verständnisvoller Blick streifte mich . Ich fühlte , ich war dunkelrot geworden . » Ich glaube zu verstehen « , sagte die Baronin und zuckte mit den Achseln . » Wäre Ruth eine Ahnung davon gekommen , was mir jetzt klar zu werden beginnt , sie hätte dir das Kind nicht gelassen , um keinen Preis der Welt . Ich selbst würde sie auf den Knien darum gebeten haben , es nicht fortzugeben . Oh , daß ich mit der Reise nachgab ! Wären wir doch hiergeblieben , diese Schande hätte nie unsere Familie treffen können ! « » Weiß Gott , Tante « , brauste jetzt Eberhardt auf und stieß unmutig mit dem Fuße an den kleinen Kinderwagen , daß er weit über den Grasplatz rollte und dort in einem großen Päonienbeet steckenblieb , » du machst es mir sehr schwer , in Frieden ober wenigstens in Ruhe von euch zu scheiden . Ich habe die Ehrerbietung gegen dich und den Onkel stets zu bewahren gesucht . Aber diese Reden könnten selbst ein Lamm zur höchsten Wut reizen . Ich bin dir für meine zukünftigen Handlungen auch nicht die geringste Rechenschaft schuldig , deine Familie und die meinige magst du ganz ruhig als vollständig getrennt betrachten , damit du die › Schande ‹ , wie du dich auszudrücken beliebst , von dem Standpunkte einer Unbeteiligten kritisieren kannst . Ich tue , was ich für recht halte , und wenn alle Bendelebens der Welt meine Handlungsweise als eine › Schande ‹ auffassen . Wollte Gott , ich wäre früher schon meinem Rechtsgefühl gefolgt und hätte mich nicht von einem verführerischen Irrlicht in den Sumpf locken lassen . « Er hatte mit lauter , heftiger Stimme gesprochen – Frau v. Bendeleben stand da und zuckte mit keiner Wimper . » Ist deine Rede beendet , oder hast du mir noch etwas zu sagen ? « fragte sie eisig . » Dann mache rasch , ich habe nicht mehr lange Zeit und darf wohl kaum erwarten , daß du Lust hast , nach dieser Auseinandersetzung noch mit ins Schloß zu kommen . « » Allerdings komme ich noch mit ins Schloß « , versetzte er gereizt . » Der On – der Baron v. Bendeleben erwartet mich zu einer Unterredung , und ich wüßte nicht , warum ich sie wie ein Feigling vermeiden sollte . « » Dann bitte ich , mich zurückziehen zu dürfen « , sagte sie ebenso eisig wie vorhin . » Meine Nerven können ohnedies ein solches Wortgefecht nicht vertragen . « Sie schritt , ohne mich oder das Kind anzusehen , den Weg entlang zwischen den Stachelbeer- und Johannisbeersträuchern , äußerlich ruhig – doch ihre innere Aufregung mußte furchtbar sein . Denn als die Spitzen ihres Kleides in einem solchen Strauch hängenblieben , riß sie dieselben so hastig los , daß ein ganzes Stück des prachtvollen Gewebes sitzenblieb . Eberhardt beugte sich rasch zu dem Kleinen und drückte einen Kuß auf seine Stirn , dann sah er mich an und sagte : » Leb wohl , Margarete , du wirst von mir hören . Hab Dank für alle deine Liebe « , und schritt auch hinaus . Was mochte in der Seele dieser stolzen Frau toben und wühlen ? Das Mutterherz lehnte sich auf und wollte nicht an den frivolen Charakter der Tochter glauben , obgleich sich die Wahrheit mit siegender Macht ihr aufdrängte . Sie begann einzusehen , daß doch nicht alles so sein könne , wie man ihr vorgeredet hatte . Sie war eine rechtliche Natur , und das Bewußtsein , vielleicht ungerecht geurteilt zu haben , war ihr ein schrecklicher Gedanke . Das wußte ich , ebensogut wußte ich aber auch , daß die Hindeutung Eberhardts auf meine Person von ihr richtig verstanden worden war , und daß diese Verirrung , wie sie stets die Liebe eines Adligen zu einer Bürgerlichen zu nennen pflegte , imstande war , den letzten schwachen Rest von Zuneigung für mich in ihrem Herzen vollständig zu zerstören . Sie tat mir leid , ich wußte , sie kämpfte schwer – wer konnte ihr diesen Kampf ersparen . Einige Tage nach diesem Vorfall erschien Friedel und brachte mir einen langen Brief von Eberhardt . Es war ein banges und doch wunderschönes Gefühl , als ich ihn in meiner Hand hielt . – Seit langer Zeit wieder ein Brief von ihm . Er schrieb : Margarete ! Dein unvergleichlich edles , gutes Herz gibt mir den Mut , diese Zeilen an Dich zu richten . Ich weiß es , Du hast mir verziehen , hast Dich meines verlassenen Kindes angenommen , ohne mir den leisesten Vorwurf für meine – nennen wir die Sache beim richtigen Namen – Treulosigkeit zu machen . Wäre etwas imstande gewesen , mir mein Vergehen noch schwärzer erscheinen zu lassen , so war es Deine Milde , Dein Erbarmen für mich und mein Kind . Ich danke Dir , Margarete , und bitte Dich zugleich , nimm in den folgenden Zeilen das ganze reumütige Bekenntnis meiner Irrtümer , meiner Vergehen hin . Ich schreibe es Dir , denn ich weiß , wollte ich es Dir mündlich zu Deinen Füßen bekennen , so würde Deine liebe Hand sich leise auf meinen Mund legen , und Deine Augen würden mild versöhnend auf mir ruhen , während Du sagtest : » Oh , ich vergab dir schon lange , ich mag das garstige Zeug nicht mehr hören , was du mir da erzählen willst ! « Das weiß ich bestimmt , denn ich kenne Dein gutes Gemüt . Du würdest mir auf jeden Fall eine Beschämung ersparen wollen , die ich mir nicht ersparen kann , und Du mußt und sollst alles wissen . Es ist nötig für – doch davon später . Gretchen , ich habe Dich geliebt , rein , aufrichtig und schwärmerisch . Du warst eben meine erste Liebe , das ist genug gesagt , das mußt Du aber auch gefühlt haben . Ich war glücklich ,