Hamburg ist es doch amüsanter . Aber nicht wahr , wir haben morgen früh noch Zeit , ich muß doch Therese etwas mitbringen ... helfen Sie mir einkaufen ? « Dazu war Raspe gern bereit . Tulla erwog : eine ausgestopfte Möwe und ein paar Tonfiguren , Bewohner in Landestracht vorstellend . » Das wird ihr sehr nützlich sein , « spottete Raspe , und Tulla ließ sich gern auslachen . Nachher stellte sie Betrachtungen an über die Marineoffiziere , und sie bedauerte die armen Frauen . » Beruf ! « sagte Raspe . » Die Frau , die den Mann liebt , achtet seinen Beruf , bringt ihm Opfer . « » Ach bewahre - sie sieht den Beruf als ihren Feind an ! « » Warum ? « » Na - er nimmt ihr doch den Mann fast den ganzen Tag weg - eigentlich konnte man sich nicht wundern , daß Mama mit Papa ganz auseinander kam . Was hatte sie denn von ihm ? « Die Mutter sah sie aufmerksam an . » Eine Frau , die liebt , hat Ehrgeiz für den Mann , nimmt Teil an den Sorgen , Freuden , Aussichten seiner Arbeit - ist stolz auf sie - hilft ihr - und wenn nicht anders als dadurch , daß sie die Häuslichkeit auf die Anforderungen seines Berufes glatt und behaglich einzustellen weiß . « » Es ist immer bloß vom Mann die Rede , « debattierte sie eifrig . » Ich finde im Gegenteil , es ist heutzutage immer bloß von der Frau die Rede . « » So ? Sie sind doch schlankweg der Ansicht , daß die Frau sich in den Beruf des Mannes zu fügen hat . « » Unter allen Umständen , « sprach Raspe . » Ach nein , « meinte Tulla naiv , » doch wohl nur , wenn die Verhältnisse so sind ... Ich meine - viele müssen doch verdienen und einen Beruf haben - aber wer es sich leisten kann ohne - wenn ich mal heirate , müßte mein Mann den Abschied nehmen - mich so liebhaben , daß er mir allein leben wollte - « » Ihr Papa hat doch auch gearbeitet , « sagte er . » Gott - ja - er wollte doch auch Exzellenz werden - das erwartete Mama bestimmt ... « Sie brach jäh ab . Es war gerade , als lege ihr jemand eine Hand auf den Mund . Sie fühlte , sie war im Begriff gewesen , etwas Taktloses zu sagen , beinahe offenherzig zu wiederholen , daß Mama von Jahr zu Jahr ärgerlicher über den fehlenden Adel gewesen war und auf die Exzellenz als auf einen Ausgleich gewartet hatte - Wenn ihr das entschlüpft wäre ! Großer Gott ! Dann hätte Raspe noch gar gedacht , sie mache sich um seines Uradels willen so viel aus ihm . Und sie , sie hätte ihn auch geliebt , wenn er nur Schulz oder Müller geheißen hätte - es war ihr ganz egal - oder doch beinahe ... Wegen der Mama , den Brüdern , der Welt und vor allen Dingen wegen Fiffi war es natürlich sehr schön , auf einen alten Namen pochen zu können . Aber sonst ? ... Ja , ganz egal . Rasend liebte sie ihn - über alle Maßen . Und deshalb mußte er auch später durchaus den Abschied nehmen .... Tulla war sehr mit sich zufrieden , daß sie ihm vorweg angedeutet habe , er brauche nicht mehr abhängig zu sein . Das mußte ihn doch freuen - war doch eine herrliche Aussicht für ihn ! Welcher Mensch hätte sich das nicht gewünscht ! Nur noch Freude am Leben ! Gar keine Plage mehr ! Wenn sie nur erst verheiratet wären . Ach , es konnte dann zu schön werden - Reisen - Sport - vielleicht auch mal in Frankreich auf dem romantischen Schloß des künftigen Gatten der Mama - wo sie schon alles aufs großartigste herrichten würde . Und kein Dienst mit frühem Aufstehen mehr , keine scharfen Vorgesetzten , keine bevormundende Kommandeuse - Viktor , der es doch wissen mußte , sagte auch immer , es sei Schinderei .. Und Viktor nähme auch am liebsten den Abschied - aber er konnte sich ja nicht ein bißchen einschränken und mußte deshalb erst eine wahnsinnig reiche Frau finden . Sie aber und Raspe , sie würden bequem mit dem auskommen , was Mama und Onkel Buschke ihnen bewilligten - deshalb brauchten sie noch immer nicht so betrübend sparsam zu leben wie die arme Frau von Hellbingsdorf ... An diesem Abend , als Tulla sich ganz gehorsam hatte zu Bett schicken lassen - sie schwelgte förmlich im Gehorsam vor seiner Mutter - ging Sophie noch mit ihrem Sohn auf die Brücke hinaus . Schwarz waren Himmel und Meer . Vom Kriegsschiff herüber glänzte Licht . Droben auf der Höhe glühten Strahlen auf und loschen hin im regelmäßigen Wechsel . Das Vaterauge des Leuchtturms öffnete sich und schloß sich - immerfort - in rhythmischer Bewegung von Licht und Dunkelheit . Eng schmiegte sich die Mutter an den Sohn , der den Arm um sie gelegt hatte . Sie saßen auf einer der Bänke ; unter ihnen , um die klobigen Holzfundamente der Brücke , schülpte das Wasser . Sie sprachen zusammen - ganz wenige Worte - aus der Fülle ihres Verstehens heraus - als hätten Geständnisse sie vorbereitet - und alles war doch bisher mit Schweigen umhüllt gewesen . » Vielleicht ist es meine Schuld , « sagte die Mutter leise und traurig , » zu sehr habe ich Euch für die Familie erzogen - für ihre Stille - ihren genügsamen Frieden - ihre Wichtigkeit - - « Und ganz schüchtern fragte sie vor sich hin , beinahe wie an sich zweifelnd : » Sie ist doch noch immer das Wichtigste ? ... « Er drückte ihr fest und kurz die Hand zur Antwort . » Das arme Kind - glaubst Du nicht , daß