einfachen , gemüthlichen Fremdenzimmer anders geworden in ihren Lebensansichten und Lebensgewohnheiten – die Stille eines zurückgezogenen Lebens , die sie früher wie ein Gespenst geflohen , heimelte sie jetzt an , und sie blieb ruhig und wunschlos , mochte auch unter ihren Füßen der Gesellschaftstrubel noch so geräuschvoll werden . Das Haus des Kommerzienrates aber war nie geselliger gewesen , als gerade jetzt , nachdem sein Besitzer geadelt worden . Es fanden sich manche neue , sehr willkommene Elemente ein , denen zu Ehren verschiedene Festivitäten arrangiert werden mußten , und darin waren die Erfindungsgabe der Präsidentin und die Börse des Kommerzienrates unerschöpflich . Der Mann hatte ein wunderbares Glück . Nie hörte man von einem Verluste , von einem Mißlingen ; wo die Wünschelrute seines Geschäftsgenies einschlug , da sprudelte die Goldquelle – man schätzte ihn nach Millionen . Und er verstand es , wie selten ein Glückskind , die neue Glorie der Auszeichnung vor so vielen anderen Erdgeborenen zu tragen , sie interessant und zum nie versiechenden Gesprächsthema für Hoch und Niedrig zu machen . Die Promenade vor der Villa Baumgarten war zur fashionablesten geworden ; man zeigte die herrliche Besitzung , die sich Tag für Tag verschönerte , den Fremden ; man sprach von den kostbaren Gemälden und Skulpturwerken , von den seltenen Sammlungen , die der Kommerzienrat unablässig hinter den marmorverzierten Wänden aufspeicherte , von der Silberkammer , mit der sich die des fürstlichen Hofes kaum messen könne ; man blieb gefesselt stehen , wenn eine seiner Equipagen vor dem Portale hielt , und wunderte sich , daß die leichten , aufstiebenden Wölkchen , die der trockene Frühlingswind von den Sandwegen über den Rasen hinstreute , nicht Goldstaub waren . Es wurde fortwährend gebaut ; ganze Strecken des Parkes waren deshalb kaum mehr zu passieren . Man schritt an aufgethürmten Quadern und schneeweißen Marmorblöcken hin , die beim Bau und der Einrichtung neuer Pferdeställe verwendet wurden – die alten , sehr geräumigen waren der Passion des Kommerzienrates für schöne Pferde längst zu eng geworden . Große Berge ausgegrabenen Erdreichs versperrten die Wege – für den sehr umfangreichen See , dem diese Massen Platz machen sollten , war das Terrain nicht günstig ; er und das Palmenhaus , eine beabsichtigte Merkwürdigkeit für die Residenz , verschlangen Unsummen . Zu alledem erschien eines Tages auch noch eine Anzahl Bauhandwerker und machte sich an einem hübschen , großen Pavillon zu schaffen , der bis dahin unbenutzt und verschlossen gestanden hatte . Er lag eine ziemliche Strecke von der Villa entfernt , im Dickicht , aber von seinen oberen Fenstern aus hatte man doch den Blick auf die Promenade und die Stadt . Das zierliche Haus erhielt einen eleganten Anbau ; es wurden neue Fenster mit ungebrochenen Scheiben eingesetzt , und dann und wann zog der Kommerzienrat Tapetenproben oder Zeichnungen für das Parquet aus der Tasche und bat die Präsidentin , auszuwählen . Sie wurde zwar jedes Mal sehr spitz und ungnädig , und Flora kicherte in das Taschentuch , aber wählen mußte die alte Dame doch , und wenn sie auch dabei versicherte , daß die Ausbesserung der alten Baracke sie ganz und gar nicht interessiere , daß sie zeitlebens übergenug für die Instandhaltung der Villa zu denken und zu sorgen habe , und sich nicht auch nochum das „ Logirhaus “ fremder Geschäftsfreunde kümmern könne , welches sie doch niemals mit einem Fuße betreten werde . Sie ignorierte denn auch den Neubau , trotz des beharrlich fortgesetzten und stets herüberklingenden Hämmerns und Pochens , wie nur je die herrschsüchtige Gemahlin eines Regierenden ihren zukünftigen Witwensitz ignorieren kann . Zwischen diesem Trubel , diesem hastigen Beginnen und Vollenden aber kam und ging der Kommerzienrat wie ein Zugvogel . Er verreiste sehr oft in Geschäften , aber nur noch für kürze Zeit , wie er manchmal sagte , dann wollte er sich ein schönes Rittergut kaufen und Landedelmann werden . Hatte er aber einmal „ ein paar Erholungstage “ , dann war er sehr viel in der Beletage ; den Nachmittagskaffee trank er regelmäßig droben , zum großen Aerger der Präsidentin , die dadurch ihr Lieblingsstündchen im Wintergarten verlor – sie war selbstverständlich viel zu aufmerksam , um „ den lieben Moritz “ bei der verdrießlichen Kranken und dem jungen Backfisch allein zu lassen , und brachte das Opfer , stets fast zugleich mit ihm zu erscheinen . Käthe war das sehr erwünscht ; sie empfand nun einmal eine unüberwindliche , beklemmende Scheu vor dem Schwager und Vormunde , seit er sich so wunderlich zuvorkommend und zärtlich ihr gegenüber und dabei so falsch , so heimtückisch bei äußerlich unveränderter Liebenswürdigkeit gegen die Präsidentin zeigte . Sie nahm unwillkürlich die befangene Zurückhaltung der erwachsenen Dame an , wo sie sich früher harmlos kindlich gezeigt hatte . Aber gerade das schien ihn zu belustigen und in seiner seltsamen Art zu bestärken . Er las ihr ihre Wünsche von den Augen ab ; er hatte längst seine Einwilligung gegeben , daß der unbenutzte Theil des Mühlengartens an die Arbeiter verkauft werde – nie setzte er dem Wohlthätigkeitssinne des jungen Mädchens irgendwie Schranken , und war ihre Börse auch noch so oft leer , er füllte sie ohne Widerrede . „ Du darfst Dir den Spaß schon erlauben , Käthe – ich werde bald einen zweiten Eisenspind anschaffen müssen , “ sagte er dabei im Hinblick auf das staunenswerthe Anwachsen des Kapitals . Sie nahm eine solche Aeußerung stets mit finsterem Schweigen auf – er hatte auf ihre ernsten Fragen mit all ’ seinen diplomatischen Wendungen und Finessen die Anklage des Volkes , daß ihr Reichtum auf erbarmungslose Weise erwuchert sei , nicht widerlegen können , auch ließ die Präsidentin keine Gelegenheit vorübergehen , wo sie diesen Vorwurf begründen konnte – das kindlich naive Ergötzen , mit welchem Käthe es früher „ so über alle Maßen hübsch “ gefunden , reich zu sein , hatte sich in eine Art von Furcht und Angst vor den Geldmassen verwandelt , die so riesig , auf so