. Neben ihm im Wagen saß sein junger Befreier ; er hatte Günther ’ s Bitte , sein Gast zu sein , entschieden abgelehnt . „ Ich habe versprochen , Sie frei nach Dobra zurückzubringen , und halte mein Versprechen , mehr verlangen Sie nicht von mir ! “ Das war seine ganze Antwort gewesen . „ Versprochen ? Wem ? “ Günther lächelte . „ Ich kann es mir denken ! Jedenfalls meiner tapferen Hausgenossin Fräulein Reich . Ohne Zweifel war sie es , die Ihnen die Nachricht meiner Verhaftung brachte und Sie zur Rettung anstiftete ; wenn es mir auch unbegreiflich bleibt , wie sie erfuhr , daß die Macht dazu grade in Ihren Händen lag . “ Bruno senkte das Auge . „ Sie irren ! Ich kenne jene Dame nicht einmal . Die Nachricht und der Ruf zur Rettung kamen von – von Ihrer Schwester . “ „ Von Lucien ? “ rief Bernhard mit unverstelltem Erstaunen . „ Hat sich das Kind in diese ernste Sache eingemischt ? Wie in aller Welt – “ er schwieg plötzlich , denn die Flamme , welche [ 240 ] schon einmal den Prälaten so bedenklich gemacht , schlug wieder hell auf in dem Antlitz des jungen Mannes , und auch in Günther ’ s Kopf begann jetzt eine Ahnung aufzudämmern , aber er sah es an der finsteren Stirn und den festgeschlossenen Lippen Bruno ’ s , daß dieser sich kein Geständniß werde entreißen lassen , und entschlossen , keine Offenheit zu erzwingen , die ihm nicht freiwillig geboten ward , forschte er für jetzt nicht weiter . Dennoch war es ein fast peinliches Nachdenken , das ihm die unerwartete Entdeckung aufzwang . Seine rosige kinderfrohe Lucie und diese düstere vulcanische Natur ! Unmöglich ! Und doch mußte bereits ein Einverständniß zwischen ihnen bestehen , wer lehrte sie sonst im Augenblicke der höchsten Gefahr bei ihm Schutz und Hülfe suchen ? Auch Bruno mochte wohl fühlen , daß er sich verrathen hatte , aber er schwieg beharrlich und so ward die Fahrt meist stumm zurückgelegt . Erst als das Schloß von Dobra vor ihnen auftauchte , wandte sich Günther wieder an seinen jungen Nachbar : „ Sie haben es mir verweigert , mein Haus als das Ihrige anzusehen , und doch hätte ich jetzt unter Allen wohl das erste Recht , Ihnen dort ein vorläufiges Asyl zu bieten . Ihre Rückkehr nach dem Stifte ist mit dem heutigen Tage eine Unmöglichkeit geworden , dies öffentliche Preisgeben der Klosterehre verzeiht man Ihnen nie . Soll ich nicht einmal wissen , wohin Sie zunächst Ihre Schritte lenken wollen ? “ „ Ich wollte für ’ s Erste nach N. zurück , und dann – “ „ Nach N. ? “ unterbrach ihn Günther rasch . „ Um Gotteswillen nicht ! Es liegt noch im Bereich des Stiftes , haben Sie nicht genug an der einen Erfahrung ? Wollen Sie einen zweiten – Unglücksfall abwarten ? “ Bruno schüttelte den Kopf . „ Fürchten Sie nichts , die Verfolgung hat ihren Zweck verloren . Als es sich darum handelte , meinen Abfall zu verhindern , mein Schweigen um jeden Preis zu wahren , da war ich in Gefahr , da konnte man beides nöthigenfalls mit meinem Tode erkaufen ; jetzt , wo der eine unwiderruflich vollzogen und das zweite öffentlich gebrochen ist , jetzt bin ich sicher ! “ „ Auch vor der Rache des Abtes ? Sie führten einen tödlichen Streich gegen ihn , die Worte des Priors haben ihn moralisch vernichtet . “ „ Ich ahnte es beinahe , wie der Elende sich rächen würde ! “ sagte Bruno finster . „ Hätte ich ’ s abwenden können , es wäre geschehen , aber ich mußte den Prälaten dem Aeußersten preisgeben , um Sie zu retten – es ist mir so schwer geworden , wie vielleicht ihm , als er mich preisgab ! “ Bernhard sah ihn mit dem Ausdruck äußerster Befremdung an . „ Ich begreife Sie nicht , Bruno ! So sprechen Sie von dem Manne , der Ihren Tod befahl ? “ „ Er opferte mich seiner Ueberzeugung , wie er seinen Bruder , wie er dessen Sohn geopfert hätte , wären sie ihm feindlich in den Weg getreten . Er kennt eben nur Eins , die Macht und Ehre seiner Kirche , und vor dem Priester muß jede Regung des Menschen nieder in den Staub . Ich kann sein Handeln begreifen , auch wenn ich es verurtheilen muß , und mich wird er in Zukunft nicht mehr angreifen . Mit nutzlosen Verbrechen befleckt sich dieser Mann nicht , er steht eben so hoch über gemeiner Rache , als er von jeher über gemeinem Hasse stand . “ „ Das war wieder einmal der Rhaneck , den man jetzt hörte ! “ In Günther ’ s Stimme klang ein leiser Vorwurf mit durch . „ Sie haben auch etwas von der rücksichtslosen Härte des Geschlechtes , Bruno , das alles niedertreten möchte , wo es sein eignes Wollen gilt ! Sie sind weit mehr der Neffe Ihres Oheims , als Sie je der Sohn Ihres Vaters waren . Wollen Sie dem Prälaten auch die Eingriffe in das Leben Ihrer Mutter verzeihen ? “ Ein Strahl von Haß blitzte wieder auf in dem Auge des jungen Mannes . „ Ihm ? Er hat sie nie gekannt ! Ihm war sie eine Fremde , Eingedrungene in den Namen und Rang seiner Familie , er hatte keinen Schwur zu wahren , keine Gelübde zu halten ; wenn er sie vernichtete , so geschah es mit jener eisernen Consequenz , die nun einmal die Grundlage seines Charakters bildet ; ihn klage ich am wenigsten an . Auf den Gatten , der sein Weib zu vertreten und zu schützen berufen war , und der es statt dessen in solcher Weise preisgab , aus diesen allein fällt der größte Theil der Schuld ! “ „ Haben Sie eine Erklärung mit Ihrem Vater