einmal , da er bei irgend einem Anlaß von seinem wahren Vater Heinrich Rodewald gesprochen hatte , erwiderte : Im Gegentheil , Egon ! Sie besitzen ja einen Adelstolz , wie ich ihn bei keinem Marschalk , keinem Harder angetroffen habe ! Sie sind ja das ganze Bild jenes unabhängigen Adelsgeistes , den die Fürsten im Grunde so sehr fürchten , wenn er nicht zu Hofe hält und von der Sonne ihrer Huld sich bescheinen läßt ! Wissen Sie denn , daß Amanda von Bury stolz war und ihren Adel höher hielt als den der Hohenbergs , bis in der That die Fürstenkrone sie ganz verwirrte ? Ihr tiefes Körperleiden , ihre geringen gesellschaftlichen Erfolge untergruben sie . Voll Schmerz und Zorn floh sie auf die ländliche Zurückgezogenheit ihrer Güter und ich kann mir ' s denken , daß trotz aller Selbstkasteiung , trotz alles Beichtbedürfnisses sie eine eigenthümliche Befriedigung darin gefunden hat , Ihnen zu sagen , daß Sie ihr Sohn , nicht der des gefürsteten Grafen Waldemar von Hohenberg sind ! ... Egon lehnte diese Vermuthung , lehnte seinen Adelsstolz ab und nannte sich nur einen Staatsphilosophen , der an seiner eignen Geschichte erkenne , was eigentlich den modernen Staat wurme und an ihm zehre ; es wäre dies das tiefe Gefühl seines eignen innerlichsten Irrthums ! Am Hofe mußte er bei solchen offnen und verschwiegenen Auffassungen längst für einen Grillenfänger gelten , den man nur noch zu schonen hatte . Man schonte ihn , weil man noch keinen Nachfolger hatte und erst allmälig die Menschen , die besonders die Königin ihm aus den Reihen der frömmelnden und servilen Beamten oder der bramarbasirenden Junker gern substituirt hätte , von ihren niedrigen