drunt für ein schweres Schnaufen haben ! « Malimmes mußte barmherzig sein und lügen : » Ist nit so arg ! Die können sich hinter der Mauer bergen und in den Wehrstuben hocken . « » Bis - « Jul konnte nimmer reden . » Was meinst du , Bub ? « » Bis wir kommen und dreinschlagen mit dem Eisen . « Die Zähne des Buben knirschten wir vor einem Schreikrampf . » Ich weiß doch , wie schiech es ist ! Und muß es tun . Ich muß - ich muß - « Da sagte Malimmes hastig : » Das nit , Bub ! Nit ums Herrgotts willen ! Auf den einen wirst du morgen nit losschlagen müssen . Per ist nit da drunt bei der Mauer . Fürgestern ist er nach Ingolstadt geritten . « Jul hob das erstarrte Gesicht , um das die schwarzen , nassen Haarsträhnen hingen . In seinem Blick war ein tiefer Schreck , der hinüberglänzte in eine so schöne Freude , als käme eine erlöste Seele aus diesen Augen heraus . Dann war ' s wieder eine schwere Trauer . Jul schüttelte den Kopf , als möchte er sagen : Du verstehst mich nit ! Sich beugend , preßte er die Stirn auf das eisengeschiente Knie und brach in stummes , würgendes Schluchzen aus . Malimmes legte den Arm um des Buben Küraß . Reden konnte er nicht . Und wie ein Frierender fing er zu zittern an . Dieser Rauhe , der ohne Träne war , hätte in diesem Augenblick die Sonne vom Himmel reißen mögen , um sie einer dürstenden Menschenseele in die Hände zu legen . Sich leis bewegend , wiegte er den schluchzenden Buben an seiner Schulter . Dann fing er mit einer Stimme , die fein und heiter klang , nach einer seltsam heimlichen Weise langsam zu singen an : » Ich leb , weiß nit , wie lang , Ja , leb , wie lang ? Ich sterb und weiß nit , wann , Ja , sterb , und wann ? Ich reit , weiß nit , wohin , Wohin ? Weiß nit , warum ich so fröhlich bin ! « Das gleiche sang er ein zweites Mal . Und wieder . Wieder . Bis Jul das Gesicht erhob und flüsternd sagte : » Das ist schön . « » Gelt ja ? Hab nit oft ein Wörtl gehört , das gescheiter geredet hätt von Glück und Leben . Und weißt du , wo ich das Liedlein herhab ? Sieben Jahr ist ' s , Bub , da hab ich einem Heckenreiter gesoldet . Und die Regensburger haben mich hopp genommen und haben mich in den schiechen Turm geworfen , den man den Gießübel heißt . Und in der trüben Lochstub ist das Liedlein eingeschnitten gewesen in den mürben Tisch . Und weißt du , von wem ? Der Lochwärtl hat mir ' s gesagt : von einem , den die Regensburger zum Tod gesprochen haben . « Irgendwo ein dumpfes Rauschen . Und ein Dröhnen in der Ferne , wie von tausend brüllenden Hauptbüchsen . Jul und Malimmes hoben die Gesichter . Und da sahen sie in den fernen Lüften ein Wunder stehen , so schreckhaft und von so herrlicher Schönheit , daß sie ihrer selbst und aller Nähe vergaßen . Weit draußen im Tal der Saalach , in der Scharte zwischen Untersberg und Staufen , stand über dem ebenen Land das entfesselte Gewitter , das von der Donau gezogen kam . Unter dem blauen Himmel und neben der Sonne , die noch auf die Berge schien , war das ferne Wettergewölk anzusehen wie eine riesenhafte , graublaue und schwarzbraune , mit Gold und Silber beschlagene Himmelstruhe , durch deren Ritzen die edlen Geschmeide Gottes blitzten . Aus der oberen Wolkendecke , die von Sonne schimmerte , wuchsen schneeweiße Dampfbäume gegen das leuchtende Blau hinauf , wie Palmen und Pinien gestaltet , mit rosigen Blumen und goldenen Trauben behangen . Und unter den Wolken , in dem stahlblauen und schattengrauen Gewirr der Regengüsse , zuckten mit grellem Schein oder in grünlichem Leuchten die Blitze hin und her . Und wenn die Blitze nach aufwärts durch die Wolkendecke stachen , faßten sie die silbernen Nebelbäume , ringelten sich wie glitzernde Schlangen über die Stämme hinauf , verteilten sich im Gezweig , machten die Blumen und Trauben brennen - und aus den Wipfeln fuhren sie verzüngelt in die blassen Dünste wie wehendes Goldhaar . Und dazu ein Rauschen , Dröhnen und Rollen , als käme der Schöpfer gefahren auf seinem Wagen , der gezogen wurde von den Riesen der Ewigkeit . Schweigend nahm Malimmes den Eisenhut vom Haar . Und Jul , die Hände ineinanderklammernd , fing mit der bebenden Stimme eines Weibes zu beten an . 11 Unter den peitschenden Regengüssen und prasselnden Hagelschlägen des Gewitters , das über die bayrischen Lande niederging , jagte Lampert Someiner in klebenden Kleidern auf seinem erschöpften , triefenden Rappen der vieltürmigen Stadt entgegen , die wie ein grauer Schemen hinter den Schleiern des vom Himmel fallenden Wassers lag . Irgendwo in diesem Grau , ganz nahe und dennoch unsichtbar , rauschte die hochgeschwollene Donau so stark , daß auch der rollende Donner dieses Rauschen nicht völlig übertönen konnte . Sooft das blaue oder weißgrelle Leuchten eines Blitzes durch die Lüfte ging , verstärkte sich der in großen Tropfen niederklatschende Regen , oder es prasselte ein neuer Hagelschauer aus den Wolken herunter . Auf der Straße versanken die Hagelkörner in Morast und Pfützen , doch auf den Wiesen und über den zerschlagenen Getreidefeldern neben der Straße lagen sie wie dicker Schnee . Und über diesem Schnee war tischhoch der weißliche Dunst , zu dem die auffallenden Regentropfen auf den harten Eiskörnern zerstäubten . Moorle jagte mit gesenktem Schädel , keuchend , die Augen vorgequollen , daß man rings um die angstvollen Lichter das blutunterlaufene Weiße sah . Lampert , um sich leicht zu machen und den Winddruck zu verkleinern ,