Lothar hinter den Herrschaften in das Empfangszimmer . Die Hoheiten begrüßten ihre Gäste , der Erbprinz nahm Glückwünsche entgegen , dann öffneten sich die Türen zum Speisesaal . Klaudine fand ihren Platz Lothar gegenüber . Sie hatte keine klare Vorstellung , wie das Essen vorüberging , sie antwortete wohl auf die Fragen ihres Nachbarn , sie aß , sie trank , aber es war wie im Traume . Prinzeß Helene , neben Baron Lothar , sprach auffallend hastig und saß dann wieder stumm , zuweilen schauten ihre schwarzen , funkelnden Augen zu Klaudine hinüber , und wenn die seltsam abwesenden Blicke Klaudines sie trafen , ward sie rot und fiel in ihre gezwungene Lebhaftigkeit zurück . Und wie es kam , wer mag es ergründen ? Es schwebte in der Luft , es perlte in den Sektkelchen , es sagten es sich Blicke und Mienen , ein jeder an der Tafel wußte es : dort oben in den fürstlichen Gemächern war etwas vorgefallen , die Herzoginmutter war gekommen , um dazwischenzufahren . Mit dieser idealen Freundschaft hatte es ein Ende , die schöne Gerold saß dort zum letzten Male . Es lag wie lähmend auf allen diesen anscheinend so fröhlich plaudernden Menschen , gleich einem Gewitter , dessen Ausbruch jeder herbeisehnt und doch fürchtet . Endlich , endlich erhob sich die Herzogin . Der Kaffee wurde im anstoßenden Zimmer gereicht . » Ihre Hoheit hat sich zurückgezogen und wünscht Sie zu sprechen « , flüsterte Frau von Katzenstein Klaudine zu . Das Mädchen flog die Stufen empor und den Flur entlang . Nur Gewißheit wollte sie – was hatte sie denn getan , verbrochen ? Die Herzogin saß auf ihrem Ruhebett , den Kopf gegen die Lehne gestützt . » Ich will dich fragen « , begann sie mit verzerrtem Gesicht – dann schrie sie auf . » Jesus – ich – Klaudine ! « und ein Blutstrom ergoß sich aus ihrem Munde . Das junge Mädchen hielt sie in ihren Armen , sie zitterte nicht , sie sprach kein Wort , während die Kammerfrau fortstürzte , um Hilfe zu holen . Der Kopf der Herzogin lag an ihrer Brust , sie war völlig bewußtlos . In der nächsten Minute erschien der Arzt , der Herzog und die alte Herzogin . Die Kranke wurde aufs Bett getragen . Klaudine mit ihrem vor Schreck entstellten Gesicht , mit ihrem blutbefleckten Kleide stand unbeachtet dort . So oft sie auch die Hand ausstreckte zu helfen , niemand beachtete es , niemand schien es nur zu bemerken . » Ist irgend etwas geschehen , was Ihre Hoheit beunruhigte ? « fragte der Arzt . Der Herzog wies auf Klaudine . » Fräulein von Gerold , Sie waren zuletzt bei ihr . Wissen Sie – « » Ich ahne es nicht « , antwortete sie . In diesem Augenblick traf der Blick der alten Herzogin das Mädchen , streng und feindlich . Sie hielt ihn aus , diesen Blick , sie senkte nicht schuldbewußt das Haupt . » Ich weiß nichts ! « wiederholte sie noch einmal . Dort unten begann wieder das Konzert . Der Herzog verließ hastig das Krankenzimmer , um den Fortgang des Konzerts zu verbieten – da stand er Prinzeß Helene gegenüber , noch atemlos von raschem Lauf . Sie war im Garten gewesen , als man ihr die Schreckenskunde zuraunte . Ihre angstvollen Augen sprachen deutlicher , als Worte es vermochten . » Hoheit « , sagte der Arzt , der dem Herzog gefolgt war , » es wäre besser , nach H. zu telegraphieren an Professor Thalheim . Ihre Hoheit sind sehr schwach . « Der Herzog sah ihn groß an , er war bleich geworden . » Nicht sterben ! Um Gottes willen nicht ! « flüsterte Prinzeß Helene , » nur das nicht ! « Entsetzt wich sie zurück , als Klaudine mit blutbeflecktem Kleide heraustrat . In ihrem Zimmer traf Klaudine Beate . » Herrgott , wie schrecklich ! « rief diese , » paß auf , Schatz , nun ist unser Fest schuld daran . « » Ach nein « , sagte das Mädchen leise beim Ablegen der Kleider . » Ängstige dich nicht so , Klaudine , du siehst ja entsetzlich aus ! Dort unten « , fuhr Beate fort , » stiebt alles auseinander . Ich habe die Kinderfrau mit Leonie und Elisabeth tiefer in den Park hineingeschickt . Die Prinzen sind in ihrem Zimmer , der Erbprinz weint zum Gotterbarmen . Wer hätte das auch gedacht ! « » Willst du so freundlich sein und mich in deinem Wagen mitnehmen ? « fragte Klaudine . Beate , die ihren Hut vor dem Spiegel aufsetzte , wandte sich hastig um . » Du willst doch jetzt nicht fort , Klaudine ? Das kannst du nicht ! « » Doch , ich kann , ich will – « » Ihre Hoheit wünscht Fräulein von Gerold zu sprechen « , flüsterte die Kammerfrau durch die Tür . » Nun , siehst du , Klaudine , du kannst nicht fort « , sagte Beate und band die blaßgelbe Schleife ihres Hutes . In der Krankenstube war es still und dunkel . Man hatte alle entfernt , nur im Vorzimmer ging der Herzog mit unhörbaren Schritten auf und ab . Klaudine saß auf einem Stuhl zu Füßen des Lagers , wohin eine Handbewegung der Kranken sie gewiesen hatte . Mit schwachem Flüstern hatte dieselbe sie gebeten , hier zu bleiben , weil sie wichtiges mit ihr zu besprechen habe . Unten in dem Zimmer des Erbprinzen hockte Prinzeß Helene neben dem schlanken Jungen auf dem Teppich , sie weinte nicht , sie hatte nur die Hände gefaltet , als ob sie bete oder jemand um Verzeihung bitten wolle . Prinzeß Thekla befand sich in den Gemächern der Herzoginmutter . Die alte Dame saß völlig erschüttert in einem Lehnsessel , sie hörte kaum auf das , was Ihre Durchlaucht mit leiser Stimme vortrug . Sie war entsetzt