doch anders , als Sie annehmen mögen , « versetzte der Hofprediger ausweichend . Er trat vom Kamine weg und kam mit zögernden Schritten näher . » Nun wahrhaftig , es hat noch gefehlt , daß auch Sie ablenken . Macht denn der ketzerische Geist dort unter den roten Flechten alle Männerköpfe rebellisch ? Raoul traue ich schon längst nicht mehr « – er biß sich auf die Lippen ; die letzten Worte waren ihm offenbar wider Willen herausgefahren – auf den Hofprediger aber wirkten sie wie ein unerwarteter Schlag in das Gesicht ; mit einem Blick voll zornigen Schreckens nach der Zuhörerin hob er rasch die Hand , als wolle er sie auf den unvorsichtigen Mund des alten Herrn legen . » Ich verstehe Sie nicht , Herr Hofmarschall , « sagte er , in drohendem Warnungstone jedes Wort markierend . » Mein Gott , ich sprach in bezug auf seinen gut katholischen Glauben , « rief der Hofmarschall ärgerlich . Der Mann , um dessen » Glauben « es sich eben handelte , kam in diesem Moment die große , mit den byzantinischen Teppichen belegte Haupttreppe herauf . Liane stand der noch immer offenen Thür gegenüber – der stark beleuchtete Gang , welchen sie übersehen konnte , mündete in dem Treppenhause , das auch in einem förmlichen Lichtermeere schwamm . Auf der obersten Stufe blieb Mainau , noch in seinen dunklen Regenmantel gehüllt , einen Moment stehen . Sah er die hellgekleidete Gestalt seiner Frau inmitten des dämmernden Salons ? Er war jedenfalls im Begriffe gewesen , nach seinen Zimmern zu gehen – jetzt lenkte er sofort in den Gang ein . » Aha , da kommt er ja ! Sehr gelegen ! « sagte der Hofmarschall sichtlich frohlockend bei den sich rasch nähernden , wohlbekannten Schritten – er richtete sich kampffertig im Stuhle auf und rieb sich kichernd die dürren , trockenen Hände aneinander . » Herr Hofmarschall , ich muß Sie dringend bitten , vorläufig noch zu schweigen , « rief der Hofprediger in seltsam gebietendem , halbem Flüsterton , dem man aber doch die Angst anhörte . Aber da stand Mainau schon auf der Schwelle . » Soll ich ' s nicht wissen , Hochwürden ? « fragte er schneidend – sein scharfes , argwöhnisches Ohr hatte den Zuruf erfangen . Durchbohrend glitt sein flammender Blick von dem Geistlichen hinweg auf das Gesicht der jungen Frau . » Ein Geheimnis also – ein Geheimnis zwischen dem Herrn Hofprediger und – meiner Frau , das du nicht verraten sollst , Onkel ? « setzte er mit langsamem Nachdruck hinzu . » Ich muß gestehen , das könnte mich lebhaft interessieren . Ein Geheimnis zwischen einem strengkatholischen Priester und einer › Ketzerin ‹ – wie pikant ! ... Rate ich recht , interessante Bekehrungsversuche , Onkel ? « » Denke nicht dran , Raoul – unser Hofprediger ist viel zu klug und verstandesüberlegen , um sich nicht zu sagen , daß da Hopfen und Malz verloren ist – die Frau Baronin ist ja nicht einmal protestantisch ... Nein , mein Freund , das Geheimnis gehört der Gnädigen ganz allein , und der Hofprediger , der es unfreiwillig belauscht , ist so ritterlich und christlich , sie nicht kompromittieren zu wollen ... Auch ich würde geschwiegen haben – mein Gott , man ist und bleibt ja doch Kavalier – aber was soll ich dir nun sagen ? Mein Kopf ist viel zu unbeholfen und auch zu alt , um rasch ein Märchen zu erfinden – « » Zur Sache , Onkel ! « rief Mainau mit harter , gepreßter Stimme – sein Gesicht mit den krampfhaft nach innen gezogenen Lippen und den wie im Fieber glimmenden Augen war furchtbar anzusehen . » Nun ja doch – es ist rasch erzählt . Du hast den Schlüssel am Schreibtisch stecken lassen , just an dem Kasten , in welchem der Brief der Gräfin Trachenberg lag . Ich muß mich freilich anklagen , die Frau Baronin allzuhäufig mit dem kleinen , interessanten Aktenstück geneckt zu haben , und da hat sie wohl gemeint , es sei doch besser , wenn es eines schönen Tages für immer verschwinde ... Sie war allein hier im Salon , hat den günstigen Zufall benutzt und meinen kleinen Liebling , das hübsche , rosenrote Briefchen in – das Kaminfeuer geworfen – eh , was sagst du dazu ? ... Es war nur sehr fatal , daß ich kurz vorher das Fehlen des Schlüssels bemerken mußte – der Herr Hofprediger erbot sich , ihn mir zu holen , und so hat ihn seine Gefälligkeit zum unfreiwilligen Zeugen des Autodafees gemacht . Als ich , über sein allzulanges Ausbleiben beunruhigt , hier plötzlich eintrat , da stand mein verehrter Freund in sichtlicher Bestürzung noch am Kamin , und die Frau Baronin macht zu spät den Versuch , vor mir zu fliehen ... Sieh ' hin ! Das offenen Schubfach sagt genug . « Die junge Frau , die den drohenden Sturm nun völlig entfesselt auf sich losstürzen sah , ließ jetzt das Taschentuch sinken , das sie an ihre Lippen gepreßt hatte , und trat mit entfärbtem , fast wachsweißem Gesichte ihrem Mann einen Schritt näher . » Lasse das , Juliane ! « sagte er kalt wie Eis , indem er zurückwich und die Rechte , Schweigen gebietend , erhob . » Der Onkel beurteilt die Sachlage von seinem vorurteilsvollen kurzen Gesichtspunkt aus – du hast das Papier nicht berührt – ich weiß es , und wehe dem , der es wagt , diese gemeine Beschuldigung zu wiederholen ! ... Dagegen muß ich mein Befremden aussprechen , dich zu dieser Zeit hier zu sehen – « » Aha – wir gehen von ein und demselben Punkte aus , « lachte der Hofmarschall kurz auf . » Die Theestunde ist noch fern – « fuhr Mainau fort , ohne den Einwurf zu beachten – » bei dieser armseligen Beleuchtung kannst du unmöglich gestickt haben – ich sehe auch