sehr stolz aussehend und mit einem prächtigen changirenden seidenen Kleide angethan . Ihr dunkles Haar schimmerte glänzend unter dem Schatten einer blauen Feder innerhalb der Umkreisung einer Schnur von Edelsteinen . Die Oberstin Dent war weniger scheinend , doch schien sie mir mehr das Ansehen einer feinen Dame zu haben , als Alle . Sie hatte eine schlanke Gestalt , ein sanftes Gesicht und blondes Haar . Ihr schwarzes Atlaßkleid , ihre Schärpe von kostbaren fremden Spitzen und ihr Perlenschmuck gefiel mir besser , als die Regenbogenstrahlen der betitelten Dame . Aber die drei ausgezeichnetsten Personen – zum Theil vielleicht , weil sie den höchsten Wuchs von der Gruppe hatten – waren die verwittwete Lady Ingram und ihre Töchter Blanca und Maria . Alle Drei waren von der höchsten weiblichen Statur . Die Wittwe mochte zwischen vierzig und fünfzig sein : ihre Gestalt war noch schön : ihr Haar , wenigstens bei Kerzenlicht , noch schwarz , und auch ihre Zähne schienen noch vollkommen zu sein . Die meisten Leute würden sie für das Muster einer Frau ihres Alters gehalten haben , das war sie auch in , physischer Hinsicht ohne Zweifel ; aber es lag ein Ausdruck unerträglichen Stolzes in ihrem Wesen und Gesicht . Sie hatte römische Züge und ein doppeltes Kinn , welches in einen Hals , wie ein Pfeiler , überging : aber diese Züge schienen mir nicht nur von Stolz aufgeblasen und verdunkelt , sondern sogar gefurcht , und nach demselben Grundsatz wurde das Kinn fast übernatürlich ausrecht getragen . Sie hatte auch ein zorniges und strenges Auge , welches mich an das der Mistreß Reed erinnerte ; sie sprach mit vollem Munde ; ihre Stimme war tief , die Betonung pomphaft und gemessen – kurz , ganz unerträglich . Sie war mit einer Robe von rothem Sammet und einem Shawlturban von golddurchwirktem indischen Stoffe , wie sie ohne Zweifel dachte , mit wahrhaft kaiserlicher Würde bekleidet . Blanca und Maria waren von gleicher Statur – gerade und hoch wie Pappeln . Maria war zu schmächtig für ihre Größe , aber Blanca war wie eine Diana gebildet . Ich betrachtete sie natürlich mit besonderem Interesse . Für ' s Erste wünschte ich zu sehen , ob ihre Erscheinung mit der Beschreibung der Mistreß Fairfax übereinstimme : zweitens , ob sie einem Bilde gleiche , welches ich in meiner Phantasie von ihr entworfen ; und drittens – es muß heraus ! – ob sie eine Person sei , sie meiner Ansicht nach dem Geschmacke des Herrn Rochester entsprechen konnte . Hinsichtlich ihrer Person entsprach sie in jeder Hinsicht meinem Bilde und der Beschreibung der Mistreß Fairfax . Die edle Büste , die zierlich abfallenden Schultern , der graziöse Hals , die dunklen Augen und schwarzen Ringellocken waren alle da — aber ihr Gesicht ? — ihr Gesicht glich dem ihrer Mutter ; dasselbe jugendliche ungefurchte Bild , dieselbe niedrige Stirn , dieselben hinaufgezogenen Gesichtszüge , derselbe Stolz . Es war indessen kein so finsterer Stolz , denn sie lachte beständig ; doch ihr Lachen war satirisch , und dies war der gewohnte Ausdruck ihrer gewölbten und übermüthigen Lippe . Man sagt , daß das Genie selbstbewußt ist : ich kann nicht sagen , ob Miß Ingram ein Genie war , aber selbstbewußt — auffallend selbstbewußt war sie in der That . Sie ließ sich mit der sanften Mistreß Dent in eine Unterredung über Botanik ein . Mistreß Dent schien diese Wissenschaft nicht studirt zu haben , obgleich sie sagte , sie liebe die Blumen , besonders die wilden ; aber Mistreß Ingram hatte hierin Studien angestellt , und sie durchlief ihr ganzes Wörterverzeichniß mit gelehrter Miene . Ich bemerkte sogleich , daß sie Mistreß Dent mit ihrer Unwissenheit aufzog : ihr Aufziehen mochte witzig sein , aber es war offenbar nicht gutmühig . Sie spielte : ihr Vortrag war brillant : sie sang : ihre Stimme war schön ; sie sprach allein mit ihrer Mutter französisch . sie sprach es gut , mit Geläufigkeit und gutem Accent . Maria hatte ein milderes und offneres Gesicht , als Blanca , auch sanftere Züge und eine etwas weißere Haut Miß Ingram war dunkel wie eine Spanierin aber es fehlte Marien an Leben : ihr Gesicht entbehrte des Ausdrucks , ihr Auge des Glanzes ; sie wußte Nichts zu sprechen , und wenn sie einmal ihren Sitz eingenommen , hielt sie sich ruhig , wie eine Statue in einer Nische . Beide Schwestern waren in fleckenloses Weiß gekleidet . Nur hielt ich jetzt Miß Ingram für eine solche Wahl , wie Herr Rochester sie wahrscheinlich treffen werde ? Ich konnte es nicht sagen — ich kannte seinen Geschmack in Betreff weiblicher Schönheit nicht . Wenn er das Majestätische liebte , so war sie das Urbild der Majestät : überdies war sie talentvoll und geistreich . Ich dachte , die meisten Herren müßten sie bewundern , und davon , daß er sie bewundere , glaubte ich schon einen Beweis zu haben : um den letzten Schatten des Zweifels zu entfernen , mußte man sie nur noch beisammen sehen . Du darfst nicht die Vermuthung hegen , lieber Leser , als sei Adele diese ganze Zeit über bewegungslos auf dem Schemel zu meinen Füßen sitzen geblieben nein , als die Damen eintraten , stand sie auf , ging ihnen entgegen , verneigte sich stattlich und sagte mit Ernst : „ Bon jour , mes dames . “ Miß Ingram blickte mit ihrer spöttischen Miene auf sie nieder und rief : „ O ! welch eine kleine Puppe ! “ Lady Lynn bemerkte : „ Es ist vermuthlich Herrn Rochester ' s Mündel — das kleine französische Mädchen , von der er gesprochen . “ Mistreß Dent reichte ihr freundlich die Hand und küßte sie . Amy und Louise Eshton riefen zugleich : „ Welch ein Engel von einem Kind ! “ Und dann führten sie sie zu einem Sopha , wo sie jetzt zwischen Beiden saß und abwechselnd französisch und gebrochen